http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/RA_2014_102/0013
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Freiburg im Marz 154 5 an den edeln, festen, fürsiehtigen, ehrsamen
und weisen Rath der Stadt Freiburg maehen. Sie ersuchen darin denselben
um Ueberlassung der Leiche eines hinzurichtenden Verbrechers und um
Gewährung' eines tauglichen Platzes für eine anatomische Zergliederung.
„Ew. Weisheit" heisst es darin „wollen uns den Körper,
n a c h (1 e m er die S c h u 1 d der N a t u r bezahlt, der sunst de n
V ö* <•• e 111 in Lüften o der Wü rm erh im Erdreioh musst ver-
g unnt werden und dann auch ein tauglichen Platz zu einer
Anatomie (d. i. Zergliederung-, Section) g u ns t i g lieh er In eilen und
v e r gu n n e n.
Erlauben Sie mir, dass ich auf diese Eingabe etwas näher eingehe,
da sie mir in der That ein Zeichen der Zeit zu sein scheint. Die Jugend
ist es ja immer, die in ihren Bestrebungen die kommende Zeit vorher fühlt
und verkündet. Sie hat für deutsche Einheit gesprochen zu einer Zeit als
dies noch für eine Sünde galt. Unsere Studierenden von 1545, die einen
Eifer für die Anatomie bekunden, der noch anno 1867 sehr lobensvverth
wäre, unterstützen ihr Gesuch weiter, wie folgt :
.,Sic möchten zur gründlichen Erkenn tniss und stattlichen
Hilf der aller gefährlichsten Krankheiten eine
Anatomie haben und sehen und in solcher all' desjenige,
so sie in gut e r Z e i t v o p i h r e n p r a c eptpren in der Sc h u 1
«• e h ö r t u n d f ü r sich selbst in de n B ö ehern gelesen jetzt
auch mit der Hand und ihrer selbst Augen erfahren und
ansehen.'' Am Schluss weisen sie noch darauf hin. „dass dadurch
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