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mit Capra und Ovis zusammen zu stellen, welch letztere durch ihre excessiv hohen Molaren
so wesentlich hievon abweichen.
Antilocapra hat mit Pantholops die stark vorspringende Mittelfalte an der Aussenseite
der oberen M gemein, mit Antidorcas die Form der P und den kräftigen Talon am oberen
und unteren M. Das letztere Merkmal erweist sich freilich wohl nur als gleichartige Dirfe-
renzirung, allein der ganze Zahnbäu ist doch dem der Gazellen resp. der Antilopinen so
ähnlich, dass ein genetischer Zusammenhang mit diesen überaus wahrscheinlich wird, jedoch
dürfte die gemeinsame Stammform immerhin schon sehr weit zurückliegen. Der eigenthümliche
Wechsel der Hornscheiden kann ebenso gut eine Specialisirung als. der ursprüngliche Zustand
sein; ich möchte indessen die erstere Möglichkeit für das Wahrscheinlichere halten, denn auch
bei Hippotragus kommt Abschuppung der äusseren Hornfasern vor, wobei sich das Horn
von unten her erneuert, worauf mich Herr Dr. Leisewitz aufmerksam gemacht hat.
Auch Rütimeyer1) betont sehr stark die Beziehungen zwischen Antilocapra und den
Gazellen. Der langgestreckte niedrige Schädel ist offenbar ein sehr primitives Merkmal.
Bei Zugrundelegung des Gebisses würde die Gruppirung der Antilopen folgende sein:
A. Bubalinae, Hippotraginae, Anoa, Cervicaprinae. Bovinengebiss. Uebergang
zu den Bovinen — Boselaphus.
B. Antilopinae incl. Rupicapra, Nemorrhaedus, Antilocapra. Uebergang zu den
Caprinen.
C. Neotraginae aus alten Vorfahren der Antilopinae entstanden.
D. C ephalophinae, ein besonderer Stamm.
E. Tragelaphinae haben mit Gruppe A die Urform gemein.
M Die Rinder der Tertiärepoche nebst Vorstudien zu einer natürlichen Geschichte der Antilopen.
Abhandlungen der schweizerischen paläontologischen Gesellschaft. 1877/78, p. 67.
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