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gelmuskeln von Oryctes ein derartiges Fädchen einer sog. Fibrille entlang ziehen. Ueber die Lagerung der Sarcosomen
zwischen den »Fibrillen» und über die Verbreitung der feinen Tracheenäste hat v. Kölliker eingehende
Beobachtungen mitgetheilt. In Betreff des Bindemittels der Körner scheint er geneigt zu sein, »eine geringe Menge
eines homogenen» solchen Mittels anzunehmen; es ist ihm aber nicht gelungen, eine solche Substanz zur Anschauung
zu bringen. Die von mir dargestellten feinen Fädchen stellen offenbar ein derartiges Bindemittel dar. Was
die feinere Structur der sog. Fibrillen der Flügelmuskeln betrifft, so werde ich nicht darauf eingehen, sondern nur
das Fehlen der »Nebenscheiben» constatiren und hervorheben, dass meiner Ansicht nach die sog. Fibrillen echten
Muslcelsäulchen entsprechen, obwohl die sie zusammensetzenden Fibrillen mit einander innig vereinigt sind, so dass
es nur ausnahmsweise gelingt, sie von einander zu trennen. Hin und wieder sah ich aber feinste Fibrillen von
einem Säulchen abgelöst. Dies war z. B. der Fall an dem in Fig. 25 abgebildeten Säulchen; an der abgetrennten
Fibrille waren die gefärbten Knötchen der Zwischenscheibe gut wahrnehmbar. Die Mittelscheibe trat bald als roth
gefärbtes (Fig. 23), bald als ungefärbtes Band (Fig. 27) hervor, und das Säulchen war an dieser Stelle etwas verengert
, etwas schmäler als an der Zwischenscheibe.
Die Muskelfasern von Carabus sp.
Tafel XV, Fig. 28—34.
Ich untersuchte u. A. die Beinmuskulatur eines Carabus (dessen Speciesnamen ich nicht angeben kann)
und fand, nach Benutzung derselben Behandlungsmethode wie bei Oryctes, im Ganzen recht übereinstimmende Verhältnisse
. Deshalb gebe ich nicht eine eingehende Beschreibung der Muskelstructur des Carabus. An wenig ex-
tendirten Muskelfasern (Fig. 29) sieht man beiderseits von der feinen, punktirten Zwischenscheibe, welche stets die
Anilinfarbe kräftig empfängt, eine Reihe von rundlich ovalen, roth gefärbten Sarcosomen, welche in den isotropen,
hell rosa tingirten Bändern belegen sind und an der ganzen Muskelfaser eine Nebenscheibe vortäuschen können.
Nach der Zerzupfung (Fig. 30) erkennt man unschwer, dass die Sarcosomen in den Spaltenräumen neben und
zwischen den Muskelsäulchen liegen; sie werden bei der Zerzupfung leicht in Unordnung gebracht. In der Fig.
30 rechts sieht man eine von ihrem Säulchen abgelöste Fibrille dargestellt.
Die fibrilläre Structur der Säulchen tritt auch bei contrahirten Fasern (Fig. 28 rechts) deutlich hervor. In
Fig. 84 sind zwei ganz isolirte contrahirte Fibrillen wiedergegeben. Sowohl an diesen wie an den in Fig. 28 u. 83
abgebildeten Fibrillen und Säulchen (links liegt eine dicke Gruppe von Säulchen vor) erkennt man nicht nur die
Zwischenscheibe, sondern auch, als schwächer gefärbtes Band, die Hensen'sche Mittelscheibe. An isolirten Muskelsäulchen
von Carabus sah ich auch zuweilen eine weitere Zeichnung, indem, nicht nur in der Mitte der Querscheibe,
dort, wo die Mittelscheibe belegen ist, ein durch Eosanilin sich färbendes, ringförmig verdicktes Band (Fig. 31,
32), sondern jederseits von diesem Bande zuerst ein helleres, dann noch ein dem mittleren ähnliches, stärker gefärbtes
Band auftrat; die beiden letzt erwähnten Bänder sind von der Zwischenscheibe durch je ein helles Band (offenbar
das isotrope) getrennt. Die beschriebenen drei stärker sich färbenden Bänder gehören nicht nur der Oberfläche
der Säulchen an, sondern wiederholen sich in ganz entsprechender Weise auch an den isolirten Muskelnbrillen
(Fig. 31, 33). An diesen Säulchen sind nur noch einzelne Sarcosomen vorhanden, die übrigen sind bei der Zerzupfung
abgefallen.
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