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der grossen umgebogenen Mittelrippe der oberen M. Anwesenheit eines dritten Lobus am oberen
M3 und einer Art vierten Lobus am unteren M3. Untere P2 und P3 einfach; Innenhöcker der
P4 in eine Innenwand umgestaltet. Stark differenzirte Form.
Ich will hier keine weitergehenden Schlüsse aus der Beschaffenheit des Gebisses ziehen,
aber ich kann es auch nicht unterlassen, das Auseinanderreissen der Bubalinae und Hippo-
traginae einerseits und das Ausschliessen von Rupicapra, Antilocapra und Nemorrhaedus
von den Antilopen andererseits, wie dies in der neuesten Systematik von Sclater und
Thomas1) der Fall ist, als im höchsten Grade unnatürlich zu bezeichnen.
Ich befinde mich in diesem Falle durchaus in Einverständniss mit Rütimeyer, wenn ich
auch nicht wie ef verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Rupicapra und den Bubalinae
und Hippotraginae, sowie zwischen Portax (Boselaphus) und den Cephalophinae, und
zwischen den Gazellen und Cobus zu finden vermag. Wie in allen anderen Abtheilungen
der Säugethiere, so leistet auch hier, bei den Cavicorniern, das Gebiss für die Systematik
weitaus bessere Dienste als alle anderen Merkmale, jedoch muss man bei seiner Anwendung
sich vollkommen darüber klar sein, was primitive und was secundäre Charaktere sind, und
welcher Veränderungen die ursprüngliche Zahnform fähig ist.
Ergebnisse der Odontologie der recenten Antilopen.
Nach den Verhältnissen im Zahnbau lassen sich die Antilopen in folgender Weise
gruppiren:
Bubalinae. Diese Familie ist eine durchaus natürliche, trotz der sehr verschiedenen
Ausbildung der Hörner, denn die Zähne aller drei Gattungen haben den nämlichen Bauplan.
Die Incisiven und Caninen haben nahezu gleiche Grösse und stehen weniger bogenförmig als
bei den übrigen Antilopen. Die Stammform hatte jedenfalls -| P von der Zusammensetzung
der P von Damaliscus, jedoch war der untere P2 wohl noch grösser. Die Molaren waren
dagegen denen von Bubalis und Connochaetes ähnlicher. Sicher war nur ein Sporn in
jeder Marke der oberen M vorhanden. Das Fehlen von Basalpfeilern ist vielleicht eine
Reductionserscheinung, insoferne sie vom zweiten Innenmond der unteren M aufgesaugt wurden.
Ein Rudiment ist noch an Mi zu beobachten. Der Cement von Bubalis ist ein Neuerwerb.
Damaliscus tritt schon im indischen Tertiär auf, folglich muss die Trennung der drei Gattungen
schon früh erfolgt sein.
Am nächsten stehen unter den übrigen Antilopen Addax, Cobus und vor Allem Oryx.
Cephalophinae zeichnen sich durch niedrige Zahnkronen und primitiven, Cerviden-
ähnlichen Zahnbau aus. Die Incisiven sind mit Ausnahme des Jx sehr klein und dicht zusammengedrängt
. Auch der Schädelbau ist bei beiden Gattungen sehr ähnlich; bemerkenswert!!
erscheint die Grösse und Tiefe der Thränengrube. Die Einfachheit und Kürze der P von
Cephalophus muss als Reduction gedeutet werden, ebenso das Fehlen der Mittelfalte an der
Aussenseite der oberen M sowie die Abwesenheit von Basalpfeilern. Tetraceros ist jedenfalls
die primitivere Form, aber die Trennung beider Gattungen muss sehr weit zurückliegen. —
Mit keiner anderen Familie der Antilopen besteht nähere Verwandtschaft ausser mit den
Neotraginae.
Neotraginae. Unter diesen ist Oreotragus wohl die primitivste Form; die glatten
einfachen Zähne von Nanotragus und Rhaphiceros erweisen sich als Specialisirungen. Das
Gebiss von Ourebia hat grosse Aehnlichkeit mit dem von Tetraceros. Die Einfachheit der
Hörner, die Anwesenheit einer grossen Thränengrube und die Form der zierlichen Incisiven
!) The Book of Antelopes. London 1894—1900, 4 Vol., 4°, 921, p. 100, pl. 121 Textfig.
2) Die Rinder der Tertiärepoche nebst Vorstudien zu einer natürlichen Geschichte der Antilopen.
Abhandl. der Schweiz, paläont. Gesellschaft, 1877/78.
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