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grösseren oder kleineren Waldgebietes vor sich gegangen ist. Diese Folgerungen aus der
Zusammensetzung stimmen nun aber auch vollkommen mit jenen, welche sich aus dem
petrographischen Charakter der beiden Ablagerungen ergeben. Löss und Humus bilden sich
nur an der trockenen Bodenoberfläche, durch blosse Zersetzung des anstehenden Gesteins,
Transport durch Wasser findet höchstens auf kurze Strecken statt. Feinkörnige Sandsteine
und Mergel können sich dagegen nur unter Mitwirkung von füessendem Wasser bilden,
—■ die Möglichkeit, dass es sich um Flugsand, Dünensand handeln dürfte, ist in diesem
Falle absolut ausgeschlossen — die hier vorliegenden Sandsteine sind augenscheinlich Ablagerungen
in Seen oder Absätze an ruhigen Stellen grösserer Flüsse.
Es ist demnach absolut ausgeschlossen, dass beide Arten von Säugethierresten, die
weissen und die dunkelfarbigen, an den nämlichen Localitäten vorkommen könnten, es
handelt sich vielmehr augenscheinlich um zwei oder mehrere grössere Gebiete, von denen
eines nur die weissen, das andere nur die dunkelfarbigen Knochen und Zähne liefert.
Die Herkunft der weissen Thierreste ist jetzt im Allgemeinen ziemlich sicher gestellt.
Sie stammen aus den Provinzen Kansu, Schensi, Schansi, Sz'tschwan, also aus einem sehr
umfangreichen Gebiete des westlichen China. Aus einer der oben erwähnten Mittheilungen
glaube ich sogar einen Schluss auf einen speciellen Fundort ziehen zu dürfen, nämlich
daraus, dass bei TaijüenFu, Schansi, eine besonders gute Qualität von Lung tsch'ih gewonnen
würde. Aber auch in der ganz im Südosten gelegenen Provinz Kwang tung und
der an der Ostküste befindlichen Provinz Tschekian^ scheinen solche weisse Lung tschrih
(Hipparion-Zähne) vorzukommen.
Als Fundplätze der dunkel gefärbten Knochen und Zähne kommen dagegen vermuthlich
die Provinzen Honan, Hupe und Hunan in Betracht, denn bei vielen Partien solcher Säuge-
thiere sind diese Provinzen als Bezugsquelle angegeben. Bei den meisten lautet die Fundortsangabe
allerdings Tientsin. Da aber im weiten Umkreis dieser Hafenstadt nur Alluvium
vorhanden ist, so bedeutet diese Angabe sicher nichts anderes, als dass jene dunkel gefärbten
Lung tsch'ih und Lung ku hauptsächlich vou Tientsin aus in den Handel gebracht wei'den.
Vermuthlich werden sie auf dem Hoangho aus Honan nach Tientsin transportirt und
gelangen von hier aus wieder in kleinen Partien nach Schanghai, Ningpo und anderen
Hafenplätzen. Mit dieser Annahme ist auch die Thatsache, dass in Peking vorwiegend
dunkel gefärbte Zähne und Knochen im Handel sind, recht gut in Einklang zu bringen.
Indessen könnte es der Fall sein, dass an der von Herrn Wilzer erwähnten Localität
Ts'angtschou in Petschili, — die ich jedoch weder in Stieler's Atlas noch auch auf der
Brettschneider'schen Karte von China mit Sicherheit ermitteln kann; vielleicht ist der Ort
Tschang te in Honan an der Grenze von Petschili damit gemeint — fossile Säugethiere von
diesem Erhaltungszustand vorkommen. Da diese Localität verhältnissmässig nahe bei Peking
und Tientsin liegt, so wäre es leicht erklärlich, warum an diesen beiden Plätzen die dunkelfarbigen
„Drachenzähne' vorwiegen. Auch aus Jctschang hat Herr Dr. Haberer ausser
pleistocänen Resten nur solche von dunkler Farbe geschickt. Auch diese könnten aus
Honan stammen und von dort auf dem unteren Hankiang nach Hankow, und von hier auf
dem Yangtsekiang nach Jctschang gebracht worden sein.
Noch wahrscheinlicher ist es freilich, dass das Verbreitungsgebiet der dunkelfarbigen
Säugethierreste nicht auf die Provinz Honan beschränkt ist, sondern auch die angrenzende
Provinz Hupe umfasst, in welcher die Stadt Jctschang liegt. Hiefür spricht besonders der
Abh. d. II. Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XXII. Bd. I. Abth. 3
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