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Allein selbst aus den wenigen Abbildungen, welche Lydekker hievon gibt, gebt doch soviel
hervor, dass sie von allen chinesischen Rhinocerotidenzähnen verschieden sind. Ich komme
hierauf noch später zu sprechen.
Rhinoceros simplicidens Koken basirt lediglich auf zwei Zähnen, einem unteren P2
und einem oberen M2. Beide lassen sich ohne Zwang auf sinensis beziehen.
Rhinoceros ? Aceratherium plicidens Koken wurde auf zwei ganz frische Zähne,
einen unteren M3 (?) und einen oberen M2 begründet. Die Deutung als Aceratherium ist
wegen der beträchtlichen Höhe der Zahnkronen ohne Weiteres ausgeschlossen. Der obere M2
erweist sich jedoch wirklich als Vertreter einer besonderen Species.
Von den beiden Zähnen, welche Koken nur als Rhinoceros sp. anführt, lässt sich der
eine — Taf. V, Fig. 6 — mit einer neuen, von mir beschriebenen Art vereinigen, der andere
— Taf. III, Fig. 3 -— gehört wohl zu Rhinoceros plicidens.
Von den sieben aus China bisher beschriebenen Rhinocerotidenarten bleiben demnach nur
drei bestehen, Aceratherium Blanfordi Lyd., Rhinoceros plicidens Koken, Rhinoceros
sinensis Owen.
Auf diese drei Arten wäre nun auch das mir vorliegende Material zu vertheilen. Ich
darf hier wohl gleich vorausschicken, dass die beiden letzteren Arten, wie ich mich durch die
Besichtigung der Koken'schen Originale, welche mir Dank dem liebenswürdigen Entgegenkommen
des Herrn Geheimrath Prof. W. Branco in Berlin ermöglicht wurde, überzeugt habe,
von der Hauptmasse des fossilen chinesischen Säugethiermateriales ausgeschieden werden müssen,
da sie nicht aus den Pliocänablagerungen, sondern unzweifelhaft aus dem Löss stammen und
mithin nur pleistocänes Alter besitzen. Von diesen beiden pleistocänen Rhinocerotidenarten
ist unter dem von Herrn Dr. Haberer gesammelten Materiale sicher nur Rhinoceros plicidens
und auch dieser nur sehr spärlich vertreten, dagegen ist es etwas fraglich, ob ein mir vorliegender
unterer D3 zu sinensis gerechnet werden darf. Allein selbst wenn sich dieser als
zu sinensis gehörig erweisen sollte, wäre doch auch unter dem neuen Material eine weitere
pleistocäne Art vertreten, nämlich Rhinoceros tichorhinus, recte antiquitatis Blumb.
Die überwiegende Mehrzahl der Rhinocerotidenzähne des von Herrn Dr. Haberer
gesammelten Materiales erweist sich jedoch als ächt tertiär und stimmt hinsichtlich seines Erhaltungszustandes
auf das Allerbeste mit den Hipparion-, Cerviden- und Antilopenzähnen
dieser Collection überein. Der kleinere Theil dieses Materiales schliesst sich an Aceratherium
Blanfordi an, der grössere Theil muss als eine neue Species aufgefasst werden, die ich zu
Ehren des Gebers Rhinoceros Habereri benenne.
Innerhalb dieser beiden Arten ist jedoch ein weiter Spielraum für Varietätenbildung
gegeben, die aber doch die Grenzen nicht überschreitet, welche sich hiefür bei Aceratherium
lemanense ermitteln Hessen. Immerhin hielt ich es für zweckmässig, bei der Detailbeschreibung
den eigentlichen Typus gesondert zu behandeln und als solchen den Varietäten gegenüber zu
stellen. Die Unterschiede bestehen vorwiegend in Grössendifferenzen. welche wohl als sexuelle
Merkmale aufgefasst werden dürfen, dann aber auch in stärkerer oder schwächerer Ausbildung
der Crista. ein Unterschied, welchem jedoch keine grosse Bedeutung beigemessen werden darf,
da sich sogar zwei benachbarte Zähne ein und desselben mir vorliegenden Oberkiefers hierin
verschieden verhalten. Auch die schärfere oder schwächere Trennung der Joche an den oberen
Prämolaren stellt lediglich eine individuelle Variation dar.
Erheblicher sind dagegen die Differenzen zwischen den Zähnen der Rhinocerotiden-
Zähnen aus Schansi. Schensi und S//tschwan, welche weisse Farbe besitzen und in einer
rothen thonigen Matrix eingebettet sind, und den dunkelfarbigen, welche offenbar aus den
röthlichgrauen sandigen Schichten stammen, welche vorwiegend Ueberreste von Cerviden
geliefert haben. Einige dieser Zähne zeichnen sich durch die starke Verästelung von Crista
oberen Mt oder M2 der Varietät gayensis. Seine Abbildungen sind insgesammt wenig charakteristisch,
obwohl es an Material hiefür nicht gefehlt hätte, denn in seinem Catalogue of the Remains of Siwalik
Vertebrata in the Indian Museum. Calcutta 1885 p. 61—63 zählt Lydekker nicht weniger als 7 Oberkiefer
mit Zähnen, zum Theil vollständig, und circa 20 isolirte Oberkiefermolaren und Prämolaren auf.
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