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eingehendere Untersuchungen über die Spermien ausführen zu können. Erst im Juni des vorigen Jahres gelang
es mir bei Alcyonella (Plumatella) fungosa reife Spermien zu erhalten, dagegen konnte ich keine von Cristatella,
Paludicella und anderen Moostierchen bekommen. Hier werden nun diejenigen von Alcyonella beschrieben werden.
Alcyonella fung-osa Pall.
(Taf. XV, Fig. 1—7.)
Dieses zu der Ordnung Ektoprocta, Unterordnung Lophopocla gehörende Biyozoon besitzt Spermien, die bei
genauerer Untersuchung einen sehr interessanten Bau darbieten. Sie sind lange, zylindrische, ziemlich breite Fäden,
an denen Kopf, Verbindungsstück und Hauptstück des Schwanzes scharf abgesetzt sind. Der Kopf (Fig. 1, 2)
ist im ganzen sphärisch, mit breiter Basis und spitzt sich nach vorn zu, indem er eine ziemlich lange, in
der Regel nach der Seite gebogene Spitze ausschickt; die Spitze zeigt nach der Färbung eine andere, dunklere
Farbe als der eigentliche, mehr helle, homogene, glänzende Kopf, und es scheint, als ob ein Spitzenstück mit einer
mehr oder weniger weit nach hinten ziehenden Hülle das vordere Ende des Kopfes bedeckte (Fig. 2).
In den Kopf dringt von hinten, vom Verbindungsstück her, ein feiner gerader Faden, welcher wie ein
Stab sehr hoch mitten in die Kopfsubstanz empordringt und zuletzt mit einem deutlichen Körnchen endigt
(Fig. 1 und 2). Dieser Faden lässt sich zuweilen in der Achse des Verbindungsstückes bis in das Hauptstück
hinab verfolgen (Fig. 2).
Das Verbindungsstück stellt, wie oben erwähnt, einen ziemlich breiten Zylinder dar, in dem man nach der
Behandlung mit Osmiumsäure, Rosanilin und Acetas kalicus einen sehr schönen Bau scharf erkennt. Es windet
sich nämlich in ihm von seinem vorderen, dem hinteren Kopfumfang dicht anliegenden Ende an ein Spiralfaden,
welcher in ziemlich dicht liegenden, regelmässigen Touren und, mit dem Kopfe nach oben-vorn liegend, von oben-
vorn-rechts nach unten-hinten-links zieht; an den Rändern des Verbindungsstückes kann man in regelmässiger
Anordnung die optischen Querschnitte als je eine Reihe rundlicher Körner sehen, die sich also beim Heben und
Senken des Tubus in die Schlingen des Fadens fortsetzen. Man kann die Anzahl der Windungen auf etwa
25—30 berechnen; in einigen Fällen fanden sich 27, in anderen 28. Dieser Spiralfaden liegt in einer homogenen
Substanz eingeschlossen, und ausserdem zieht der oben erwähnte Achsenfaden gerade durch die,Achse des Verbindungsstückes
. Hinter diesem erkennt man einen querliegenden, ziemlich dicken, dunklen, stark lichtbrechenden
Körper (Fig. 1 und 2), welcher bald mehr an der vorderen, bald mehr an der hinteren Seite (Fig. 6) konvex ist.
Es entspricht dieser Körper offenbar einem ringförmig gestalteten, distalen Zentralkörper, durch den ein ziemlich
dicker Strang (Fig. 1 und 6) aus dem Hauptstück in das Verbindungsstück hinein dringt.
Das Hauptstück des Schwanzes stellt einen langen, zylindrischen Strang dar, Avelcher nach hinten etwas
anschwillt, um sich dann am hinteren Ende wieder zuzuspitzen (Fig. 1). Im Inneren dieses Stückes bemerkt man
einen zwar schmäleren, aber doch ziemlich dicken Achsenstrang, welcher als Fortsetzung des den Zentralkörperring
durchziehenden das ganze Hauptstück durchläuft, in seinen vorderen Partieen dunkel und von gleicher Breite ist,
nach hinten hin aber dicker und hellglänzender wird (Fig. 1), um sich dann wieder zu verschmälern, zuzuspitzen
und bis ins Schwanzende auszulaufen. Rings um diesen Strang findet sich nun eine ziemlich dicke, undeutlich
körnige Hülle (Fig. 1), welche ihn in seiner ganzen Länge umgibt, um erst am hinteren Schwanzende allmählich
dünner und schliesslich an der Spitze so dünn zu werden, dass man sie nicht mehr nachweisen kann, obwohl sie
wahrscheinlich noch da ist. Ein eigentliches, abgesetztes Endstück ist deshalb wohl nicht vorhanden, obgleich das
letzte Schwanzende ein solches vortäuschen kann.
An den noch nicht reifen Spermien lässt sich eine Anzahl Strukturverhältnisse wahrnehmen, welche für
die Erklärung des reifen Stadiums wertvoll sein können. Was zuerst den Kopf und das Verbindungsstück betrifft
, findet man manche unreife Spermien, an denen ein mehr oder weniger grosser Protoplasmaklumpen diese
Teile noch einhüllt. In Fig. 3 und 4 sind zwei dieser Stadien wiedergegeben. In Fig. 3 hat der Kopf schon
ungefähr seine bleibende Form erhalten; an der Stelle des inneren Stabes sieht man hier im hinteren Kopfteile
eine zeltartige (dreieckige) Erhöhung mit dem Knöpfchen an der Spitze; die den Stab umgebende Einbuchtung hat
offenbar noch diese Form, die später ausgefüllt und verändert wird. Diese Partie ist im Stadium der Fig. 4 noch
breiter, trichterförmig, und der Kopf selbst hat seine definitive Form noch nicht erreicht, ist nicht sphärisch und auch
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