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Schicht desselben, welche eine verhältnismässig dicke Hülle bildet, fand ich im Inneren einen zentralen Achsenfaden
(Fig. 11, 12, 13), welcher in etwas älteren Stadien dicker war. Hier und da fand ich aber auch Spermien,
an denen dieser Achsenfaden sich in zwei Fäden geteilt hatte (Fig. 15 und 16), woraus zu schliessen ist, dass er
aus zwei Fäden besteht, die sich aber eng zusammenschliessen, so dass man in den meisten Fällen nur einen einzigen
Achsenfaden sieht. Was die Hülle betrifft, bekommt man manche junge Spermien, deren Verbindungsstück
sich wie in Fig. 10 zeigt; man sieht helle Querbänder, welche durch undeutliche seitliche, dunklere Einschnitte
angegeben sind. Dann trifft man aber auch zuweilen solche Spermien, bei denen, wie die Fig. 9 sie
wiedergibt, ein schön ausgeprägter, feiner, dunkler Spiralfaden mit etwa 18 — 20 Windungen von vorn-rechts nach
hinten-links durch das ganze Verbindungsstück zieht und zwischen denselben sich eine blassere, homogene Substanz
birgt. In mehreren Fällen konnte ich diesen Spiralfaden sicher wahrnehmen.
Ferner gelang es mir auch, an solchen noch nicht reifen Spermien das Verhalten der Zentralkörper in
diesen Stadien zu ermitteln. In den etwas früheren Stadien (Fig. 11) fand ich am vorderen Ende des Verbindungsstückes
schon 4 ganz scharf ausgeprägte kugelige Körner, welche in einer Eosette schief gegen den Achsenfaden
lagen, und gleich hinter derselben einen querliegenden, ziemlich dicken Eing, durch den der Achsenfaden
hindurchlief. Dann kamen weiter Spermien vor, bei denen dieser Eing weiter nach hinten verschoben war,
und zwar bald mehr, bald weniger. In Fig. 13 findet man also ein Spermium, dessen Zentralkörperring ungefähr
das erste Drittel seines Weges nach hinten hin zurückgelegt hat; in Fig. 14 eines, wo er das Ende seines
Laufes erreicht hat; hierbei wird er allmählich schmäler und dünner, so dass er zuletzt nur als schmaler, feiner
Querstreifen erscheint und sich am meisten durch seine beiden kornförmigen optischen Durchschnitte kundgibt
(Fig. 10, 6), wie er auch im Vollreifen Stadium erscheint (Fig. 1). Einmal sah ich einen solchen Eing, und zwar
im Anfang seines Laufes nach hinten hin, welcher jederseits zwei Körnchen hatte (Fig. 12), was auf eine Querteilung
oder eine Zusammensetzung aus zwei ringförmigen Schichten hindeutet; aus diesem einzigen Befunde
lässt sich aber nichts sicheres schliessen. Dass nun dieser Eing, welcher sich in solcher Weise bis an das hintere Ende
des Verbindungsstückes begibt, um im reifen Stadium diesen Platz zu behalten, dem distalen Zentralkörper angehört,
ist offenbar. Schwieriger ist es aber zu entscheiden, ob nicht von den vier Körnern der beschriebenen Eosette
noch dazu das eine, hintere Paar auch zu dem distalen Zentralkörper gehört, was aus den bei anderen Vertebraten
gemachten Befunden recht wahrscheinlich sein dürfte, während dann nur das erste Paar der Vierkörnerrosette zum
proximalen Zentralkörper hinzuführen wäre. Nur ein genaues Verfolgen der Spermiogenese kann diese Frage sicher
entscheiden. Ich besitze dazu zwar gutes Material, habe aber leider noch nicht Zeit zu dieser Untersuchung
finden können.
Es kommt nicht selten vor, dass man an reifen Spermien am hinteren Ende des Halsstückes ein lateral
anhängendes Korn findet, wie die Fig. 6 zeigt; offenbar ist es in solchen Fällen ein hinteres Korn der Eosette,
das hier Platz genommen hat, während die anderen am hinteren Eande des Kopfes geblieben sind. Dass sie hier
im Vollreifen Stadium meistens nicht mehr sicher zu distinguieren (v. a. nicht zu färben) sind, ist schon oben angedeutet
; nur der zugespitzte Auswuchs am hinteren Kopfrande birgt offenbar ein solches Korn in sich.
Unter den reifen Spermien traf ich hin und wieder einzelne an, deren Kopf noch grösser, v. a. breiter als
die übrigen war und an denen zwei Schwänze hingen. Ich überzeugte mich sicher, dass es nicht zwei dicht zusammengefügte
, resp. etwas schief aneinander gelagerte gewöhnliche Spermien waren, sondern dass hier wirkliche
Doppe/schwänze vorlagen. Die Fig. 17 gibt ein solches Spermium wieder; es besteht demnach aus einem grossen
Kopf und zwei Schwänzen, deren Verbindungsstücke (und Halsstücke) dicht beisammen liegen und in der Mitte
des Hinterrandes des Kopfes befestigt sind, während die Hauptstücke auseinander gehen.
Schliesslich mag noch erwähnt werden, dass ich auch eine Eeihe Präparate untersucht habe, die mit Zenker'scher
Mischung- gehärtet und nach Heidenhain gefärbt worden waren; ich konnte aber durch das Studium derselben
nicht weiter gelangen, als durch die Osmium-Eosanilin-Kaliacetat-Methode. Der ganze Kopf färbte sich schwärzlich
; die Fig. 4 gibt einen solchen Kopf von der Seite, im optischen Durchschnitt, wieder.
Aus dieser Darstellung der Spermien eines echten Edentaten geht also hervor, dass hier im ganzen ein den
meisten, v. a. höheren Säugetieren charakteristischer Spermientypus vorliegt, obwohl die bedeutende Grrösse und
die starke Abplattung des Kopfes noch als einzig dastehen.
Ein eigentliches, besonderes Perforatorium findet sich nicht, wohl aber eine dünne, umfangreiche Kopfkappe.
Ein gut ausgeprägtes Halsstück und ein echtes Verbindungsstück, mit am reifen Spermium nur undeutlich wahrnehmbarer
, beim unreifen scharf markierter Spiralfaserbildung sind vorhanden. Der Zentralkörper&^&v&t zeigt an unreifen
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