Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., J 3303,ti-1946
L'Alsace: Almanach 1946
Mulhouse, 1re Année.1946
Seite: 87
(PDF, 52 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Regionalia
Oberrheinische Kalender und Almanache

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/alsace_1946/0095
hâtte die in unserer Gegend sehr blu-
nende einheimische alte Glockenkunst
vollständig zum Verschwinden gebracht.
ie schönsten Exemplare der nicht mehr
tätigen Giesserfamilien der Edel, Ben-
der, David Maurice, Giess, Robert und
anderer wären fast restlos der Vernich-
tung anheimgefallen, zumal im Südteil
des
noch vorhanden waren, dank dem
Schutz der besetzten Gebiete im Kriege
1914-1918. Diese Glocken verteilen sich
in ihrer Entstehung auf die Jahre 1810
bis 1850, ein Beweis der Verarmung der
Gemeinden nach der Glockenabgabe in
der Grossen Revolution, dass es so vieler
Jahre bedurfte.,. um die Geläute Wieder
herzustellen.

Photo

Ch inanss

Kirchberger Robert-Glocke (18133
mit Giesserwappen

Unter Berufung auf diese Feststel-
lungen und den Umstand der besonders
harten Beschleunigung des Kehrzyklus
der Glockenabnahme im Elsass, konnten
einsichtige Kreise erwirken, dass nach-
träglich doch noch eine allgemeine
Gruppierung nach Wert und Alter der
Glocken zugelassen wurde (Erl. Chef der
Zivilverwaltung vom 27. Februar 1943).
In die Gruppe A eingereiht wurden dem-
nach alle modernen, insbesondere die
nach dem letzten Weltkrieg entstande-
nen Glocken, welche, wenn nicht zu be-
lassende Läuteglocken, sofort der Ver-
hüttung zufallen sollten. In die Grup-
pen B und C teilten sich die älteren
Glocken. Dieselben wären zwar nicht
dem Ausbau entgangen, wenn nicht
Läuteglocken, sollten aber in der Metall-
verwertung eine Zurückstellung arfah-

Elsass viele solcher Kunstwerke

ren, indem sle auf ein Sammellager ge-
bracht würden. In den drei Kreisen
konnten so 77 Kirchen mit insgesamt
114 Glocken sich der Gunst der B- und
C-Eigenschaft erfreuen. Darunter findet
sich auch in Berenzweiler als Kurio-
sum aus dem Jahre 1840 ein Mülhauser
Giesser namens Hirtzel, der erst bei die-
sem Anlass entdeckt wurde, dessen Erst-
lingswerk in Flaxlanden sogar für die
Denkmalsgruppe vorgesehen war. Wenn
auch spät — mieux vaut tard que ja-
mais — sollte mit dieser Auszeichnung
dargetan werden, dass, wenn sich die
Mülhauser auf den Glockenguss verle-
gen, sie nicht nur «Apen-, Grapen- und
Kantengeter» oder gar Gassenwirte
waren, sondern echte Meister einer edlen
Kunst. Ob besagter Hirtzel ein echter
oder nur «zugelaufener» Mülhauser
war, beschäftigt zwar noch, neben bei
bemerkt, die Forscher.
Die für unsere Gegend recht ansehn-
liche Denkmalsgruppe der Glocken war
nicht ohne eine gewagte Verdrehung
und Beschönigung der Tatsachen zu-
stande gekommen, wenn man bedenkt,
dass die offiziellen Weisungen sogar
mittelalterliche Glocken in die A-Gruppe
(sofortige Verhüttung) forderten. Nur
die ganz seltenen Theophilusglocker
frühesten Gepräges, solche mit Faden-
relief- oder eingeritzter Schrift, oden
markante Stücke wie die berühmte
Gloriosa von Gerhard de Wou im Erfur-
ter Dom, oder die Türkenglocke im Ste-
phansdom zu Wien, schienen beispiels-
weise der Reichsstelle erhaltungswürdig
Im übrigen wollte man sich weitgehend
damit begnügen, nur eine Auswahl sol-
cher Glocken dauernd zu erhalten, dass
wenigstens insgesamt lediglich die Ent-
wicklung des Glockengusses im Wan de!
der Jahrhunderte festgehalten werde
Alles andere sollte nur noch in lokalen
«Erinnerungswerten» in Form von Auf-
nahmen, Abformungen und Aufzeich-
nungen verbleiben. Im voraus haben wir
solche Vergleiche von der Hand gewie-
sen, weil wir uns gegen die Art und
Weise dieser auf jeden Fall pietätlosen
Auseinandersetzung und Erwägung über
heilige Dinge von höherem, unersetz-
lichem Wert und gegen die Aktion als
solche zu versteifen hatten. Die behörd-
licherseits noch in letzter Stunde aus
der D- in die C-Gruppe — wohl mit
Prädikat Läuteglocke — verwiesenen
drei Glocken: die älteste Weitnauer
Glocke von Niedermichelbach (1699).
die wegen einmaligen Vorkommens ihrer
Giesser bemerkenswerte Glocke von
Gammersdorf (1715 — dieselbe ist dem

87


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/alsace_1946/0095