Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
46(131).2010
Seite: 202
(PDF, 40 MB)
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Neues Schrifttum

Die Äußerung Hahns lässt aber auch die Absicht der Wissenschaftler erkennen, ihre
Arbeiten als unpolitische, nur am Erkenntnisfortschritt orientierte Grundlagenforschung
darzustellen. Ein Umdeutungsprozess, der, wie neuere Studien nachweisen, in
Farm Hall begonnen hatte, mit dem Ziel den personellen und institutionellen Fortbestand
der deutschen (Atom-) Wissenschaft im Nachkriegsdeutschland zu sichern. Dass
die Wissenschaftler keinesfalls so unabhängig agierten, wie sie es später darzustellen
versuchten, zeigen beispielsweise wissenschaftliche Veranstaltungen in den 40er-Jah-
ren. Dort warben die Atomwissenschaftler mit den militärischen Anwendungsmöglichkeiten
des Uranprojektes bei staatlichen Institutionen um Forschungsgelder. Auch
die Einschätzung Hahns, in seinem in Farm Hall geführten Tagebuch spricht eine andere
Sprache. Er vermutet, dass man die Atombombe eingesetzt hätte, wäre sie rechtzeitig
von den deutschen Wissenschaftlern entwickelt worden.

Aber zurück zum Buch. Nach dem Anfangskapitel wird die Geschichte des KWI
und seiner Mitarbeiter chronologisch aufbereitet. Sie beginnt mit dem Umzug von Berlin
und endet mit dem Wegzug nach Mainz. Allerdings werden immer wieder Anekdoten
und lokale Begebenheiten in die Erzählung verwoben. So z.B. die Geschichten
um das Gerücht, Otto Hahn hätte das Geheimnis der Atombombe an die Amerikaner
verraten und wie die Tailfinger Bevölkerung damit umgegangen ist. Oder weshalb Tailfingen
, im Gegensatz etwa zu Ebingen nie bombardiert wurde.

Der Historiker und Oberstudienrat in Albstadt, Volker Lässing, lässt bei seiner Spurensuche
aber auch für viele Menschen der Region eine vergangene Zeit, Menschen und
Orte Wiederaufleben. Wo haben die Wissenschaftler gearbeitet und gewohnt, wer von der
einheimischen Bevölkerung hat für das Institut gearbeitet? In diesem Zusammenhang
wird beispielsweise die Geschichte von Erich Merz, einem gebürtigen Truchtelfinger, erzählt
, der 1946 am KWI eine Ausbildung zum Chemielaboranten beginnt. Merz war es
auch, der wahrscheinlich Teile der bis heute verschwundenen fünf Uranwürfel, der sog.
„Heisenberg-Würfel", von Hechingen nach Tailfingen transportierte. Das Buch stellt
eine facettenreiche, gelungene Mischung aus regionaler Geschichte und einem wichtigen
Aspekt der deutschen Wissenschaftsgeschichte dar, die sich vor allem auf Gespräche
mit Zeitzeugen, lokalen Überlieferungen und nicht veröffentlichtem Material stützt.

Balingen Michael Walther

Hans-Georg Merz, Herbert Uhl (Bearb.): Hitlers Verbrechen - Crimes Hitleriens: eine
Ausstellung der französischen Besatzungsmacht 1945/1946. Hg. v. Landesarchiv Baden
-Württemberg. Stuttgart: Kohlhammer 2008. 127 S.

Es war die „Politik der 4 D - Demilitarisierung, Dezentralisation, Denazifizierung und
Demokratisierung", auf die sich die „Großen Drei" als Siegermächte unter Einbeziehung
der Republik Frankreich in Potsdam (1945) einigten. Die Verlierer sollten „Demokratie
lernen", um die intellektuelle und moralische Wüste, die das NS-Regime hinterlassen
hatte, zu überwinden. Neben die territorialen, wirtschaftlichen und
juristischen Ziele trat damit der Anspruch, „Aufklärung als Besatzungszweck" {Wolfgang
Benz) mit Priorität einzubeziehen.

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