http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1906_13/0101
9.
Die Spermien der Edentaten.
Taf. XXXII.
Bei den zu dieser Ordnung geführten Tieren sind die Spermienformen meines "Wissens noch nicht beschrieben
worden. In der betreffenden mir zugänglichen Literatur habe ich keine hierauf bezüglichen Angaben gefunden.
In Waldeyer's grosser zusammenfassenden Übersicht vom J. 1901 (Oscar Hertwig's Handbuch, Bd I) findet sich
auch keine Notiz hierüber.
Ich habe nun vielfach versucht, passendes Material von verschiedenen Repräsentanten der zu dieser Ordnung
zusammengeführten, unter sich so differierenden Tiere zu erwerben. Von Orycteropus und Manis gelang mir dies
nicht, ebenso wenig wie von Myrmecophaga und Bradypus. Dagegen erhielt ich durch Herrn Hagenbeck in Hamburg
ein stattliches Männchen von JDasypus villosus, dessen Hoden in voller Wirksamkeit waren und Spermien in
allen Stadien, auch ganz reife in den Ausführgängen, hatten. Auf der Tafel sind diese Spermien wiedergegeben.
Dasypus villosus Desm.
Das erste, was bei dem Studium dieser Spermien (Fig. 1) auffällt, ist die Grösse des Kopfes. Auf der Tafel
sind sie in derselben Vergrösserung abgebildet, wie die der Marsupialier und Vespertilionen; ein Vergleich mit
diesen und anderen Spermien frappiert sogleich. Es gibt wohl kaum eine zweite Spermiumart, deren Köpfe einen
so bedeutenden Umfang haben; wenigstens ist bisjetzt keine bekannt. Zum Teil hängt nun diese Beschaffenheit
damit zusammen, dass die Köpfe dieser Spermien ausserordentlich abgeplattet sind. Die Fig. 4 und 5 geben
sie von der Seite wieder. Man sieht, wie dünn, sogar blätterartig sie in der Tat sind. Dessen ungeachtet kann
man sie doch im Vergleich zu den Köpfen anderer Spermien, die auch oft mehr oder weniger abgeplattet zu sein
pflegen, als »riesenhaft» bezeichnen. Die Köpfe der Spermien des Meerschweinchens, welche auch stark abgeplattet
sind, aber zugleich als gross angesehen werden, sind mit den Dasypus-Spermien verglichen auffallend viel kleiner.
Auf der Taf. XVII des X. Bandes meiner Biologischen Untersuchungen habe ich bei eben derselben Vergrösserung
einige Oavia-Spermien abgebildet; ebenso eine Reihe von Stierspermien, welche auch als grossköpfig zu bezeichnen
sind. Der Unterschied ist ja sehr bedeutend.
Von der Fläche gesehen ist der Kopf breit spateiförmig (Fig. 1) mit regelmässig abgerundetem Vorderende
und mit der grössten Breite etwas vor der Mitte der Längsachse. Nach hinten verschmälert er sich, und die
Seitenränder verlaufen etwas steiler nach hinten, um sich dann gleichzeitig in. einem stumpfen, abgerundeten Winkel
medialwärts umzubiegen. Der hintere Rand des Kopfes ist bald ziemlich gerade (Fig. 2, 7), bald etwas konkav
(Fig. 1, 11, 17)) bald ein wenig konvex (Fig. 6). Die Längsachse des Kopfes ist um etwas (etwa um ein Fünftel)
länger als die Breitenachse desselben.
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