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sah er schliesslich auch zuweilen in der Flächenansicht eine Einteilung in übereinandergelegene hellere und dunklere
Bänder, nnd zwar an den hinteren zwei Dritteln desselben.
Erst durch die umfassenden und ausgezeichneten Untersuchungen von E. Ballowitz :) vom J. 1891 wurden
die Ergebnisse Eimer's bestätigt und weitergeführt. Ballowitz studierte die Spermien von fünf verschiedenen
Chiropteren (Rhinolophus Ferrum equinum K. et Blas., Plecotus auritus K. et Blas., Vesperugo noctula K. et Blas.,
Vesperugo pipistreUus K. et Blas., Vespertilio murinus Scheeb.). Besonders legte er die Verhältnisse bei Vesp.
noctula und Vesp. pipistrellus seiner betreffenden Schilderung zu Grunde. Er unterschied zwei Teile: Kopf und
G-eissel, und an der letzteren das scharf abgesetzte Verbindungsstück und das Hauptstück.
Der Kopf ist nach Ballowitz länglich viereckig und abgeplattet; von der Mitte ab wird die Abplattung
nach vorn hin stärker, so dass der vordere Band sich allmählich zuschärft; auch nach den beiden Seitenrändern
hin findet eine geringe Zuschärfung statt, so dass die beiden Oberflächen des Kopfes von der einen zur anderen
Seite konvex sind. Der etwas verdickte hintere Band zeigt eine kleine grübchenartige Aushöhlung, in welcher
das Endknöpfchen des Achsenfadens durch geringe Kittsubstanz befestigt ist. Dieser hintere Band ist stärker
lichtbrechend; auch sah Ballowitz am hinteren Kopfteile bisweilen dunklere breite Querschatten, die Querbänder
Eimee's, aber zu undeutlich, um sich bestimmter darüber aussprechen zu können. Er erhielt ferner den Eindruck,
als ob in der Peripherie des Kopfes eine Bindensubstanz vorkäme und nach innen von ihr eine Bindenmasse.
Hinter dem Kopf fand er; wie Eimee, eine quere Lücke, durch welche der Achsenfaden vom Verbindungsstück
herantritt, und er nannte dieses Stück des Badens das Hälsstück (den Hals Eimee's). Am vorderen Ende
desselben, der nicht, wie Eimee meinte, weiter in den Kopf hineintritt, findet sich der schon erwähnte dunkle,
stark lichtbrechende, intensiv färbbare Endknopf, welcher besonders an Spermien, deren Kopf abgelöst Avorden ist,
sehr deutlich hervortritt und nach längerer Mazeration wie aus zwei Seitenteilen zusammengesetzt erscheint, »so
dass man den Eindruck gewinnt, dass zwei Endknöpfchen vorhanden sind». An unversehrten Spermien sieht man
dies gewöhnlich nicht, durch Osmiumbehandlung gelingt es aber in deutlicher Weise.
Das Verbindungsstück bietet nach Ballowitz ein wechselndes Aussehen; bald ist es homogen mit einer
Andeutung des Achsenfadens in der Mittellinie, bald, wie Eimee zeigte, der Quere nach gestreift oder sogar in
Stücke zerbröckelt, wobei der zentrale Achsenfaden deutlich hervortritt. Ballowitz fand aber, dass diese Querstreifen
in der Hülle des Verbindungsstückes auf eine Zusammensetzung der Hülle aus einer, wie dieses Stück selbst,
abgeplatteten, den Achsenfaden in engen, regelmässigen Windungen umgebenden Spiralbildung bestehen, deren
Lücken von einer Zwischensubstanz ausgefüllt sind. An den Bändern tritt diese Spiralbildung als je eine Beihe
von alternierenden Punkten hervor, die optischen Durchschnitte der Spirale, deren Windungen 20—24 an der Zahl
zu sein scheinen. Durch Mazeration kann aber diese Hülle in die von Eimee beschriebenen Querstücke zerfallen und
als von einer Segmentierung herrührend aufgefasst werden. Der Achsenfaden tritt, wie derselbe Forscher fand, hinten
in das Hauptstück hinein. Dieses Stück, welches vorn breit, sogar beinahe so breit wie der hintere Teil des Verbindungsstückes
ist, besteht aus dem zentral liegenden Achsenfaden und einer Hülle, die nicht homogen ist, sondern
zuweilen weit nach hinten hin der Quere nach zerbröckelt sein kann, und im allgemeinen eine Querstreifung zeigt.
»Diese Zeichnung ist nur an dem vorderen dicken Theile erkennbar, nach hinten hin verschwindet sie bald.»
»Bisweilen liess sich, wenn auch nur im vordersten Theile, eine ziemlich deutliche Spiralbildung erkennen, deren
alternirende Kanten am Bande vorsprangen. Mehrmals erschien sogar das ganze Hauptstück bis in die Nähe des
hinteren Endes wie in kleine Abschnitte zerfallen. Ich halte es daher», fügte er hinzu, »für durchaus wahrscheinlich
, dass die Hülle des Hauptstückes eine ähnliche Struktur besitzt, wie die des Verbindungsstückes. Jedenfalls
ist auch im Hauptstücke die Hülle in ganzer Ausdehnung nicht homogen.» Ein Endstück hebt sich nur wenig
vom Hauptstück ab. Ballowitz teilte auch eine ganze Beihe von Abbildungen mit, welche die von ihm geschilderten
Verhältnisse wiedergeben; leider sind sie aber in einem sehr kleinen Massstabe dargestellt.
Ich habe diese beiden Beschreibungen von Eimee und Ballowitz so ausführlich referiert, weil sie, und
ganz besonders die des letzteren Forschers., so auffallend tief in die Struktur dieser interessanten Spermien eingedrungen
sind, dass mir im ganzen nur ziemlich wenig hinzuzufügen geblieben ist. In einigen wichtigeren Punkten
bin ich indessen zu grösserer Grewissheit gekommen, und einige wichtige Tatsachen kann ich auch hinzufügen.
Ausserdem dürften meine in grossem Massstabe ausgeführten Abbildungen für die Erkenntnis des Baues dieser
Spermien von Interesse sein. Die Beschreibung kann ich aber ziemlich kurz fassen und im übrigen in mehreren
Beziehungen auf diejenige von Ballowitz verweisen.
*) E. Ballowitz, Weitere Beobachtungen über den feineren Bau der Säugethierspermatosoen. Zeitschr. f. wissensch. Zoologie, Band 52, 1891.
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