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Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland
120.2001
Seite: 58
(PDF, 59 MB)
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war, vom Kaiser empfangen und mit dem Lorbeerkranz gekrönt wurde. Zum Lohn
erhielt er einen Goldring, besetzt mit Brillanten, und wurde dann, nach dem Vortrag
eines Dankgedichtes, freundlich entlassen. Sicher haben die für die Dichterkrönung
des schweizerischen Humanisten Vadian - er wurde 1514 gekrönt - bezeugten Akklamationen
auch in Köln nicht gefehlt. Als Helfer oder als examinator stand Gla-
rean, wie er an Johann Laski am 4. März 1532 schrieb, der kaiserliche orator und
comes palatinus Balthasar Merklin aus Waldkirch zur Seite.3 Merklin, später Bischof
von Hildesheim und Konstanz, stieg unter Karl V. zum Vizekanzler des Reiches auf.
Er starb am 28. Mai 1531 in Trier. Die Mitwirkung Merklins bei Glareans Dichterkrönung
macht deutlich, dass es sich hierbei nicht um ein zufälliges Ereignis gehandelt
hat. Die Nähe zum Kaiserhof bedurfte der sorgfältigen Planung.

Die Dichterkrönung erinnert in ihrem Zeremoniell an kaiserliche Taufhandlungen,
wie sie aus dem frühen Mittelalter überliefert sind. Der Kaiser übernahm die Patenschaft
und überreichte Taufgeschenke, im Fall der Dichterkrönung Lorbeerkranz und
Ring. Ein Taufpate stand dem Täufling zur Seite. Auch die bei Vadians Dichterkrönung
bezeugten Zurufe erinnern an antike und byzantinische Akklamationen. Den
Abschluss des Zeremoniells bildete die mit einer admonitio verbundene freundliche
Entlassung. Durch die Taufe wurde der Täufling zum geistlichen Sohn; nun gehörte
er zur familia des Kaisers und war daher auf Dauer zur Treue verpflichtet.

Vom poeta wurde erwartet, dass er das Lob des Kaisers mehren, zu seinem
Nachruhm beitragen und auf den Reichstagen für positive Propaganda sorgen sollte.
Gleichzeitig sollte negative Historiographie verhindert werden. Die Dichterkrönung
eröffnete dem poeta einerseits den Weg zur Lehrtätigkeit an einer Universität und
andererseits in die kaiserliche Verwaltung, wo gebildete Bürger als Ersatz für einen
dem Kaiser nicht willfährigen Adel dienen sollten. Glareans Weg führte zur Universität
. Bereits 1510 begann er seine Lehrtätigkeit in Köln.

Den Titel eines poeta laureatus führte Glarean bis an sein Lebensende. Häufig
nutzte er Gelegenheiten, auf dieses wichtige Ereignis in seinem Leben hinzuweisen.
In den wenigen autobiographischen Zeugnissen lassen sich jedoch Unterschiede
feststellen hinsichtlich der Erwähnung der Dichterkrönung.

Wohl im Herbst des Jahres 1560 hatte der Pfarrer von Wölshingen, Petrus Goelin,
an Glarean geschrieben. Goelin hatte sich 1510 in Köln immatrikuliert und gehörte,
wie Glarean, zur Bursa Montis. Offenbar war er Schüler Glareans gewesen.6 Sein
Name war Glarean zwar entfallen, jedoch konnte er sich an Goelins Bursennamen
Thrasiklis7 erinnern. Anscheinend wollte Goelin etwas über Glareans Lebensumstände
erfahren. Der 72-jährige beantwortete den Brief am 1. November 1560 mit
einem Bericht über sein Leben.

Über Glareans Dichterkrönung war Goelin selbstverständlich informiert, und so
lag es nahe, dass Glarean in seinem Brief hierüber nichts notierte, zumal er ohnehin
über starke Augenschmerzen klagte, die ihm das Schreiben schon seit geraumer Zeit
schwer machten. Seine Lehrtätigkeit habe er 1510 in Köln mit Vorlesungen über Ver-
gils Aeneis und Georgica begonnen. Zur Zeit des Reuchlinstreits sei er nach Basel
übergesiedelt und habe dort das Glück gehabt, Erasmus von Rotterdam als Lehrmeister
zu bekommen. Nach einigen Jahren in Paris, wo er Bekanntschaft mit gelehrten
Männern gemacht habe, sei er nach Basel zurückgekehrt, im Glauben, dort

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