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nicht vorne zugespitzt. Dagegen ist in beiden Stadien schon das Verbindungsstück mit seinem Spiralfaden schon
der Form nach angelegt und wenigstens scheinbar fertig. Auch der hintere Zentralkörper hat seine Gestalt und
Lage erhalten (Fig. 3). Ebenso hat das Hauptstück schon hier seine endgültige Zusammenzetzung (Fig. 3).
Solche noch nicht reife Spermien geben aber hierüber nicht selten weiteren Aufschluss. In früheren Stadien
(Fig. 7) erkennt man, dass dieses Stück aus einem von einer Hülle begrenzten blassen Schlauch besteht,
welcher in einer körnig-protoplasmatischen Substanz einen Achsenstrang enthält, der sich vom hinteren Ende des
Schlauches zurück- und in Spiralwindungen zusammenziehen kann. In weiter entwickelten Spermien (Fig. 5)
findet man, dass die blasse äussere Hülle noch streckenweise deutlich ausgeprägt, an anderen Stellen aber nicht
mehr sichtbar ist, wogegen um den nunmehr stärker ausgebildeten Achsenstrang, welcher in der hinteren Partie
vor seinem zugespitzten und heller gewordenen Ende eine merkbare Erweiterung zeigt, ein dunklerer, mehr
ausgesprochen körniger Mantel entwickelt hat, aber, besonders nach hinten, noch nicht den reifen Zustand
erlangt hat. In der vorderen Partie hat sich in dem abgebildeten Falle der Achsenstrang spiralig zusammengezogen
, da hier zugleich innerhalb des Mantels ein heller Kaum entstanden ist. Aus dem Achsenstrang steigt
der in ihm verborgene Achsenfaden empor, der aus dem abgerissenen Verbindungsstück herausgezogen ist.
Es wäre von besonderem Interesse, diesen auffälligen Spermientypus in seinen Variationen bei anderen
Süsswasserbryozoen studieren zu können. Sobald mir das nötige Material zur Verfügung steht, hoffe ich es auch
tun zu können. Möglicherweise lassen sich durch den Vergleich differierender Formen, sowie durch die Spermiogenese
, weitere Aufschlüsse gewinnen.
Im Anschluss an diese Spermien eines Süsswasserbryozoons will ich nun auch diejenigen von Triticella
besprechen.
Triticella Korenii G. 0. Sars.
(Taf. XV, Fig. 8—16.)
Durch die Güte des Herrn Professor Theel erhielt ich im letzten August in der Zoologischen Station zu
Kristineberg einige Exemplare des kleinen Krebses Callocaris Macandreae Bell, an dem die Triticella zu leben pflegt.
Es fanden sich auch hier zahlreiche Gruppen von diesen eigentümlichen Bryozoen. Bei manchen derselben sah ich
unter dem Mikroskope in der Körperhöhle schon im lebenden Zustande fadenförmige Spermien in lebhafter Bewegung
. Nach vorsichtigem Zerdrücken der kleinen Tiere gelang es mir dann auch, nicht nur diese Spermien
in dem äusseren Meereswasser in Bewegung zu finden, sondern sie auch mit Osmium zu fixieren und mit Eos-
anilin zu färben. An den in dieser Weise präparierten Spermien trat eine Organisation hervor, welche mich sofort
in Erstaunen setzte, weil ihr Typus demjenigen gewisser Gastropoden so tänschend ähnlich war. Bei fortgesetzter
Untersuchung sah ich die ersten Befunde bestätigt, und ich gebe hier deshalb eine Darstellung dieser
Spermienform.
Die Spermien von Triticella zeigen drei Abschnitte, Kopf, Verbindungsstück und Hauptstück des Schwanzes.
Der Kopf stellt beinahe den dritten Teil der ganzen Länge des Spermiums dar. Er besteht aus einem
langen, lanzettförmig-zylindrischen blassen Schlauch oder Strang, welcher am vorderen Ende nach einer kleinen
hakenförmigen Einbiegung zugespitzt endigt, ohne jedoch ein wirklich abgesetztes Spitzenstück zu zeigen; das
vorderste, mehr oder weniger schmale und zugespitzte oder fingerhutförmige Stück ist im Gegenteil noch blasser
als der übrige Kopf, und seine Seitenränder sind im optischen Durchschnitt noch dünner als bei diesem, da
eben an der hakenförmigen Einbiegung der Seitenrand plötzlich noch mehr verdünnt erscheint (Fig. 8—12). Im
Inneren des Kopfes findet man einen schmalen, färbbaren Faden, der entweder gerade oder wenig gebogen
oder auch in spiraligen Windungen vom hinteren Ende weit nach dem vorderen Ende hin verläuft, um hier eine
kleine Strecke hinter der hakenförmigen Einbiegung der Hülle plötzlich, sogar ohne eigentliche Zuspitzung, zu
endigen. Dieser Faden scheint bei seinen Lageveränderungen durch die übrige innere Kopfsubstanz nicht gehindert
zu werden, da er sich oft der äusseren Hülle in verschiedener Weise (Fig. 8 —12) angelegt hat und sich bei der
Spiraldrehung zuweilen vom vorderen Ende noch mehr als gewöhnlich zurückziehen kann. In der Eegel endigt
doch der Faden, wie die Fig. 8—11 angeben, in der Mitte des Kopflumens, ungefähr so weit von der Kopfspitze
wie dreimal die Länge des vorderen schmalen Endes des Kopfes. Man könnte zuweilen glauben, dass grade
hier ein wahres Spitzenstück beginne; eine deutliche Grenze Hess sich aber nicht nachweisen, höchstens zuweilen
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