Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
46(131).2010
Seite: 30
(PDF, 40 MB)
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Edwin Ernst Weber

7. KONTAKTE NACH DEUTSCHLAND NACH 1945

Trotz der erlittenen Demütigungen und Verfolgungen, trotz Unrecht und Gewalt sind
die Angehörigen der Familie nach Kriegsende und Sturz der NS-Herrschaft an der Verbindung
in die alte Heimat in Sigmaringen stets interessiert. Die ersten Kontakte nach
1945 werden verständlicherweise zu den wenigen Freunden geknüpft, die ihnen in der
Verfolgung treu geblieben waren. So erhält Lisa Heyman geb. Frank alsbald nach
Kriegsende Post von ihrer Freundin, der Ärztin Lotte Kurfess, die sich offenbar in
sowjetischer Gefangenschaft befindet und ihre Briefe nach Amerika aus dem Lager
schmuggeln lässt. Nachdem sie nach einem ersten Kontakt nichts mehr von Lotte hört,
vermutet sie, dass ihre Freundin, möglicherweise bei einem Fluchtversuch, ums Leben
gekommen ist.134 Rasch wiederbelebt werden auch die Beziehungen zu den Sigmaringer
Getreuen wie Anna Engel und Rechtsanwalt Fidelis Ott, der die Franks in der Folge
in den sich über zwei Jahrzehnten hinziehenden Rückerstattungs- und Wiedergutmachungsverfahren
engagiert und routiniert juristisch vertritt. Als Emma Frank 1954
zu einem mehrmonatigen Besuch nach Sigmaringen kommt, um diese Verfahren selbst
voranzutreiben, wohnt sie im Haus der Engels in der Josefinenstraße.135

Wohl den ersten Sigmaringer Besuch in der neuen amerikanischen Heimat erhalten
die Franks Ende März 1954 von Hannelore Schiöder (verh. Zekorn), die sich als junge
Austauschlehrerin neun Monate in den USA aufhält und die Gelegenheit dazu nutzt,
um etliche Verwandte und Bekannte ihrer Familie aus Sigmaringen in Amerika aufzusuchen
.136 Ende März 1954 ist sie für vier Tage bei den Franks in Louisville zu Gast und
wird sowohl von den Heymans wie auch von Emma Frank und der Familie von Kurt
Frank sehr herzlich empfangen und aufgenommen. Das Thema der Verfolgung und die
in Sigmaringen gemachten bitteren Erfahrung der Ausgrenzung und des Unrechts werden
in den langen Gesprächen indessen weitgehend ausgeklammert.

Während Kurt Frank offenbar schon bald nach dem Krieg Sigmaringen besucht, will
Julius Heyman nach der Ermordung seiner Eltern lange Zeit von einer Rückkehr in die
alte Heimat nichts wissen. Erst zu Beginn der 1970er Jahre kommen Julius und Lisa Heyman
zu einem ersten Besuch in ihre Heimatstädte Augsburg und Sigmaringen. Nach dem
Tod ihres Mannes ist Lisa Heyman in Begleitung ihrer Tochter Patsy 1995 ein weiteres
Mal zu Besuch in Sigmaringen, wo es ihr zu Ehren dann sogar ein improvisiertes Klassentreffen
ihres ehemaligen Sigmaringer Volksschuljahrgangs mit Erinnerungsfoto auf
dem Marktplatz gibt. Bei beiden Besuchen in Sigmaringen trifft Lisa Heyman viele alte
Bekannte aus Kinder- und Jugendtagen. Alle seien, wie sie sich erinnert, erfreut gewesen
, sie zu sehen, und das in den 1930er Jahren Geschehene habe ihnen sehr leid getan.137

134 Filminterview Lisa Heyman 1997 (wie Anm. 42). - Zeitzeugenbefragung Lisa und Patsy Heyman vom
19.11.2010 (wie Anm. 87).

135 In den Akten des Wiedergutmachungsverfahrens Siegfried Frank (wie Anm. 18) wird 1954 das Engel-
sche Haus Josefinenstraße 1 als Adresse von Emma Frank in Sigmaringen genannt. - Vgl. auch Zeitzeugenbefragung
Lisa und Patsy Heyman vom 19.11.2010 (wie Anm. 87).

136 Zeitzeugenbefragung Hannelore Zekorn (wie Anm. 82).

137 Filminterview Lisa Heyman 1997 (wie Anm. 42). - Zeitzeugenbefragung Hannelore Zekorn (wie Anm. 82).
- Ein weiteres Mal hält sich Emma Frank 1957 längere Zeit in Sigmaringen auf und wohnt wiederum in der
Josefinenstraße 1 (Wiedergutmachungsverfahren Emma Frank, StAS Wü 33 T1 Nr. 5979).

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