Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., F 764,n - 23.1880
Die Bauhütte: Zeitung für Freimaurer
Leipzig, 1880
Seite: 165
(PDF, 136 MB)
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Pflicht, zu einer milderen, reineren und freieren überzugehen
. Sie behaupten nicht allein die Freiheit, zu
denken, sondern auch die, zu handeln, jedoch mit Verabscheuung
aller Ungebundenheit. Sie sind allen Tyrannen
feind, sie mögen nun despotische Monarchen, oligar-
chische Optimaten oder auarchische Demagogen sein."
— „Sie theilen ihre Lehren mit vieler Vorsicht mit
weil der grosse Haufe selten der Ueberzeugung, gewöhnlich
der Meinung folgt. Diese Verschwiegenheit wird
freilich nicht von Allen gebilligt; aber die Socratischen
werden nur dann offener sein, wenn eine Zeit kommt,
wo es erlaubt sein wird, Alles frei zu sagen, was man
denkt," (Vergl. Findels Gesch. 2. Aufl., S. 133—137. —
Eodenberg, Studienreisen in England, S. 123, 170 f. —
Macaulay, History of Englang, Cap. 3.)

(Forts, folgt.)

Dramatische Skizze über die frmrischen Ansichten

von

CHRISTUS und JOHANNES d. T.

Verlesen i.d. L. Johannes zum wiedererbauten Tempel.

Vom

Br Redner im Or. Ludwigsburg.

(Schluss.)

(Ort der Handlung: das Gebirge bei Hebron in einer Vollmondsnacht.)

Jesus:

Ich folge bald nach Dir zu allem Volk.
Doch wenn Du gehest nun — Johannes
Vergiss das eine nicht — das Höchste —
Denn merke wohl — die Liebe ists —
Die dieses Werk entbehrt.

Die Liebe zu dem Herrn, dem Schöpfer alles Guten,
Und Liebe zu den Menschen jederzeit,
Zu jedem, der am nächsten steht und
Wenn er selbst ein Feind wäre.

Johannes:

Du machst mich irr--

Unmöglich ist es doch, dass Buss' und

Furcht sich mit der Lieb' vermähle,

Zu fürchten hat ja dieses Volk sich

Vor der Strafe seines schwererzürnten

Gottes und Busse, Umkehr, ganze

Wandelung thut noth, sonst ist es aus,

Und Er — Er zögert länger nicht.

Und dann sagst Du, die Lieb' für Jedermann?

Selbst Feinden, die ein Greuel mir,

Die von Jehova längst dem Untergang

Geweiht — die sollt ich lieben,

Selbst gegen das Gebot des Ew'gen lieben?

Nein, dies geschieht niemals!

Und dieses Wort hast Du gewiss

Als Probe nur zu mir gesprochen,

Doch ich bestand die Probe — wie Du siehst.

Jesus:

Gebrüft ja hab' ich Dich. — Ich sehe

Nun, wie weit das Reich des Herrn zu fassen
Du vermagst. —

Halt fest an dem, was richtig Du befunden und]
Lehre das, womit Dein straff Gemüth
Im Einklang steht. — Halt aus! —
Ein neues grosses Reich entsteht, und
Glücklich, wer Dich hört und Deinen Lehren
Beifall und Gehorsam spendet.

Johannes:

Ein neues, grosses Reich entstehe, jetzt,

Und ich soll vorher Buss' und Umkehr wecken.

Selbst folgst Du, — sagtest Du vorhin.

0 — nun begreife ich —

Mit Jauchzen füllt sich meine Brust,

Die, eh' ich Dich erblickt, von Schmerz

Durchtobt und gramerfüllet war,

Das neue Reich bricht an. Das alte

Joch, die Schande Israels zerstiebt.

Und neu geschaffen wird der Bund,

Bussfertig, gottgeweiht, wie zur

Erzväterzeit, wird dieses Volk

Dann wieder treu mit seinem Gott verkehren,

Und weggebannt wird Tyrannei und Sünde.

Heil Israel! — Heil allen Gläubigen!

Heil!

J^sus:

Heil allen Menschen!

Joh annes:

Mit Freuden geh ich nun und predige,

Jedoch um Eines bitt ich noch:

Sag', lieber Meister — wenn — wie darf ich sagen,

Wenn kommst Du, um das Reich zu gründen?

Jesus:

Sprich: nahe ist das Himmelreich.

Geh hin und taufe den, der glaubt, im Jordanfluss.

Ich komme nach;

Durch Feuer aus dem heil'gen Geist
Werd ich sodann die Meinen sammeln.

Johannes:

Ich glaube Dir — ich gehe und gehorche.
Und seh ich einst Dich wieder, hell am Tage,
Vielleicht dass Du bekannter mir erscheinst, denn jetzt.
Doch Deiner Worte Kraft kann nur von oben stammen,
Wenn auch Dein Leib ganz menschlich scheint, (ab.)

Jesus (allein):

Ja, dieser Worte Kraft im tiefsten

Innern selbst empfunden, mit Feuer

Hingeschleudert in des Andern Seele,

Das ist's was wirkt, was ihn erschüttern macht;

Nicht nur der Mensch — nein die Natur

Muss dem gewaltgen Wort sich fügen. —

So schuf ja Gott die Welt,

Es werde — sprach er — und es ward,


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