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wahren Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ihre meines bescheidenen Berichtes als allgemeinen Wunsch
Mitglieder und ihre Umgebung zu befreunden be- hierher setzen zu dürfen.
strebt ist, Budapest am 30. Januar 1880.
Dass dies so geschehe, das glaube ich als Abschluss Franz Belanyi m. p., Kanzleidirector.
Feuilleton.
Amerika. Der „Canadian Craftsmann" berichtet,
dass der vor Kurzem gestorbene Eduard Moss, denZetland-
logen in Montreal 100,000 Sh. hinterlassen hat.
Die Insassen der Frmr. Wittwen- und Waisen-
heimath von Louisville, Ky., wurden am Tage nach
Weihnachten mit einem vorzüglichen — Festessen be-
wirthet.
Br Cornelius Moore, der Gründer der „Masonic
Revue", hat die Herausgabe einer neuen mr. Zeitschrift
begonnen, betitelt „Masonic Messenger".
Offene Antwort an Br M. G. Conrad in Paris.
Geehrter Br! Sie haben in No. 6 dieser Zeitschrift
meine Arbeit, „Die Manifestation der Frmr während der
Herrschaft der Commune in Paris" eines Angriffes gewürdigt
, den ich unmöglich eine Erwiderung nennen
kann, da wie Br Rosenberg in Frankfurt a. M. schon
richtig bemerkt hat, die vier Spalten nur den Zweck
haben mich zu fragen, „ob ich Herrn Maxime Du Camp
so genau kenne; ob ich persönlich in seine Atmosphäre
eingedrungen sei und in seinem Wesen all' die hellleuchtenden
Eigenschaften mit eigenen kritisch-forschenden
Augen entdeckt habe" u. s. w. Ich könnte diese
Frage einfach als ebenso unberechtigt zurückweisen, als
Sie die etwaige Gegenfrage, ob Ihre Behauptung „bei
Monsieur Du Camp sei das Widerspruchvollste zur andern
Natur und die Charakterlosigkeit zum Charakter
geworden", und andere Ausdrücke souveräner Verachtung
gegenüber diesem „Schreiber" auf dem Eindruck persönlicher
Beziehungen beruhen. Wenn in einem Pariser
Blatte heute ein Auszug aus dem Wilhelm Lauser'schen
Buche über die Commune stünde (natürlich alle andere
Vergleichung mit den Du Camp'schen Schilderangen
ganz bei Seite gelassen) mit einer lobenden Einleitung
seitens des Uebersetzers, wäre irgend ein französischer
Schriftsteller ohne Weiteres berechtigt, den Berichterstatter
des Pariser Blattes in dem von Br Bosenberg
hinlänglich gekennzeichneten Tone darüber zu inter-
pelliren, ob und inwieweit er Herrn Wilhelm Lauser
persönlich kenne, um sich ein Urtheil über sein Werk
zu erlauben? Allein ich habe durchaus keinen Grund,
Ihnen die Antwort schuldig zu bleiben. Ich kenne Herrn
Maxime Du Camp nicht im Geringsten und habe nie
die entferntesten Beziehungen zu ihm gehabt. Mein
Urtheil beruht einzig und allein auf dem Eindruck,
welchen seine Schilderungen auf mich gemacht haben;
dieses Urtheil kann, da es ganz subjectiv gebildet, aber
auch ebenso subjectiv ausgesprochen worden ist, falsch
sein, aber eben dies müsste, eben zuerst bewiesen und
mir nicht mit so infailliblem Selbstbewusstsein in's Angesicht
geschleudert werden.
Ich bin kein solcher Autoritätsmensch, dass ich die
„Revue des Deux Mondes" als ein unfehlbares Orakel
ansehe (nicht als französisch lesender Ausländer, da ich
geborener Genfer bin), ich habe manches an ihr auszusetzen
, was ich hier nicht näher ausführen will, da es
nicht zur Sache gehört; allein trotz alledem halte ich
es noch für ein bedeutendes Organ, das kein unwürdiges
Werk mit seiner Flagge deckt. Jedenfalls glaube ich
mich berechtigt, einen in dieser Zeitschrift erschienenen
Artikel unter ausdrücklicher Angabe der Quelle und des
Autors deutschen Lesern ganz oder auszugsweise mit-
zutheilen, ohne dass das von mir Uebersetzte deshalb
zu „meinen Ausführungen" würde und ich für dieselben
verantwortlich gemacht werden könnte.
Sie sagen: „Eines Mannes Rede ist keine Rede,
man muss sie hören alle beede". Nun ja, ich habe den
einen Mann sprechen lassen und nicht erklärt, dass
jetzt kein anderer den Mund aufthun dürfe; ich habe
die Darstellung Du Camps nicht als eine in alle Ewigkeit
unantastbare, in die Erztafeln der Geschichte un-
wwüstbar eingegrabene hingestellt; es steht Ihnen
wie jedem Andern frei; eine andere Darstellung des von
mir dem französischen Autor Nacherzählten zu bringen.
Gewiss wird Ihnen jeder Maurer, dessen Herz warm für
die Ehre und Würde der Mrei schlägt, aufrichtig dankbar
sein, wenn Sie beweisen können, dass die klägliche
Komödie nicht stattgefunden hat. Nur über Eines muss
ich mich wundern. Wenn die „Revue des Deux Mondes"
wirklich im Auslande noch soviel Ansehen geniesst, warum
haben Sie oder ein Anderer „von den vielen Lesern, welche
meine Arbeit, wie Sie annehmen, in so hohem Grade
überrascht hat", nicht schon früher die Originalarbeit,
von der mein Artikel nur ein dürftiger Auszug war, beleuchtet
? Warum haben Sie die bei der Manifestation
betheiligten Brr in Paris nicht schon gleich nach dem
Erscheinen des dieselben betreffenden Abschnittes in der
von Deutschen so viel gelesenen „Revue des Deux
Mondes" hier in der „Bauhütte" oder in der „Freimaurer
-Zeitung" oder in irgend einem andern Organe
vertheidigt, welches die Gesammt-Interessen der Frmrei
vertritt?
Schliesslich muss ich noch bemerken, dass ich in
den französischen Blättern, welche mir zu Gebote stehen,
nie die leiseste Hindeutung auf die Schilderungen des
Herrn Maxime Du Camp gefunden habe, ebensowenig
aber in deutschen Blättern, nicht einmal in der „Frankfurter
Zeitung", in welcher ich doch schon so manche
interessante Mittheilung aus Ihrer Feder gelesen habe.
(Ohne Ironie, trotz Ihrer Anspielung auf „meine hoch-
bedeutende Arbeit.") Um so begieriger bin ich auf
die von Ihnen in Aussicht gestellten Mittheilungen,
welche die Du Camp'sche Darstellung berichtigen sollen.
Besonders aber würde es mich, wie gewiss jeden andern
Leser der „Bauhütte" interessiren zu erfahren, welche
Stellung der Grossorient von Frankreich gegenüber den
Du Camp'schen Enthüllungen genommen hat, der in
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