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Stratigraphische und zoogeographische Ergebnisse.
Die bis jetzt in China gefundenen fossilen Säugethierreste stammen zum grössten Theil,
etwa 3ji aus dem Tertiär, zum kleineren Theil, etwa x\± aus dem Pleistocän, und zwar befinden
sich unter den letzteren ziemlich viele, welche von meinen Vorgängern ebenfalls noch
für tertiär gehalten wurden.
Die Arten aus dem Pleistocän bilden jedoch keine einheitliche Fauna, vielmehr reprä-
sentiren sie mindestens zwei, wenn nicht drei verschiedene Perioden. Viele, und zwar der
Quantität, aber nicht der Artenzahl nach die meisten Säugetiere gehören jedenfalls der jüngsten
Vergangenheit an. Es sind dies die Zähne von Hausthieren — Pferd, Esel, Schwein,
Schaf, Rind und Büffel, unter denen sich freilich doch die eine oder andere wildlebende
Art, etwa von Esel, Schwein oder Büffel verbergen könnte.
Ein Theil der Equiden-, Suiden- und Bovidenzähne hat braune Farbe und eine
ganz ähnliche Consistenz wie die Säugetierzähne aus europäischen Pfahlbauten. Sie stammen
angeblich aus Hönau und sind im Gegensatz zu den ersterwähnten, welehe noch ihre ursprüngliche
Farbe aufweisen und nur etwas gebleicht oder brüchig erscheinen, jedenfalls unter Wasser
abgelagert worden, während jene Avohl in oberflächlich aufgewühltem Löss oder in Humus
gelegen haben dürften.
Immerhin verdienen diese braungefärbten und ziemlieh massiven Zähne grösseres Interesse,
denn sie gehören zumeist der Gattung Bibos, dem lebenden Gaur an und deuten wenigstens
darauf hin, dass diese jetzt durchaus südliche wilde Bovidenform vor noch nicht allzu langer
Zeit noch ziemlich weit nach Norden verbreitet war, denn als Fundort dieser Zähne ist wie
erwähnt, die Provinz Honan angegeben.
Dagegen haben die Bovidenzähne, welche Koken beschrieben hat, mehr weissliche
Farbe, aber sie sind doch etwas mehr fossilisirt als die mir vorliegenden, möglicher Weise
repräsentiren sie also ebenfalls eine bestimmte Periode am Ende der Pleistocänzeit. Ich verstehe
unter diesen Bovidenzähnen jene, welche Koken als Bubalus sp., Bison sp. und
Bibos bestimmt hat. Vorläufig lässt sich mit diesen Ueberresten jedoch nicht viel anfangen.
Zweifellos pleistocänes, vielleicht mittelpleistocänes Alter haben die Gaudry'schen Ori-
ginalicn aus dem Löss von Suen Hoa Fu in Petschili, nämlich Elephas sp., — Mammuth? —,
Rhinoceros tichorhinus, Equus sp., Bosprimigenius, Cervus Mongoliae und Hyaena.
Die Fundplätze dieser Säugethierreste dürften nicht allzuweit von jenen entfernt sein, welche
schon Pumpelly erwähnt hat. Aber auch noch weiter im Süden scheinen Ablagerungen
von ungefähr gleichem geologischen Alter zu existiren, wenigstens spricht dafür der Umstand,
dass sich unter dem Materiale, welches Herr Dr. Haberer in Itschang, Provinz Hupeh,
bekommen hat, ebenfalls Rhinoceros tichorhinus befindet. Auch die Zähne von Cervus
Aristotelis und Axis (leptodus) können vielleicht dieser Periode angehören, desgleichen
auch die Hornzapfen von Bison priscus, welche von Löczy in Kansu erworben hat.
Wesentlich unsicherer bleibt hinwiederum die Altersbestimmung der Zähne von Elephas
namadicus, welche bereits mit der Hanbury'schen Sammlung in das britische Museum gelangt
sind. Da diese Elephantenart dem europäischen Elephas antiquus zum Mindesten
sehr nahe steht, und dieser ein wichtiges Leitfossil für ältere Pleistocänschichten darstellt,
so dürfte dies wohl auch für namadicus gelten. Es ist daher recht wohl möglich, dass wir
ihn als Glied der ältesten chinesischen Pleistocänfauna ansprechen dürfen. Diese Letztere
besteht aus:
Ursus äff. japonicus Kok. Rhinoceros sinensis Ow. Sus n. sp.
Hyaenarctos? sp.* „ plicidens Kok. Cervus orientalis Kok.?
Canide von Wolfsgrösse Tapirus sinensis Ow. „ leptodus Kok.?
Felis sp. Chalicotherium sinense Ow. Antilope g. et sp. ind.
Hyaena sinensis Ow. Equus caballus? Taf. XIV. Fig. 11
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