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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1906_13/0020
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Schliesslich behandelte im J. 1902 Meves l) in einer vorzüglichen Arbeit die Spermiogenese von Paludina.

Was aber den Bau und die Formen der reifen Spermien der Grastropoden betrifft, sind in den späteren
Jahren auffallend wenige Mitteilungen erschienen.

E. Ballowitz2) besprach jedoch schon im J. 1894 die Spermien mehrerer dieser Mollusken, nämlich diejenigen
von Patella pellucida, Littorina rudis, Helix pomatia, Aplysia depilans, Pleurobranchea MecMii und Doris
tuberculata. Seine Angaben über die Spermien von Patella habe ich schon im Zusammenhang mit meiner eigenen
Beschreibung derselben referiert, so dass ich sie hier nur kurz wiederholen will; diese Spermien sind klein; mit
oval-spindelförmigem Kopf, an dem ein kleines Spitzenstück vorn ansitzt, und der hinten in einem kelchförmigen
Verbindungsstück steckt, während der fein fadenförmige Schwanzfaclen hinten mit einem feinen Endstück endigt und
vorn ein Endknöpfchen trägt; der Achsenfaden lässt sich in seine Fibrillen zerlegen. Bei Littorina zeigen die Spermien
drei Abschnitte, nämlich am vorderen Ende eine ziemlich lange Spitze, hinter ihr ein sich stärker färbendes Fadenstück
und einen helleren und längeren hinteren Faden ohne eigentliches Endstück. Weil der die Färbung am längsten
zurückhaltende Teil in Kochsalz aufquillt und schliesslich sich löst, wie es die Spermatozoenköpfe bei vielen
Tieren zu tun pflegen, und die Spitze sich weniger alteriert, glaubte Ballowitz, dass man in dem mittleren Abschnitt
den Spermatozoenkopf vor sich habe; jedenfalls, sagt er, ist der hintere Abschnitt die Greissei, der ein Verbindungsstück
mithin fehlen würde. Das hintere Ende zeigte nicht selten einen fibrillären Zerfall. Die bei Helix gewonnenen
Eesultate standen mit den von Platner mitgeteilten Befunden im Einklang. Die Spermien der Opistho-
branchien scheinen denen der Pulmonaten zu gleichen; ein nicht kontraktiler Spiralsaum ist sehr deutlich. Bei Boris
trat nach Kochsalzbehandlung ein kurzes Spitzenstück an dem etwas gequollenen Kopfe hervor; der Achsenfaden ist
mit einem kurzen Stiftchen in das hintere Ende des Kopfes eingefasst; die Spitze des Stiftchens ist, wie ein Endknöpfchen
, verdickt. Eine fibrilläre Struktur der Geissei konnte er bei diesen Mollusken nicht erkennen.

In Korschelt-HeIder's Lehrbuch der vergleichenden Entwicklungsgeschichte der wirbellosen Tiere 3) v. J. 1902
findet man keine spezielle übersichtliche Darstellung der Molluskenspermien, und demnach auch nicht der Grastropoden
, sondern nur zerstreute Angaben über dieselben, besonders über die Doppelspermien von Paludina, Murex,
Strombus, Pteroceras und Cypraea.

Schliesslich hat H. Simroth in Bronn's Klassen und Ordnungen des Thier-Eeichs (3. Band, 1904) eine
Zusammenstellung der bisherigen Kenntnisse vom Bau der Spermien gegeben. Hinsichtlich der typischen Spermien
der Prosobranchien sagt er, dass der einfache Endfaden und die gestreckte Vorderhälfte allen gemeinsam zu sein
scheine, ohne dass man bei der letzteren überall bereits zwischen Kopf und Mittelstück unterscheiden könne.
Vorläufig kann man wohl folgende Kategorien aufstellen:

1. Schraubig-korkzieherartiger Kopf, zylindrisches Mittelstück und lange Geissei: Paludina, Ampullaria,
Lamellariiden.

2. Gerade gestreckter, stäbchenförmiger oder fein zugespitzter Kopf, zylindrisches Mittelstück und Schwanzfaden
: bei Littorina Uttorea kommt auf den Kopf fast die Hälfte, auf Mittelstück und Geissei je ein Viertel der
ganzen Länge; bei Neritina sind sie äusserst fein, mit langem, zugespitzem Kopf und langem Mittelstück; die von
Bytliinia haben nur einen kurzen pfriemenförmigen Kopf und kurzes Mittelstück, bei Natica scheint der Kopf kurz,
stäbchenförmig zu sein, bei öyclostoma ist der Kopf kaum abgesetzt und bildet mit dem Mittelstück ein langes Stäbchen
. Alle sind länger als bei Paludina. Kurzer Kopf und langes Mittelstück bei Cypraea, Pteroceras und Strombus.

3. Eine dritte Kategorie bildet Valvata. Auf einen kugeligen oder elliptischen Kopf folgt ein langer Faden,
der hinten lanzenförmig verbreitert ist.

4. Bei Fissurella bilden Kopf und Mittelstück einen ziemlich dicken, walzenförmigen Körper, der sich
hinten in die Endgeissel hineinzieht.

Dann gibt Simroth auch eine kurze Übersicht der Angaben über die wurmförmigen Spermien. Diese
Gebilde sind fast gänzlich auf die Prosobranchien im allgemeinen und auf eine grössere Anzahl Gattungen von
Monocardien beschränkt; sie scheinen den Scutibranchien, einschliesslich der Neritiden, ganz zu fehlen.

»Beobachtet wurden sie bisher bei Arten von Paludina, Tiphobia, Cypraea, Ampullaria, Vermetus, Cerithium,
Columbella, Marsenia, Dolium, Gassidaria, Tritonium, Strombus, Pteroceras, Aporrhais, Murex, Nassa, Fusus, Conus,

1) Fr. Meves, Über oligopyrene und apyrene Spermien und über ihre Entstehung, nach Beobachtungen an Paludina und Pygaera. Archiv f. mikrosk.
Anat. und Entw. Bd. 61, 19G2.

2) E. Ballowitz, Bemerkungen zu der Arbeit von Dr. phil. Karl Ballowitz über die Samenkörper der Arthropoden etc. Intern. Monatsschrift f. Anat.
und Phys. 1894, Bd. XI, H. 5.

3) Allgemeiner Teil, Erste Lieferung. Erste und zweite Auflage, 1902.


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