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Befunden. »Der Zusammenhang mit Nerven», sagt er, »ist auch für die Säugethiere nicht direct nachzuweisen, jedoch
gelang es mir an Goldpräparaten der Papilla foliata des Kaninchens, einzelne dünne Nervenfasern in die Knospen
eintreten zu sehen.» Merkel scheint das Vorhandensein von Stützzellen auch im Inneren der Knospen erkannt
zu haben: die Stützzellen sind in der Peripherie, die Stäbchenzellen im Centrum »reichlicher zu finden».
Eanvier fand auch beim Kaninchen die intraepithelialen Nervenfibrillen. »Ausserdem enthält», sagt er in
seinem Tratte* technique d'Histologie (1888), »das den Geschmacksknospen benachbarte geschichtete Epithel eine
grosse Zahl intraepithelialer Nervenfibrillen, die ebenfalls von den in den Papillarleisten verlaufenden Nerven herstammen
. Diese Fasern zeigen dieselbe Anordnung wie diejenigen der Epidermis. Nach wiederholter Theilung
endigen sie in der Oberfläche mehr oder weniger genäherten Knöpfen.» Ranvier beschrieb ferner die zwei die Knospen
zusammensetzenden Zellenarten, die Geschmackszellen und die Stützzellen, und hob hervor, dass die letzteren
auch im Inneren der Knospen, zwischen den eigentlichen Geschmackszellen vorkommen. Durch die Goldmethode
erhielt er bei der Untersuchung der Papillse foliatse sehr deutliche Präparate; die Geschmacksknospen werden
violett gefärbt. »Ebenso werden die in den Leisten aufsteigenden Nerven gefärbt und man sieht sie allmälig
Zweige abgeben, die sich an die Basis der Geschmacksknospen hinbegeben und sich in ihrem Inneren verlieren.
In einem Theil der Knospen, wo die Sinneszellen stärker gefärbt sind als die Stützzellen, erkennt man, dass sie
mit den Nervenfibrillen in Zusammenhang stehen. Ihre Endstäbchen färben sich gleichfalls dunkelviolett.»
Drasch (1884) bestätigte auch beim Kaninchen den von Sertoli beim Pferde und von Ranvier beim Kaninchen
beschriebenen intraepithelialen Nervenplexus zwischen den Knospen und sah die Fäserchen bis nahe an die
.Epitheloberfläche hinanziehen. Es kann in der That, sagt er, kaum mehr zweifelhaft sein, dass die Mehrzahl der
geschmacksempfindenden Fasern im Blattstroma selbst enden und nur eine geringe Menge derselben zu den Knospen
umbiegen und in deren Innerem ihr Ende erreichen.
In einer späteren Abhandlung (1887) veröffentlichte Drasch seine fortgesetzten »Untersuchungen über die
Papillse foliata? et circumvallatse». In Betreff der Nerven des secundären Blattes kommt er u. A. zu dem
Schlüsse, dass der Glossopharyngeus ausser doppelt contourirten Nerven noch viele Remak'sche Fasern enthält, und
dass dessen Auffaserung bereits unterhalb der Knospenregion stattfindet. »Nur eine verhältnissmässig geringe, der
Summe der 'Sinneszellen' entsprechende Anzahl von Fasern geht direkt zu den Knospen, um in ihnen in Form
der Sinneszellen zu enden. Ein weitaus grösserer Theil derselben zieht zu Büscheln angeordnet durch die Längsscheidewände
der Knospennischen bis an den Blattrand und geht dort in das oberhalb der Knospen gelegene Epithel
über. Viele Fasern enden aber auch schon im Blattstroma.» Unter der Knospenregion in der ganzen Dicke des
Blattes findet sich eine zusammenhängende Lage von Ganglienzellen, welche zur Vermehrung 'der Fasern beitragen.
Rosenberg 1 sah nach Goldfärbung in den Papillse circumvallata? zwischen den Schmeckbechern dichte Nervenbündel
ins Epithel hineingehen, unter vielfachen Theilungen gegen die dem Graben zugekehrte Epitheloberfläche
ziehen und in den äusseren Schichten des Epithels zu einem dichten Netze zusammentreten, aus welchem sich erst
die letzten Fasern erheben, um, gegen den Graben hinziehend und von demselben nur durch wenige Zelllagen
getrennt, mit Knötchen zu endigen. Auch im Innern des Bechers, zwischen den epithelialen Deckzellen desselben,
sieht man einzelne, feine, varicöse Fäserchen gegen die Becherspitze hinaufziehen.
Endlich komme ich zu der letzten hierauf bezüglichen Abhandlung, derjenigen von Fusari und Panasci 2,
welche für meine unten folgende Darstellung besonders wichtig ist. Die von diesen Forschern in Betreff der
Nervenendigungen der Geschmacksorgane mittelst der Golgi'schen Methode untersuchten Thiere waren Katzen
(neugeborene), Ziegen, Kaninchen und Mäuse. Grösstentheils mit Benutzung von Schwalbe's Referat (in seinem
Jahresbericht) gebe ich hier das Hauptsächliche der fraglichen Abhandlung wieder. In der Zungenschleimhaut an
der Oberfläche des Bindegewebes bilden die Nerven ein feines Netz mit eingelagerten Zellen, von welchem einzeln
oder gruppenweise feine Fasern in das Epithel und zwar bis in das Stratum granulosum vordringen, wo sie als
feinste Fibrillen endigen. Auch in das Epithel der Papillse filiformes dringen feine Fasern ein. In den Papilla?
fungiformes und vallatse bilden die Nervenfasern reichliche Plexus, in denen zweierlei Arten von Nervenzellen vorkommen
, die einen an der Basis der Papille mitten im Plexus, die anderen am Gipfel der Papille unter den
L. Rosenberg, Über Nervenendigungen in der Schleimhaut und im Epithel der Säugethierzunge. Sitz. ber. d. k. Akad. d. Wissensch, in Wien.
Math. Natunv. Cl., 93 Bd, 3 Abth., 1886.
• R. Fusari e A. Panasci, Sülle terminazioni nervöse nella mucosa e nelle ghiandole sierose della lingua dei mammiferi. Atti della R. Accademia
delle scienze di Toriuo. V. 25, Disp. 15 a, 1889—90.
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