Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
46(131).2010
Seite: 201
(PDF, 40 MB)
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Neues Schrifttum

Volker Lässing: Den Teufel holt keiner. Otto Hahn und das Kaiser-Wilhelm-Institut
für Chemie in Tailfingen. Albstadt: CM-Verlag 2010. 230 S., 121 Abb.

Bekannt, nicht zuletzt durch den Atomkeller in Haigerloch, ist die Geschichte des Kaiser
-Wilhelm-Instituts (KWI) für Physik um die Atomforscher wie Werner Heisenberg
und Carl Friedrich von Weizsäcker in Hechingen und Haigerloch. Weniger bekannt
dagegen ist die Geschichte des KWI für Chemie und ihrem, für die Entdeckung der
Kernspaltung mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Leiter Otto Hahn in Tailfingen in
den Jahren von 1943/44 bis 1949. Das Institut wurde wegen der fortdauernden Bombenangriffe
auf Berlin in den Talgang mit seinen vielen Fabrikgebäuden verlegt, da in
Hechingen keine räumlichen Kapazitäten mehr frei waren. Das Buch ist ein weiterer
Mosaikstein zu einem noch ausstehenden Gesamtüberblick über die Forschungsinstitute
, die sich in der Endphase des Zweiten Weltkriegs in der Region angesiedelt hatten.
Dazu zählt die „Forschungsstelle D" des Schweizer Physikers Hans Walter Dällen-
bach, die als selbständige Forschungsstelle von Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und AEG
von 1943 bis zur ihrer Demontage durch die Franzosen im Jahr 1945 in der Textilfabrik
Maute in Bisingen angesiedelt war und auf dem Gebiet der Strahlenwaffen forschte.
Oder die von Hanau nach Onstmettingen verlegten physikalischen Laboratorien von
W.C. Heraeus.

Die zunächst romanhafte Erzählung beginnt kurz vor der Besetzung Tailfingens
durch die Franzosen. Es ist eine Geschichte von Mut und Standhaftigkeit einer Reihe
von Frauen, die sich den eigenen Soldaten in den Weg stellten und damit eine mögliche
Zerstörung ihrer Heimat verhinderten. Bevor aber dann die französischen Truppen einzogen
, rückte eine Einheit der amerikanisch-britischen Geheimdienstmission „AL-
SOS" ein, welche die Aufgabe hatte, die Wissenschaftler, die in die deutsche Atomforschung
eingebunden waren, gefangen zu nehmen sowie deren Unterlagen und
Versuchseinrichtungen zu konfiszieren. Otto Hahn wurde so unter den Augen der am
selben Tag einrückenden Franzosen zusammen mit weiteren Wissenschaftlern aus Hechingen
von den Amerikanern gefangen genommen und im englischen Farm Hall für
ein halbes Jahr interniert. Die Gespräche der Wissenschaftler wurden heimlich abgehört
, um mehr über die deutsche Atomforschung, aber auch über ihre politische Einstellungen
und Kooperationsbereitschaft zu erfahren. Die Gesprächsprotokolle wurden
später als „Farm-Hall-Protokolle" publiziert.

In die Internierungszeit fällt die Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki durch
amerikanische Atombomben. „Otto Hahn reagiert mit tiefer Trauer und Bestürzung,
hatte doch seine wissenschaftliche Entdeckung nur sechseinhalb Jahre zuvor den Anstoß
zum Bau der Bombe gegeben", so schildert der Autor eine Szenerie in Farm Hall
(S. 115). Kaum zu glauben, dass Otto Hahn nicht gewusst hatte, welche militärischen
Möglichkeiten seine Forschungsergebnisse noch bieten würde. Gibt es einen Zusammenhang
zu dem titelgebenden Ausspruch Hahns „Den Teufel holt keiner" ? Ging es
vielleicht genau um dieses Wissen, dass er mit der Entdeckung der Kernspaltung die
Büchse der Pandora geöffnet hatte? Ein Thema mit dem sich auch führende Dramatiker
auseinandergesetzt haben. Erwähnt seien nur „Das Leben des Galilei", das Bertolt
Brecht schon 1938/39 vor dem Hintergrund der Entdeckung der Kernspaltung geschrieben
hatte oder das Bühnenstück „Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt.

201


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