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findet sich der Anfang des dem Hauptstück entsprechenden Stückes. Bei diesen Spermien stellt infolgedessen
das lange, spiralig umwundene Stück des Schwanzes das Verbindungsstück, das den Schwanz abschliessende äusserst
kurze Stück das Hauptstück dar. Man kann mit Recht einwenden, dass diese Benennungen hier wenig passend seien,
da die betreffenden Stücke so abnorme Proportionen erhalten haben. In der Natur wechselt aber alles, und man
muss immer darauf vorbereitet sein, bei den vielen so verschiedenen Tiergruppen Beispiele davon anzutreffen, dass
Benennungen, die von einer Gruppe herrühren, bei einer anderen Gruppe nicht angemessen sind. Und doch ist
es sicherlich richtig, da, wo eine Homologie vorliegt, auch solche Benennungen beizubehalten. Ja, es kann sogar
von grossem Interesse' sein, solchen bedeutenden Wechselungen nachzuspüren. Nach meinem Dafürhalten muss
eine Homologie im angegebenen Sinne hier vorhanden sein, und ich werde deshalb die fraglichen Benennungen
denn auch in der folgenden Darstellung benutzen.
Der Kopf von Doridopsis ist in der Tat klein, sehr schmal und auch kurz. Seine Form wechselt etwas in
den Präparaten. Offenbar schwillt seine Substanz leicht an und kann mehr oder weniger sphärisch werden.
Ich glaube nämlich kaum, dass solche Formen nur als Variationen aufzufassen seien, und um so weniger, als sie in
gewissen Präparaten bei weitem überwiegen, in anderen selten vorkommen. Ebenso glaube ich kaum, dass sie hier
als frühere Ausbildungsstadien zu betrachten seien. Inwieweit nun auch das in Pig. 2 abgebildete Spermium mit
dem Avurstförmigen Kopfe als etwas angeschwollen oder als Variationsform anzusehen sei, kann ich nicht entscheiden.
Dagegen halte ich es für ausgemacht, dass die Köpfe in Pig. 3 und 4 natürliche, nicht durch die Behandlung
veränderte Formen sind. Man sieht nämlich diese Köpfe oft etwas schief, mit der Spitze etwas nach einer Seite
gebogen; und ebenso findet man viele, die eine schwache Spiraldrehung zeigen, wie dies auch in Fig. 1 angedeutet
ist. Am vorderen Ende des Kopfes findet sich ein kleines schmal konisches, zugespitztes Spitzenstück, welches sich
durch seine stärker lichtbrechende Beschaffenheit auszeichnet. Am hinteren Ende des Kopfes dringt das von
Ballowitz bei Doris erwähnte Stäbchen eine kleine Strecke in die Substanz ein.
Das äusserst lange Verbindungsstück besteht aus einem dunklen, gerade gestreckten, zylindrischen Stützfaden,
welcher dem hinteren Kopfende breit ansitzt, und einem denselben umwindenden schmäleren, ebenfalls z}dindrischen
Spiralfaden, der, bei aufwärtsgerichtehem Kopf besehen, von vorn-rechts nach hinten-links gewunden ist, und
zwar dem Stützfaden stets so dicht anliegend, dass man sie nur sehr selten an einzelnen Windungen voneinander
getrennt bekommt. Der Spiralfaden läuft an der einen Seitenfläche des Stützfadens bis an den Kopf empor, oder
beginnt dort, am hinteren Ende des Kopfes, neben dem Stützfaden. Nach hinten verschmälert sich allmählich
der Stützfaden; dies tut aber der Spiralfaden auch, so dass es schliesslich ziemlich schwer wird, die beiden Fäden
sicher zu verfolgen. Doch gelingt dies gerade bei Doridopsis oft gut, und man kann hierbei sehen, dass der Spiralfaden
sich beinahe bis an das Ende des Spermiums windet. Schliesslich hört er auf (Fig. 4). und zugleich ändert
der Stützfaden auch sein Aussehen, indem seine dunkle Farbe schwindet, worauf ein helleres, kleines, sich schnell
zuspitzendes Schwanzstück folgt. Dieses letztere Stück ist nach meiner oben begründeten Ansicht der schwache
Repräsentant des Hauptstückes des Schwanzes. Ein besonderes Endstück ist nicht nachweisbar.
Ich habe bei Doridopsis nicht das Verhalten der Zentralkörper beschrieben, weil sie an den reifen Spermien
dieses Tieres so undeutlich zum Vorschein kamen. Diese Körper werden bei Philine eingehend geschildert. Nach
allem, was wir über sie wissen, sind sie bei den Opisthobranchien-Spermien im allgemeinen einander sehr ähnlich
beschaffen.
Doris sp.
(Taf. X, Fig. 0—8.)
Von Doris-Spermien habe ich nur drei Köpfe mit dem angrenzenden Teile des Schwanzes abbilden lassen.
Diese Spermien sind dünner und schwächer als die der Doridopsis. Im übrigen sind sie aber diesen so ähnlich,
dass es sich nicht lohnt, sie eingehender zu beschreiben. Der in Fig. 6 abgebildete Kopf entspricht am meisten
der natürlichen reifen Form; die in Fig. 7 und 8 wiedergegebenen Köpfe sind dagegen nach meiner Ansicht durch
die Behandlung (Seewasser) angeschwollen. In allen diesen Figuren erkennt man das von Ballowitz eben bei
Doris erwähnte »Endknöpfchen» am vorderen Ende des hinten in den Kopf hineinragenden kleinen Stäbchens.
Auch sieht man hier das kleine Spitzenstück des Kopfes und die Befestigung des Spiralfadens an dem hinteren
Umfang desselben, neben dem Stützfaden.
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