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11.
DIE SPERMIEN DER FUCACEEN.
Taf. XXXIII.
In einer vorläufigen Mitteilung1), welche den hauptsächlichen Inhalt eines in der Sitzung der K. schwed.
Akademie der Wissenschaften am 6. Dez. 1905 gehaltenen Vortrages wiedergab, habe ich mich schon über diesen
Gregenstand geäussert. Später, im Anfang dieses Jahres, hatte ich Gelegenheit, die betreffenden Untersuchungen
und Befunde ein wenig zu erweitern.
Ich will nun hier eine etwas ausführlichere und mit einer Eeihe von Abbildungen versehene Darstellung
geben.
Während meiner in den letzten Jahren ausgeführten Studien über die Spermien der niederen Tiere erweckten
die Ergebnisse bei mir immer mehr den Wunsch, auch die bei manchen Pflanzen vorkommenden Spermien zu
untersuchen, um einen Vergleich mit den bei den Tieren gewonnenen Eesultaten machen zu können. Die Spermien
der Pflanzen schienen mir nämlich, den Beschreibungen der botanischen Autoren nach, zu wenig Anknüpfungspunkte
an die Verhältnisse bei den niederen Tieren zu bieten, um demselben Zweck zu dienen und nach dem
nämlichen Plan angeordnet zu sein. V. a. schien mir ein besonderes Organ, das ich bei den niederen Tieren in
reicher Fülle verfolgen konnte, bei den Pflanzenspermien nicht gefunden zu sein. Ein vollständiges Pehlen desselben
wies aber auf eine solche Grundverschiedenheit der Organisation hin, dass sie mir kaum glaubwürdig erschien.
Bei vielen Würmern, v. a. den Polychäten und Nemertinen, sowie bei vielen Mollusken, besonders den
Amphineuren, den Lamellibranchien und den niederen Gastropoden, hatte ich am hinteren Ende des Kopfes der
Spermien statt des früher bei einigen Repräsentanten derselben gesehenen Knöpfchens oder Scheibchens ein aus
4 oder 5 — selten mehr — Kugeln bestehendes Organ gefunden, dessen Kugeln die Ansatzstelle des Schwanzes,
resp. den vorderen Zentralkörper in einem Ringe umgeben. Weil diese Bildung aus dem früheren Nebenkern herzustammen
scheint, bezeichnete ich es bis auf weiteres als das Nebenkernorgan.
Während meines Aufenthalts in der Zoolog. Station auf der Westküste Schwedens im Sommer 1905 suchte
ich nun die Organisation der Spermien der Fucaceen zu studieren, und mit der gütigen Beihülfe des Algologen
Herrn Licentiat H. J. Ktlin gelang es mir bald, von Fucus Areschougii Kjellm. das nötige Material zu bekommen.
Die im August erhaltenen reifen Spermien zeigten im Meerwasser unter dem Mikroskope die bekannte lebhafte
Bewegung und wurden von den Eiern deutlich angezogen. Man erkannte, sobald die Bewegung aufhörte,
den an ihnen von verschiedenen Autoren beschriebenen feinen, nach zwei Richtungen abgehenden Faden und den
ovalen oder an einem Ende etwas zugespitzten Zellenkörper, welcher dem Faden dicht anliegt; dicht in der Nähe
der Ansatzstelle des Fadens sah man das rotgelbe kleine Körperchen, das als Augenfleck bezeichnet worden ist.
An den frischen Spermien liess sich kaum etwas mehr sicher feststellen. Es war deshalb nötig, Fixierungs- und
Färbemittel anzuwenden.
*) Gustaf Retzius, Über die Spermien der Fucaeeen. Arkiv för botanik, utgifven af Svenska Vetenskapsakademien. Band 5, No 10, 1906.
(Mitgeteilt am 6. Dez. 1905.)
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