Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
24/25(111/112).1988/89
Seite: 144
(PDF, 60 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Regionalia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1988-89/0146
Johann Ottmar

durch die auf ihm überlieferten Angaben zweifelsfrei feststehen. Die darauf aufbauenden
Ausführungen haben, so hoffe ich, plausibel gemacht, daß der heutige Glatter Kelch ursprünglich
ein Neunecker Kelch war und ungefähr sechzig Jahre lang in der Neunecker Kapelle und
nachmaligen Pfarrkirche als Meßkelch in Gebrauch war, und daß der Kelch auf Betreiben der
Enkelin der Stifter, Magdalena v. Neuneck, geb. v. Ehingen, um 1560 nach Glatt verbracht
wurde, weil Georg v. Ehingen, der Vetter der Magdalena, um diese Zeit den Bruch mit der alten
Kirche vollzog. Ob Magdalena in Georgs altgläubigem Sohn Jakob, ihrem eigenen Sohn Hans
Heinrich oder in dem von der Reformation betroffenen Neunecker Priester Helfer fand23, muß
offen bleiben. Ihrer persönlichen Verbundenheit mit der Konfession, in der sie aufgewachsen
war, hatte Magdalena bereits 1557 durch die Stiftung einer Gedächtnistafel, die sich heute im
Nagolder Stadtteil Vollmaringen befindet, Ausdruck verliehen24.

Der naheliegenden Frage, wo der Kelch von 1497 entstanden sein könnte, werde ich mich
nach der Vorstellung des Kelches von Neckarhausen und den Erörterungen zum möglichen
Stifter jenes Kelches zuwenden.

DER KELCH VON NECKARHAUSEN
Beschreibung

Die Jahresrechnung des Heiligen Ulrich zu Neckarhausen von Lichtmeß 1793 bis Lichtmeß
1794 verzeichnet unter der Rubrik »Auf Kirchen Nothwendigkeiten« ... für 1 Kelch -
Fueteral die Ausgabe von 32 Kreuzern. (Auf 1 Gulden wurden 60 Kreuzer gerechnet.) Man
darf annehmen, daß das Futteral für den auf Abbildung 3 wiedergegebenen Kelch gedacht war,
denn für die seltenen Meßfeiern in der Ulrichskapelle in Neckarhausen dürfte ein Kelch
ausgereicht haben. Sein bis heute guter Erhaltungszustand hat ihn wohl vor dem Einschmelzen
bewahrt, wie es im obengenannten Jahr zwei Opferkännchen erging, die umgegossen
wurden. Dafür wandte die Heiligenpflege 1 Gulden 8 Kreuzer und 3 Heller auf. Der Kelch
selbst wird im übrigen in den erhaltenen Heiligenrechnungen (1711-1716 und 1744—1803)
nicht aufgeführt25.

Heutzutage wird der Kelch von Neckarhausen in Betra verwahrt, zu dessen Sprengel der
kleine Talort seit der Erhebung Betras zur Pfarrei im späten 18. Jahrhundert gehört. Zuvor
waren Betra und Neckarhausen nach Empfingen eingepfarrt.

Der vergoldete silberne Kelch mit einem Gewicht von 505 Gramm hat dank seines
dickwandigen Sechspaßfußes mit kräftiger Profilierung einen soliden Stand. Die sechs glatten,
durch einfache Grate getrennten Felder enden in einer Abtreppung, die den Übergang zum recht
schlanken Schaft vermittelt. Die hochrechteckigen, mit Maßwerkgravierungen verzierten Felder
unter dem Knauf und die quadratischen, ebenfalls ornamentierten Felder darüber weichen in
ihrer Stellung etwas voneinander ab. Die sich einander zubiegenden, spitz zulaufenden Blattpaare
- auch sie mit feinen Maßwerkeinritzungen - lassen den sechs Korbblüten mit Blütenblättern
, die an breite Pfeilspitzen erinnern, genügend Platz zur Entfaltung, wobei deren horizontale
und vertikale Achsen ganz der Rundung des Knaufes folgen. Die kräftige Ausladung, die den
Becher kennzeichnet und ihm ein trichterähnliches Aussehen verleiht, ist angesichts der kraftvollen
Gestaltung des Fußes sicher nicht fehl am Platz. Die auffällige Ähnlichkeit von einigen
Details mit solchen des Glatter Kelches werden unten erörtert.

auch auf dem Siegelring der Magdalena vereinigt (vgl. Quittung vom 24. 4. 1557 im StASIG Dep. 39 Glatt
143,47).

23 Vgl. Anm.20.

24 Vgl. J. Ottmar: Die Vollmaringer Gedächtnistafel der Magdalena v. Neuneck geb. v. Ehingen von
1557. In: Der Landkreis Calw. Ein Jahrbuch. Bd5 (1987), S. 53-62.

25 StASIG Ho 163 Akten 74.

144


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1988-89/0146