http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1906_13/0089
7.
Die Spermien der Monotremen.
Taf. XXIX, Fig. 1 und 2.
.Die Gestalt der reifen Spermien der Monotremen ist bisher nicht bekannt oder beschrieben worden. Über die
früheren Stadien der Spermiogenese von Ornitliorhynclius hat Kakl von Bardeleben :) einige Befunde geschildert;
die reifen Spermien des Tieres sind aber noch nicht bekannt. Über die Spermien von Echidna habe ich in der
Literatur keine Angaben und Abbildungen finden können. Waldeyeb 2) betont auch das Fehlen von Kenntnissen
hierüber.
Da es mir wertvoll erschien, diese Lücke in der Spermienkunde zu erfüllen, bemühte ich mich, dies zu
tun. Von Herrn Reiche in Alsfeld gelang es mir zuletzt ein lebendes ifcÄicZwarnännchen zu bekommen. Zu meiner
grossen Freude enthielten die Hoden und seine Ausführgänge reife Spermien, die ich hier unter beschreiben werde.
Schwieriger erwies es sich, die Spermien von Orniihorrhynclms zu erhalten. Lebende Tiere sind bekanntlich
in Europa nicht aufzutreiben. Ich kaufte deshalb von den Tierhändlern mehrere in Spiritus aufbewahrte erwachsene
Männchen. Bei keinem derselben gelang es mir Spermien zu finden. Die Erforschung ihrer Form und Zusammensetzung
muss also bis auf weiteres umbekannt bleiben.
Eehidna hystrix.
(Taf. XXIX, Fig. 1—2.)
Als ich das mir in die Hände gelangte Tier im Juni 1905 tödtete, fand ich die Spermiogenese in vollem
Gang und im Nebenhoden und Ausführungsgang reife, bewegliche Spermien in grosser Menge.
Die reifen Spermien sind lang und schmal, fadenförmig, an beiden Enden zugespitzt. Nach der Behandlung
mit Überosmiumsäure, Kosanilin oder Gentianaviolett und Acetas kalicus erkennt man deutlich ihre Organisation.
Kopf und Schwanz sind beide sehr lang, dieser doch etwas länger als jener. Der Kopf ist zylindrisch, sich von
hinten nach vorn allmählich verschmälernd; am vorderen Ende trägt er ein ziemlich langes, schmales, fein zuge-
spitzes Spitzenstück, welches sich dunkel färbt und gegen den eigentlichen Kopf scharf abgesetzt ist. Sowohl
dieser letztere als sein Spitzenstück sind in der Kegel mehr oder weniger spiralförmig gewunden (Fig. 1, 2).
Hinter dem Kopfe liegt, eng daran befestigt, ein kurzes, zylindrisches Verbindungsstück, welches sich dunkel
färbt und nur wenig dicker als das Hinterende des Kopfes ist. An dem scharf abgesetzten Vorderrande des
Verbindungsstückes erkennt man jederseits zwei dunkle Körnchen, welche wohl als die optischen Durchschnitte
eines hier der Quere nach gelegenen, ringförmigen, proximalen Zentralkörpers zu betrachten sind. Am hinteren Ende
des gegen den Schwanz ebenfalls scharf abgesetzten Verbindungsstückes schimmern auch zwei derartige dunklere
Körnchen hervor,, welche auf die Anwesenheit eines hier befindlichen ringförmigen, distalen Zentralkörpers hindeuten.
x) Karl von Bardeleben, lieber Spermatogenese bei Monotremen und Betiteltieren. Verhandl. d. Anatom. Ge3ellsch., Berlin 1896, und Dimorphismus
der männlichen Geschlechtszellen bei Säugetieren. Anatom. Anzeiger, 13. Band, No 21, 1897.
2) W. Waldeyer, Die Geschlechtszellen. O. Hertwigs Handbuch d. vergl. und esper, Entwickl.-gesch. d. Wirbeltiere, Band. I, 1901 (die Spermien).
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