Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
43(128).2007
Seite: 147
(PDF, 57 MB)
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CASIMIR BUMILLER

Polemik al fresco

Die Funktion der Historienmalerei in der Auseinandersetzung
zwischen Württemberg und Hohenzollern im 19. Jahrhundert

Im Jahr 1836 hatte der württembergische Hofmaler Joseph Anton Gegenbaur
(1800-1876) im Auftrag von König Wilhelm I. (1816-1864) in der Beletage des Neuen
Schlosses einen Freskenzyklus mit Motiven aus der württembergischen Geschichte
begonnen. Dazu zählten Bilder wie der „Uberfall bei Wildbad", die „Schlacht bei
Döffingen" oder die „Belagerung Stuttgarts durch Rudolf von Habsburg". Die Fresken
gefielen dem König so gut, dass er dem Maler im Jahr 1841 den württembergischen
Kronorden verlieh, der mit der Nobilitierung des Meisters verbunden war, so
dass dieser sich von da an Joseph Anton von Gegenbaur nannte. In der Folge erhielt
der geadelte Hofmaler den Auftrag, im Corps de Logis des Neuen Schlosses Fresken
aus dem Leben Eberhards im Bart zu schaffen, die in den Jahren bis 1847 realisiert
wurden. Sie gipfelten in der Szene „Belehnung Eberhards mit der Herzogswürde
durch Kaiser Maximilian [1495]"K

Dann kam zunächst einmal die Revolution von 1848/49, und der Hofmaler, dem
mittlerweile der Ruf des bedeutendsten Historienmalers seiner Zeit vorauseilte, hatte
Ruh'. Erst als sich die Wogen geglättet und die politischen Verhältnisse im Sinne der
Restauration gefestigt hatten, ließ der König sein Bildprogramm im Neuen Schloss
durch Gegenbaur vervollständigen. Seit 1850 brachte der Geschichtenmaler also
nochmals eine Serie von Schlachtenbildern auf den Putz, darunter ein Monumentalgemälde
mit dem Titel „Henriette von Mömpelgard besiegt Friedrich von Zollern".

Der gesamte Freskenzyklus im Neuen Schloss wirkt auf den ersten Blick recht
disparat, und doch folgten die Bilder einer bestimmten Idee. Michael Wenger sieht
den inneren Zusammenhang des umfangreichen Stuttgarter Freskenzyklus in der Verteidigung
der „Eigenständigkeit des Landes" „gegen eine drohende Bevormundung"
durch „übermächtige Gegner"2. Der „übermächtige Gegner" im Gemälde „Henriette
von Mömpelgard besiegt Friedrich von Zollern" ist jedoch kaum dieser Graf von Zollern
- denn das war zwar ein ärgerlicher, aber keineswegs starker Gegner -, der Gegner
, den der württembergische König und sein Hofmaler im Auge hatten, war, wie zu
zeigen sein wird, kein Geringerer als der preußische König Friedrich Wilhelm IV, der
hier nur im mittelalterlichen Gewand Friedrichs von Zollern versteckt wird.

1 Michael Wenger: Ein fast vergessener Künstler wieder entdeckt, in: Schlösser Baden-Württemberg
2/2000, S. 17-21; zum Künstler siehe auch Regine Bandasch: Joseph Anton Gegenbaur
(1800-1876): ein württembergischer Hofmaler und seine Zeit. Freiburg 1982.

2 Wenger (wie Anm. 1), S. 20.

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