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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/RA_4_2014_47/0013
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Ich halte es für zweckmässig, der Beschreibung des fossilen Materiales eine Zusammenstellung
der mir bekannten Mittheilung über dessen Herkunft vorauszuschicken, denn hieraus
geht am deutlichsten hervor, welche Dienste Herr Dr. Hab er er der Wissenschaft geleistet,
und welche Fortschritte unsere Kenntnisse Dank seiner Bemühungen gemacht haben.

Endlich sei es mir auch vergönnt, Herrn Geheimrath Prof. v. Zittel meinen herzlichsten
Dank auszusprechen für die Erlaubniss, dieses werthvolle Material bearbeiten zu
dürfen und ebenso Herrn Geh. Bergrath Prof. W. Branco in Berlin, welcher mir die
Koken'sehen Originale zur Ansicht schickte und so meine Arbeit ausserordentlich erleichterte.

Für die chinesischen Namen gebrauche ich die Schreibweise in Stieler's Atlas, da ich
nicht einsehen kann, warum wir Deutsche uns der englischen Orthographie fremder Namen
bedienen sollen, zumal da diese selbst nicht einmal consequent bleibt, sondern alle nur
erdenkbaren Variationen aufzuweisen hat.

Die Fundplätze der fossilen Säugethierreste in China.

Wie ich in der Einleitung bemerkte, war man bisher bezüglich der Herkunft der
fossilen chinesischen Säugethierreste — Lung ku und Lungtschcih — fast ausschliesslich auf
die vagen Angaben der chinesischen Drogisten angewiesen, welche diese Knochen und Zähne
als Arzneimittel verkaufen. Nur wenige europäische Reisende — Swinhoe, L. v. Löczy1)
und W. Obrutschew — haben einige wenige dieser Thierreste an Ort und Stelle gesammelt
; Swinhoe angeblich in einer Höhle am Yangtsekiang, v. Löczy bei Quetae
(Kuite, Guidui) am oberen Hoangho einen Nagerkiefer in einer Sandsteinlage der dortigen
Süsswasserthone und Obrutschew in der östlichen Mongolei Zähne eines Rhinoceroten
auf dem Wege von Urga nach Kaigan in der Gegend des Iren dabassun nor, welche vor
Kurzem von E. Suess2) als Aceratherium bestimmt worden sind.

Owen's Originalien sollen aus einer Höhle bei Tschung king in Szctschwan stammen.
Da aber Owen in seiner Abhandlung auch bemerkt, dass die fossilen Säugethiere von
Pikermi in Griechenland ebenfalls in einer Höhle gefunden' worden seien, so verliert seine
Angabe wesentlich an Gewicht, da er es mit dem Begriff Höhle offenbar nicht sehr genau
nimmt, denn bei dem Vorkommen in Pikermi kann doch sicher nicht von einer Höhle die
Rede sein. Allein die Owen'sehen Originale gehören Arten an, welche sich auch unter
dem von Koken beschriebenen Materiale befinden und von diesem ist in der That ein
grosser Theil pleistocän und kann daher recht gut aus Höhlen stammen, so dass also die
Angabe v. Richthofen's,3) dass die von ihm nach Europa gebrachten Säugethierreste in
Höhlen der Provinz Jünnan oder doch im Löss gefunden worden seien, wenigstens für
einen grossen Theil der Koken'sehen Originalien wirklich zutrifft.

Zweifellos stammen aus Höhlen und zwar von Süen Hoa Fu in der Provinz Tschili die
Hirschgeweihe und die Ueberreste von Hyaena, Elephas, Rhinoceros tichorhinus,

!) Wissenschaftliche Ergebnisse der Reise des Grafen Bela Szecheny in Ostasien. III. Bd.
Budapest 1898. p. 17.

2) Verhandlungen der kaiserl. russischen mineralog. Gesellschaft zu St, Petersburg. XXXVI. Bd.,
1S99, p. 171.

3) China. Ergebnisse eigener Reisen und darauf gegründeter Studien. IV. Bd. Einleitende Bemerkungen
, p. XVI.

Abh. d. II. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XXII. Bd. I. Abth. 2


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