Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
24/25(111/112).1988/89
Seite: 226
(PDF, 60 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1988-89/0232
Heinrich Kohring

»in Mangel eines bestellten Arznei-Doctors« zwei oder drei Jahre lang, »eigenes Practicieren
unternommen« (als Arzt natürlich). Dies, so Scheltz, habe er tun müssen, »um seine Apotheke
und Corpus [= Inventar, Arzneien] nicht ins Verderben kommen zu lassen, sonst wären ihm
alle Simplicia und Composita gewiss verdorben.« Der beschuldigte Apotheker bittet schließlich
den Magistrat, »ihn als eingesessenen, zünftigen Bürger bei hievor gehabter, unverhinderter
Freiheit des Arzneiens und der Apotheke bleiben zu lassen«, und weist zuvor, sich
sozusagen entschuldigend, darauf hin, daß er freilich wisse, »dass Salome Jud von Hechingen
viel Bürgern hier Rat und Arznei mitteilt. Zudem wird Doctor Kürman (einer seiner
Konkurrenten, vgl.o.) oder irgend jemand nicht mit Wahrheit Scheltz nachsagen können, dass
er einen Menschen mit seiner Arznei getötet oder zu Schaden gebracht habe.«12

»Germania Judaica« - Hechingen ist zu verbessern (und die Hechinger Chronik ebenfalls)

Herr Dr. Gemeinhardt hat das Originaldokument für mich ausheben lassen, ich habe das
datierte Schriftstück in der Hand gehalten und inspiziert - an der Jahreszahl 1565 besteht nicht
der geringste Zweifel. Es ist nun auch klar, daß Thomas Miller nicht nur ein Antisemit,
sondern auch ein schlampiger Skribent war. Nicht genug damit, daß er die Angabe Theodor
Schöns um 100 Jahre vordatiert, sondern er zitiert auch den Titel des Aufsatzes falsch, er gibt
die Seite seines Fundes nicht an, ja er erwähnt nicht einmal, daß der Schön'sche Aufsatz in
zwei Folgen und mit einem Nachtrag erschienen ist. Noch schlimmer ist der inhaltliche
Fehler: keine Rede ist bei Schön davon, daß, wie Miller behauptet, Salomon Jud (bei Schön:
Salomo Jud, aber das ist unwichtig) in Hechingen die ärztliche Heilkunst ausgeübt habe. Ein
Student im l. Semester hätte das wahrlich besser gemacht - oder ein »Ungenügend« kassiert!
Klar ist natürlich auch, daß die Angabe in GJ 111,1, S. 522 (»Hechingen«), nach der dort
»erstmals 1465 der jüd. Arzt Salomon« bezeugt sei, bei einer Neuauflage zu tilgen oder
zumindest zu korrigieren ist.

Angemerkt sei, daß auch andere mit der zeitlichen Einordnung des Arztes Salomon
Schwierigkeiten hatten: in der Hechinger Chronik von 198013 taucht Salomon - ich bin sicher,
es handelt sich um ihn - unter dem Jahr 1778 mit folgendem Eintrag auf: »Der Jude Salamon
(sie!) aus Hechingen erteilte in Reutlingen verbotenerweise ärztliche Ratschläge.«14

Der früheste Beleg für jüdische Präsenz: weiterhin 1490

Klar ist drittens aber auch, daß es also weiterhin dabei bleibt: Der schon erwähnte Salme
Jud, der in der Sulzer Verkaufsurkunde vom 4. März 1490 genannt wird, ist der erste
namentlich bekannte Hechinger Jude. Das bedeutet aber durchaus nicht, daß man den Arzt
Salomon ad acta legen könne. Ganz im Gegenteil: ich habe in den letzten Wochen in
verschiedenen Archiven ein erstaunlich reichhaltiges Material (von 1527 bis 1578) über ihn
zusammengetragen, mit dessen Hilfe sich sein über die Maßen wechselvolles und tätiges Leben
über weite Strecken recht gut rekonstruieren läßt. Dieses Material wirft auch ein interessantes
Licht auf die jüdische Geschichte in Deutschland im Verlaufe des 16. Jahrhunderts. Zu
gegebener Zeit gedenke ich, das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes nachzuzeichnen.

12 Zitiert nach Regesten Bd. 11 (wie Anm. 11).

13 Ludwig Eglers Chronik der Stadt Hechingen. Dritte Auflage nach Bearbeitung der Hechinger
Redakteure Walter Sauter und Bruno Ewald Reiser. Bd. 1. Hechingen 1980, S. 174.

14 In der Auflage von 1906 ist dieser Eintrag noch nicht vorhanden.

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