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Der direkte Zusammenhang der fraglichen Sinneszellen mit Nervenfasern in den zu dieser Gruppe von Endorganen
gehörenden Bildungen wurde auch, wie schon angedeutet ist, von den folgenden Forschern im Allgemeinen
angenommen, obschon derselbe wohl selten sicher dargelegt werden konnte. Diese Annahme stand übrigens in
inniger Beziehung zu den damaligen Ansichten über peripherische Endigungen sensibler und sensorischer Nerven.

Indessen hatte S. Stricker 1 die in der Mundhöhle der Froschlarven vorkommenden Papillen schon längst
genauer untersucht und in ihnen eine Nervenendigung anderer Art beschrieben; er sah nämlich in dem oberen
dunkleren Abschnitte derselben eine mehrfache Theilung jener feinen Nervenfasern, deren einzelne Aestchen, nachdem
sie sich meistens noch in eine Endgabel gespalten hatten, theils nach den Seiten hinliefen, theils bis hart an die
Spitze verfolgt werden konnten, um schliesslich mit ganz leichten Anschwellungen aufzuhören. Dass diese letzteren
im Epithel lagen, ist sehr wahrscheinlich. Stricker deutete die Papillen als provisorische Geschmacksorgane.

Auf dem Anatomencongresse in Wien im Juni dieses Jahres theilte Zimmermann 2 in der Discussion über die
sensiblen Nervenendigungen mit, dass er die Hautsinnesorgane (Seitenorgane) von Fierasfer acus mit der Ramön'-
schen Methode untersucht habe, um den Zusammenhang der Sinneszellen mit Nerven zu studieren. »Wohl färbten
sich zahlreiche Sinneszellen und sehr viele sensible Nervenfasern in der Epidermis der übrigen Körperhaut, aber
niemals konnte auch nur ein einziger Basalfortsatz einer Sinneszelle beobachtet werden, jedoch ein reichlicher
Nervenplexus dicht unter dem Epithel der Sinnesorgane, aber ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem Epithel.»
»Man darf demnach», fügte Zimmermann hinzu, »die erwähnten Sinnesorgane wohl mit denjenigen des Cortisonen
Organs, nicht aber mit den Sinneszellen der Piechschleimhaut zusammenbringen: denn letztere sind Granglienzellen,
die im Epithel sitzen geblieben sind und mit ihrem Basalfortsatz centralwärts ziehen, erstere (aus dem Corti'schen
und dem Hautsinnesorgan) dagegen sind Epithelzellen, die nur eine mehr vermittelnde Polle spielen.»

Zu ganz derselben Zeit und vollständig unabhängig von dem letztgenannten Forscher veröffentlichte M. von
Lenhossek eine vorläufige Mittheilung über die Nervenendigungen i den Endknospen der Mundschleimhaut der
Fische. Er hatte im April d. J. in Neapel den Kopf eines jungen (2 Ctm. langen) Exemplares von Conger vulgaris
nach der raschen Golgi'schen Methode behandelt. Er fand in den Endknospen der Mundschleimhaut im
Wesentlichen nur eine einzige Zellgattung, und zwar nur indifferente Epithelzellen, »die Knospenzellen», bald cylin-
drische, schmale, etwa gleich breite, bald mehr spindelförmige Elemente, welche an beiden Polen wie abgeschnitten
endigen. Im Epithel der Schleimhaut sieht man einzelne, von unten eindringende Fasern senkrecht emporsteigen,
um darin in eine schöne, flächenhaft ausgebreitete Endverästelung zu zerfallen, deren Zweige oft bis zur Oberfläche
dringen. Auch an den Knospen ist die Nervenendigung stets eine freie; die Nervenfasern hängen mit keinen Zellgebilden
zusammen, sondern laufen mit kleinen Terminalknötchen oder zugespitzt frei aus. Die Endigung erfolgt
theils innerhalb der Knospen, theils um sie herum; sie zerfällt also in eine »intragemmale)) und eine »circum-
gemmale». An die Basis einer jeden Knospe treten 2—4 oft ziemlich derbe Fasern ungetheilt, senkrecht heran.
Hier angelangt entziehen sie sich zunächst dem Blicke, indem sie in ein bisher unbekanntes Gebilde, die Gudula
v. Lenhossek, eintreten, welche eine dünne Schale um den Knospengrund bildet und ein sehr reichliches Geflecht
von gewöhnlich varicösen, dicht gedrängten Nervenfibrillen enthält. Aus der Concavität der Cupula dringen ferner
Fasern zwischen die Knospenzellen hinein und durchziehen meridianartig convergirend die Gebilde ihrer ganzen Länge
nach, um erst oben im Knospenporus in Form kleiner Terminalknötchen, die über die Knospenzellen etwas hinausragen
, zu endigen. Der Imprägnation sind diese intragemmalen Fasern schwer zugänglich; nie sah er mehr als
zwei in einer Knospe gefärbt, er schätzt jedoch ihre Zahl auf vier, indem er vier Terminalknötchen zählen konnte.
Sinneszellen giebt es also in den Endknospen der Mundschleimhaut der Fische entschieden nicht. Die vielbesprochenen
Kügelchen am Knospenporus stellen nicht haarartige Zellfortsätze, sondern die freien Nervenenden dar,
die hier direct von den in die Mundhöhle aufgenommenen Flüssigkeiten umspült werden. Die Aeste des circum-
gemmalen Geflechtes lösen sich bald von dem an die Cupula hinzutretenden Stämmchen oder — wenigstens scheinbar
— von der Cupula ab, bald wieder sind es besondere Aeste, die sich der Knospe von der Seite her nähern;
sie sind sehr zart, etwas varicös und von zackigem Lauf. Dem Körpertheil der Knospe entsprechend streben sie
senkrecht empor, wobei sie sich ab und zu spitzwinkelig theilen; erst von der Grenze des Halstheiles an sieht man

1 S. Stricker, Sitz. ber. d. K. Akad. d. Wissensch, iu Wien, ßd 26, Jahrg. 18 7. Wien 1858.

2 K. W. Zimmermann, Verhandl. d. Anatom. Gesellsch. auf der sechsten Versamml. in Wien vom 7—9. Juni 1892. Ergänzungsheft des Anatom. Anzeigers.

3 M. v. Lenhossek, Die Nervenendigungen in den Endknospen der Mundschleimhaut der Fische. Verhandl. d. Naturf. Gesellsch. zu Basel, Bd 10,
h. 1 (dat. 7. Juni 1892).


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