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Helladotheriura ist in Wirklichkeit auf Pikermi beschränkt, der ursprünglich einem
"Weibchen von Sivatherium zugeschriebene, von Rütimeyer1) aber zu Helladotherium
gestellte Schädel aus den Siwalik weicht in so vielen Stücken von jenem ab, welchen Gaudry
beschrieben hat, dass es absolut nicht angeht, ihn bei Helladotherium zu belassen. Auf
einige Unterschiede hat bereits Gaudry2) aufmerksam gemacht, es lassen sich aber noch viel
mehr und viel wichtigere Abweichungen constatiren. Vor Allem ist die' Gesichtspartie im Vergleich
zum Cranium viel grösser. Der hinter der Zahnreihe befindliche Theil des Schädels ist
nicht viel länger als der Oberkiefer, beim ächten Helladotherium aber fast doppelt so lang,
der Hinterhauptscondylus ist auffallend kleiner und steht nur um ein Geringes weiter hinten als
der Meatus auditorius, bei Helladotherium ist er gross und weit vom Gehörgang entfernt, auch
ist die Thränengrube bei diesem viel gestreckter, die Stirn viel gewölbter und die niedrigen
Orbitae liegen horizontal, während sie an dem sivalischen Schädel viel kürzer und aufwärts
gerichtet sind. Fundamentale Unterschiede bestehen endlich im Gebiss. Bei Helladotherium
sind die Rippen der Molaren schwach und die Kanten an der Aussenseite der Prämolaren nur
wenig verdickt, das äussere Basalband ist sehr zart und die Marke besitzt einen langen vom
Innenmond ausgehenden Sporn. An den Zähnen des indischen Schädels fehlt ein solcher Sporn
vollständig, dagegen sind die Kanten und das Basalband zu dicken Wülsten geworden, auch
scheint ein inneres Basalband vorhanden zu sein. Ueberdies sind die P im Verhältniss zu den
M riesig gross.

Von einer generischen Identität mit Helladotherium kann demnach nicht im Entferntesten
die Rede sein. Das Einzige, was diese beiden Schädel eigentlich miteinander gemein haben,
ist die Abwesenheit von Hornzapfen. Dies kann aber doch kein Grund sein, um beide Stücke
ein und demselben Genus zuzuschreiben, vielmehr kann der Schädel doch recht wohl einem
Weibchen einer der indischen Gattungen Bramatherium, Vishnutherium oder Hydaspitherium
angehören. Sivatherium dürfte allerdings hiebei kaum in Betracht kommen, denn
die hiervon bekannten Schädel sind sämmtlich mit Hornzapfen versehen, so dass man also doch
annehmen darf, dass auch die Weibchen dieser Gattung solche Hornzapfen besessen haben.
Dagegen kennt man von Vishnutherium den Schädel überhaupt nicht, von Hydaspitherium
und Bramatherium aber nur je einen, wer bürgt also dafür, dass diese, allerdings mit Hornzapfen
versehenen, Schädel von Weibchen stammen?

Gegen die Bestimmung des fraglichen Schädels als eines solchen von Helladotherium
spricht aber auch der Umstand, dass bisher sonst nichts weiter in den Siwalik gefunden wurde,
was wirklich auf Helladotherium bezogen werden müsste. Dagegen stimmen die Zähne, auf
welche Hydaspitherium grande Lydekker3) basirt, in der Grösse vorzüglich mit denen
des vermeintlichen Helladotheriumschädels überein, auch die geographische Lage der Fundorte
lässt sich ganz gut mit der Annahme vereinbaren, dass diese unter zwei verschiedenen
Namen angeführten Thierreste ein und derselben Species angehört haben, denn der Schädel
stammt vom Markandafluss, nördlich von Delhi, die Hydaspitheriumreste aber aus den Siwalik
von Punjab und zwar vom Ihelam, so dass also die Fundorte kaum drei Längen- und zwei
Breitengrade aus einander liegen, Entfernungen, die bei der Aehnlichkeit der einzelnen Faunen,
die man als Siwalikfauna bezeichnet, gar nicht in Betracht kommen können.

An die Zugehörigkeit dieses Schädels zu der zweiten Art von Hydaspitherium,
H. megacephalum ist nicht wohl zu denken, da diese Art kleiner ist und auch sogar im
Zahnbau so grosse Abweichungen zeigt, dass sie auch generisch von H. grande getrennt
werden sollte. Sein Schädel ist mit Hornansätzen versehen und nähert sich auch sonst dem
von Sivatherium. Bramatherium und Vishnutherium sind wesentlich kleiner als Hy-

1) Natürliche Geschichte der Hirsche. Abhandlungen der schweizer, paläontolog. Gesellschaft.
1881, p. 74, Taf. III.

2) Animaux fossiles de TAttique. p. 260.

3) Lydekker. Palaeontologia Indica. Ser. X, Vol. II, Part IV, 1882, p. 126, pl. XX. - Unterkiefer
mit P4—M3, pl. XXI, oberer M.


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