UB Freiburg, H 465,da
Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland
122.2003
Seite: 51
(PDF, 58 MB)
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Das vergessene St. Peterskloster auf dem Kaiserstuhl

Von

Bertram Jenisch und Thomas Steffens

Einleitung

Die Eichelspitze ist eine markante Erhöhung des Kaiserstuhlmassivs, die sich zwischen Eichstetten
und Vogtsburg auf eine Höhe von 520 m ü. NN erhebt. Viele kennen diesen Berg, oder
sind zumindest schon auf dem Weg vom Vogelsangpass zur St. Katharinenkapelle an ihm vorbeigewandert
. Besuchern des Gipfelplateaus fällt der Mauerrest auf, der unvermittelt in einer
Lichtung steht. Genau dort sollte ein Aussichtsturm erstellt werden, damit Wanderer die schöne
Aussicht über den Kaiserstuhl und die Freiburger Bucht genießen können.

Bei der Erstellung eines provisorischen Turms kam es zu Planierungen, bei denen umfangreiches
Fundmaterial zutage gefördert wurde. Dieses wurde von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter
des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg geborgen und an die Denkmalpflege
weitergeleitet. Bei der Beschäftigung mit den Lesefunden gelang es eine historische Einordnung
vorzunehmen.1 Mit Hilfe weiterer topographischer Beobachtungen und historischer
Recherche kann eine Mönchsgemeinschaft des spätmittelalterlichen Breisgaus belegt und beschrieben
werden, von der im Folgenden berichtet wird. Als erster wies Adolf Poinsignon auf
das verschollene Klösterlein „St. Peter auf dem Kaiserstuhl" der Paulinereremiten hin, mehr
als 100 Jahre später werden nun seine damals im Schau-ins-Land veröffentlichten Beobachtungen
ergänzt.2

Zur Geschichte des Paulinerordens

Die religiösen Bewegungen des 12. und 13. Jahrhunderts hatten in ganz Europa zu einer bisher
unbekannten Blüte des Eremitentums mit zahlreichen Zellen, Klausen und Einsiedeleien
geführt.3 Da solche Tendenzen bei der Amtskirche stets auch im Verdacht möglichen Ungehorsams
im Glauben, ja der Häresie standen, suchten Episkopat und römische Kurie das
Eremitentum zu disziplinieren. Das Ergebnis war - neben Bettelorden wie etwa den Augustinereremiten
- die Schaffung der eigentlichen Eremitenorden, in denen die räumliche Zurückgezogenheit
und das eremitisch-kontemplative Ideal sich mit dem Leben in einer geregelten
klösterlichen Gemeinschaft verbanden.

So bewirkten seit der Mitte des 13. Jahrhunderts in Ungarn einzelne Bischöfe den allmählichen
Zusammenschluss von Eremitengemeinschaften, die gemeinsam im legendären „Ur-
einsiedler" Paulus von Theben, der im 3. Jahrhundert gelebt hatte, ihren Patron sahen.4 Die

1 Bertram Jenisch: Das vergessene St. Peterskloster auf dem Kaiserstuhl und sein Bruderhäusle auf der Eichelspitze
. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 31/2, 2003, S. 99 f. Eine Auswahl dieser Funde war im Frühsommer
2002 in der Neufundvitrine des Museum für Ur- und Frühgeschichte, Colombischlössle ausgestellt und
wurde im Jahr 2003 im Dorfmuseum Eichstetten gezeigt.

2 Adolf Poinsignon: Das verschollene Klösterlein St. Peter auf dem Kaiserstuhl. In: Schau-ins-Land 14,1889,
S. 13-17.

3 Kaspar Elm: Eremiten und Eremitenorden des 13. Jahrhunderts. In: Beiträge zur Geschichte des Paulinerordens.
Hg. von Kaspar Elm. Berlin 2000, S. 11-22, hier u. zum Folgenden S. 14 f.

4 Vgl. hier und zum Folgenden etwa Gabor Sarbak: Entstehung und Frühgeschichte des Ordens der Pauliner.

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