Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
44(129).2008
Seite: 217
(PDF, 59 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg2008/0221
Schloss Hertingen

Verwaltung im 2. Obergeschoss des Schlosses
unterzubringen, da dort die Bausubstanz
schlechter sei und die wertvoll stuckierten
Räume im ersten Obergeschoss sich besser
für ein Heimatmuseum eigneten. Damals
konnten sich die Hettinger Gemeindeväter
dieser Auffassung aber nicht anschließen,
sahen in der Einrichtung eines Heimatmuseums
in den historischen Räumen des 1. Ober- _ ,, , , . . .. _ , .

geschosses sogar eine Überbewertung D*5 H^modeJl'für eineri zukunftigen Schloss-
desselben. Man wollte die Hettinger Stadt- bergaufzug steht, auch heute noch griffbereit,
,. . .. .. + • ■ im neuen Hettinger Rathaus im Schbss.

Verwaltung in repräsentativen, historischen y FOTO- G L

Räumen unterbringen, böse Zungen unter- ^ ^

stellten dem damaligen Bürgermeister gar, er wolle dort oben als neuer Stadtfürst regieren.
Ein halbes Jahr später bekräftigte der Gemeinderat seine Haltung, das erste Obergeschoss für
die Verwaltung nutzen zu wollen, obwohl in dieser Sitzung nochmals vom Landesdenkmalamt
dagegen argumentiert wurde.27 Die Denkmalschützerin Frau Dr. Schneider gab zum Beispiel
zu Bedenken, dass die Abnutzung besonders der wertvollen Holzkassettenböden durch Publikumsverkehr
zu einer allmählichen Zerstörung dieser erhaltenswerten Bausubstanz führen
würde. Aus dem Gemeinderat wurde dagegengehalten, dass das Treppensteigen bis in den
zweiten Stock für zukünftige Besucher der Verwaltung unzumutbar sei, schließlich müssten die
Hettinger Bürger ja ohnehin schon die Erschwernis der Berglage des Schlosses in Kauf nehmen.
Architekt August Moschkon brachte an diesem Abend erstmals mit der „Variante Trauzimmer
" eine eingeschränkte öffentliche Nutzung der historischen Räume ins Gespräch. Solch
eine Lösung konnte sich nun auch das Landesdenkmalamt vorstellen und so wurde diskutiert,
im Musikzimmer der Beletage, dem am reichsten mit Stuckaturen ausgestatteten Zimmer, ein
Trauzimmer einzurichten. Dass sich dessen Benutzung in überschaubaren Grenzen halten
würde, war wohl allen Beteiligten klar.

Ein besonderes Augenmerk solle man bei der Planung auf die Schlossküche im Untergeschoss
richten, appellierte die Denkmalschützerin in der gleichen Sitzung an die Gemeinderäte. Solch
gut erhaltene Küchen gebe es in süddeutschen Schlössern und Herrensitzen nur noch ganz wenige
. Seine Existenz hatte der historische Baubestand der Küche mit großen steinernen Wasserbecken
, einer mitten durch den Raum verlaufenden Abwasserrinne und einem mächtigen
Rauchfang wohl auch der Tatsache zu verdanken, dass zumindest im 20. Jahrhundert in der
ehemaligen Schlosskapelle auf der Beletage im 1. Stock gekocht wurde. Die alte Küche diente
nur noch als Kellergewölbe.

In den nächsten drei Jahren erfolgte vor allem eine exakte Bauplanung durch das Architekturbüro
Moschkon, in diese Phase fiel auch die vom Landesdenkmalsamt gewünschte Entscheidung
, die Verwaltung im 2. Obergeschoss unterzubringen. Im Sommer 1990 konnte
Bürgermeister Müller dem Hettinger Gemeinderat das fertige Baugesuch vorlegen.28 Ein knappes
Jahr später, Anfang Mai 1991 zog die Mieterin, Marie-Luise Otto, aus dem Schloss aus,
nachdem sie der Gemeinde noch einige Ausstattungsgegenstände aus ihrem Wohnbereich, die
aus ihrem Familienbesitz stammten, verkauft hatte.29

27 Ebd. 10.11.1987.

28 Protokollniederschrift der Gemeinderatssitzung vom 6.6.1990 (Gemeindearchiv der Stadt Hettingen,
Gemeinderatsprotokolle 1990).

29 Protokollniederschrift der Gemeinderatssitzung vom 23.4.1991 (Gemeindearchiv der Stadt Hettingen,
Gemeinderatsprotokolle 1991).

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