Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
13(100).1977
Seite: 173
(PDF, 41 MB)
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Neues Schrifttum

Besprechungen

Felix Platter: Tagebuch (Lebensbeschreibung) 1536-1567. Im Auftrag der Historischen
und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, herausgegeben von Valentin Lötscher. Basel/
Stuttgart 1976, 579 S. mit 56 Tafeln und 21 Abbildungen im Text.

Der Lebensbericht des Basler Stadtarztes und Professors Felix Platter (1536-1614) ist
so geschrieben, daß an der Selbstbiographie dieses Mannes die geistigen, sozialen und wirtschaftlichen
Konturen eines ganzen Zeitalters ablesbar werden. In Platters autobiographischen
Notizen spiegelt sich überdies der entbehrungsreiche Aufstieg einer begabten, mit
wirtschaftlichen Ressourcen nur dürftig ausgestatteten Familie der ländlichen Unterschicht
. Thomas Platter (1499-1582), der Vater von Felix, als Bauernsohn in dem kleinen
Gebirgsdorf Grächen im Oberwallis geboren, hatte es vom Ziegenhirten, Seilerlehrling
, fahrenden Scholaren bis zum Buchdrucker, Lehrer und Rektor des Basler Gymnasiums
gebracht. Auch dem jungen Felix, der „als Kind des gehobenen Mittelstandes"
(S. 12) aufwuchs, ist in seiner Jugend nichts erspart geblieben - weder die Stockschläge
eines überaus gestrengen Vaters, die ihm „an eetlichen orten" (S. 80) Blutwunden verursachten
, noch Armut und Krankheit, Sorge, Zank und Streit in Haus und Familie. Als
Kind mußte er, wie seine Mutter und seine übrigen Geschwister auch, in der Druckerei
hart mitarbeiten, so daß ihm oftmals vom Papierstreichen „etwan die fingerlin blieten
[bluten] wolten". Für eine „Geschichte der Kindheit" enthält das erste Kapitel von Platters
Tagebuch ungemein anschauliche und historisch ergiebige Belege und Materialien.

Einen breiten Raum in Platters Tagebuch nimmt seine Studienzeit in Montpellier ein
(S. 127-311). In Montpellier, einer Hochburg der medizinischen Wissenschaft, die insbesondere
für ihre Anatomie und Chirurgie bekannt war, bereitete er sich vom Herbst 1552
bis zum Frühjahr 1557 auf seinen künftigen Beruf vor. Die Wahl des Arztberufes
bestimmte nicht nur der Wille des Vaters, der ihm kategorisch erklärt hatte, er müsse
„in der artzny studieren" (S. 119), sondern auch persönliche Neigung. Mit unbekümmerter
Offenheit gibt Platter zu erkennen, daß er bereits „in zerster iugendt gern sach die
thier metzgen" (S. 111), um „hertz und andre inwendige glider" sehen zu können - eine
Tatsache, die er rückblickend als „zeichen" für seine zukünftigen Berufsinteressen
betrachtet. Auch habe es ihm schon als Kind „großen lust" (S. 112) bereitet, Hirsch-
und Maikäfer, Schmetterlinge, „mucken unnd insecta" zu fangen, zu zerlegen und
„zebesichtigen", wie sy gformiert waren". Die weiteren Abschnitte des Buches gelten
Platters Liebesgeschichte mit Magdalena Jeckelmann, der gemeinsamen Gründung eines
eigenen Hausstandes und den bescheidenen Anfängen der ärztlichen Praxis. Platters
Gelehrtendasein, in dem sich medizinische Theorie und medizinische Praxis stets miteinander
verbanden, wird aus dem Tagebuch nur noch in groben Umrissen erkennbar;
1567 bricht es gänzlich ab, da der nun mehr etablierte und vielbeschäftigte Professor
und Stadtarzt Felix Platter keine Zeit mehr fand, tagebuchartige Notizen anzufertigen
, die als Grundlage einer sein gesamtes Leben umspannenden Autobiographie

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