Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1906_13/0064
50

A. Die Spermien der Urodelen.

Bekanntlich sind die Spermien der Urodelen von einer ganzen Eeihe von Forschern untersucht worden, von
Spallanzani (1777), Pkevost und Dumas (1821), Mayek (1836), R. Wagner (1837), Dujardin (1838), Pouchet (1847),
Duveenot (1848), Czeemak (1849) an. Gerade dieser letztgenannte Forscher hat eine besonders genaue Beschreibung
der Spermien einer Urodele, Salamandra atra, gegeben, welche als grundlegend bezeichnet werden kann.
Nachdem Amici und Pouchet, von einander unabhängig, den undulierenden Saum an dem Schwänze des Urodelen-
spermiums erkannt hatten, stellte Czeemak fest, dass die Spermien von Salamandra aus Kopf, Mittelstück und Schwanz
bestehen; der lange, schmale Kopf, sagt er, verjüngt sich gegen sein freies Ende und läuft ziemlich plötzlich in
ein ungemein feines Stielchen aus, welches fast immer ein kleines Knöpfchen trägt oder mit kaum sichtbarer
Spitze endigt; der Schwanz ist länger als der Kopf und besteht aus einem Hauptfaden und einem accessorischen
Gebilde; am Hauptfaden sind drei Abschnitte zu unterscheiden: das Kopfende, welches ebenso dick ist wie die Basis
des Kopfes und von ihm durch einen Querstrich nur undeutlich abgegrenzt ist; es geht durch einen plötzlichen
Absatz in das viel dünnere, aber mehr als zwei Drittel der ganzen Schwanzlänge betragende Mittelstück über, und
dieses hängt nach einer Verjüngung mit dem letzten dünnsten Teil, dem Endstück, zusammen, das stumpf
endigt; das accessorische Gebilde ist eine überaus dünne Membran, die sich von dem Verbindungspunkt zwischen
Kopfstück und Mittelstück des Schwanzes erhebt und an der Kückenseite des Hauptfadens festsitzt, während der
zweite, etwas verdickte Eand in einer Wellenlinie hin und her gebogen frei absteht und, am hinteren Schwanzende
verjüngt, als zarter Ausläufer dasselbe überragt.

Schweigger-Seidel (1865) rechnete dann den von Czeemak als Kopfstück des Schwanzes beschriebenen Teil
zum Kopfe und bezeichnete ihn als Mittelstück des Samenfadens.

Um die hierdurch entstandene Konfusion zu vermeiden, schlug ich bei meiner Beschreibung (1881) dieser
Spermien folgende Einteilung vor: das eigentliche Kopfstück mit dem Spiess, sowie am Schwänze das Verbindungsstück
(das Kopfstück des Schwanzes von Czeemak, das Mittelstück des Kopfes von Schweiggee-Seidel), das Hauptstück
(das Mittelstück von Czeemak) und das Endstück; ferner die Flossenmembran und ihr Randfaden, deren Fasernatur
von Heneage Gibbes (1879) erkannt und von Flemming (1880) bestätigt war. Von diesen Teilen gab ich
dann eine eingehendere Beschreibung; v.- a. zeigte ich, dass der Spiess bei Salamandra maculata ein besonderes
Element bildete, welches sich als ein starrer Faden im Inneren der Kopfsubstanz eine Strecke nach hinten
fortsetzte, und sich schliesslich der Wahrnehmung entzog; bei der Eintrocknung in Wärme schwoll die Kopfsubstanz
an, der Spiess aber nicht. Der Spiess ist übrigens mit einem Widerhaken versehen. Auch zeigte ich
u. a., dass das Verbindungsstück mit einer vorderen gewölbten Endfläche in das Hinterende des Kopfes hineintritt.

Letdig gab dann (1883) eine im ganzen hiermit übereinstimmende Darstellung der Spermien von Triton;
doch ist in seinen Abbildungen der Eandfaclen zu weit nach vorn, auf das Verbindungsstück hinaufragend,
gezeichnet.

Gregen diese letztere Tatsache bei Tnftwz-Spermien äusserte sich Jensen (1886) und ich finde bei genauerem
Studium seiner Mitteilung die Angabe, dass der Eandfaden vorn in einen stark lichtbrechenden Knopf endet; ja
das Vorderende stösst nicht einmal direkt an das Verbindungsstück, sondern ist davon durch einen sehr kleinen,
klaren Zwischenraum getrennt. Weil Jensen keinen Spiralfaden um das Verbindungsstück bemerken konnte, schloss
er, »dass das Verbindungsstück der Urodelen nicht homolog sei mit dem Verbindungsstück bei den Säugetieren
und Vögeln. Wären sie homolog, müsste sich auch ein durch das Verbindungsstück der Samenkörper vom Triton
gehender Axenfaden finden, aber ein solcher konnte ebensowenig beobachtet werden.»

In seinen »Untersuchungen über die Struktur der Spermatozoen» vom J. 1890 widmete E. Ballowitz 2) den
urodelen Amphibien eine besondere Abteilung und gab über die Spermien der von ihm studierten Tiere (Salamandra
maculosa, Triton cristatus, Triton alpestris, Triton taeniatus, Triton helveticus, Triton marmoratus, Siredon pisciformis
) eine allen gemeinsame Beschreibung. Diese stimmt im ganzen mit der meinigen von Salamandra überein.
Er hatte aber den Spiess nicht wie ich im Inneren der Kopfsubstanz, sondern an der Oberfläche derselben verlaufend
gefunden; diesen Teil sah er ferner aus einem resistenten Innenkörper und einem Mantel bestehen, dem auch
der Widerhaken angehöre. Weil Ballowitz im Verbindungsstück eine Achsenfadenbildung bemerkte, konnte er

1) O. S. Jensen, Über die Struktur der Samenkörper bei Säugetieren, Vögeln und Amphibien. Anatomischer Anzeiger, I. Jahrg. (1886) Nr 10.

2) E. Ballowitz, Untersuchungen über die Struktur der Spermatozoen. Archiv £. mikroskop. Anatomie, Bd, XXXVI, 1890.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1906_13/0064