Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
24/25(111/112).1988/89
Seite: 155
(PDF, 60 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1988-89/0157
Die spätgotischen Kelche von Glatt und Neckarhausen

Publikationen von /. M. Fritz außer dem Peter-Sprung-Kelch andere Kelche mit aufgesetzten
Wappenschilden beziehungsweise -Scheiben zu finden. Das Formengut beider Arbeiten
spricht meines Erachtens für die Entstehung auf der Westseite des Schwarzwaldes. Andererseits
können natürlich auch oberrheinisch geschulte und danach auf der Ostseite des
Schwarzwaldes ansässige Meister die Kelche geschaffen haben. Hierzu eine lange Reihe von
denkbaren Orten in spekulativer Weise Revue passieren zu lassen, hätte wenig Sinn. Bei
der Nähe der Orte Neckarhausen und Neuneck zur Stadt Horb am Neckar seien jedoch
einige Hinweise auf dort vor und nach 1500 urkundlich faßbare Goldschmiede gegeben.
Vorausschicken möchte ich, daß der sehr beachtenswerte Horber Kirchenschatz mit Ausnahme
eines nachweislich aus Straßburg stammenden Kreuzes bisher nicht exakt lokalisiert
und wegen des Fehlens von Beschau- und Meisterzeichen auch nicht individuellen Goldschmieden
zugeordnet werden konnte. Das Weihrauchfaß und die beiden Meßkännchen
(letztere im Württembergischen Landesmuseum) gelten vermutungsweise als oberrheinisch66
.

Auf Horber Goldschmiede wurde in jüngster Zeit durch Franz Geßler aufmerksam
gemacht. Er führt in einem Beitrag zum Horber Kunsthandwerk in der späten Gotik67
Goldschmiede namens Erhard Herzog für die Jahre 1457 und 1470 sowie 1479 und Hans
Pur samt seinem Sohn Matheus Puwer oder Pauwer auf, die im frühen 16. Jahrhunden
belegt sind68. Was nun Erhard Herzog angeht, neige ich zu der Auffassung, daß es in
Horb zwei verschiedene Goldschmiede dieses Namens gab. Den älteren der angenommenen
zwei Namensträger bringe ich mit drei Güterverkäufen in Verbindung, die auf den
4.Februar 1460, den 15.Juni 1470 und den 24.Juli 1472 fallen69. Zunächst erwarb Erhard
Herzog, Goldschmied und Bürger zu Horb, den Anteil des Ludwig v. Emershofen und
seiner Frau Elsbeth Stahler (einer Horberin) am Bauhof zu Eutingen im Gäu gelegen und
des Bösingers Hof genannt, den die Verkäufer von Hiltpolt Stahler, dem Vater der Elsbeth,
geerbt hatten, um 210 rheinische Gulden. Zehn Jahre danach verkauften Jakob und Hans v.
Gültlingen dem maister Erhartten Herzogen dem goldschmid burger zu Horw ihren Hof
zu Baisingen (Stadtteil von Rottenburg) um 264 rheinische Gulden. Auf die Güterkäufe in
den beiden Dörfern folgte 1472 der Erwerb einer Scheuer samt dahinterliegender Hofstatt
in der Wintergasse in Horb um 62 Pfund Horber Währung durch Erhard Herzog, Goldschmiedemeister
, von einem Horber Bürger namens Konrad Hug. Dies alles läßt auf einen
wohlhabenden Käufer schließen, der Kapital anlegen konnte. Ein junger Vertreter seines
Handwerks dürfte dafür wohl kaum in Frage kommen.

Bei den weiteren fünf Nennungen eines Erhard Herzog handelt es sich ebenfalls um
Rechtsgeschäfte, die auf verfügbares Kapital hindeuten. Am 30. August 1485 übernahm
Erhard Herzog, Bürger zu Horb, einen Teilbetrag von 400 fl an einem Darlehen, das der
oben bereits erwähnte Ludwig v. Emershofen, jetzt Vogt in Horb, vorderösterreichischen
Städten gewährt hatte. Zwei Jahre später beurkunden diese beiden zusammen mit Michel
Schütz v. Eutingertal, daß ihnen die Herrschaft Hohenberg 2000fl schulde70. Um den sehr
viel kleineren Betrag von jeweils 40 fl ging es am 26. Juli 1491, als sich die Gemeinde Betra
bei Erhard Herzog ein Darlehen besorgte71, und am 15.Februar 1493, als Hans Harer von
Baisingen sich bei dem ersamen Erhart Hertzog dem goldschmid burger zu Horb gegen

66 J. M.Fritz: Goldschmiedekunst, S.253f. Nr.214 u. Abb. 194; S.244f. Nr.200 u. 201 u. die Abb. 180,
181 u. 178.

67 In der von ihm selbst hrsg. Publikation: Veit Stoß Bildhauer von Horb, S. 51-53.

68 Der letzere zum Beispiel am 16. 2. 1529 in WAI 20, S. 83.

69 StASIG Dep. 39 Glatt 75,15 beziehungsweise StASIG Dep.38 II Baisingen d 7a (nach dem Zettelre-
pertorium, die Urkunde selbst war nicht im betr. Umschlag). HStAS B 43 Rep. S. 258.

70 WAI 20, S. 101 f.

71 StASIG Dep. 38 II Baisingen d 87.

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