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Fig. b. Spermien von Fucaceen, teils schon reif (die obere Eeihe)
mit ausgerollten Fäden, teils unreif mit noch gerollten Fäden.
Unten rechts sieht man die Spitze eines Antheridiums mit noch
unreifen Spermien. In allen erkennt man den grossen Zellkörper
mit dem kleinen runden, dunklen Kern (und Kernkörperchen) in
demselben; neben dem Kern sieht man den kleineren, hellen
Augenfleck. Nach Guignard, 1889.
es offenbar wird, wie unrichtig eine solche Auffassung ist. In der Tat ist es vor der Beife der Antherozoiden
der Fall, dass der Kern verhältnismässig grösser erscheint, weil der Körper noch nicht die Gestalt erhalten hat,
wie später im freien Zustande, aber schon vorher lässt sich durch eine Farbenmischung von Fuchsin und Methylgrün
feststellen, dass das Volumen des Protoplasmas demjenigen des Kerns beinahe gleich ist.
Guignard lieferte auch Abbildungen von reifen Spermien
, an denen man einen relativ sehr grossen birnförmigen
Zellkörper sieht, an dessen dickerem Ende ein kleiner runder
Kern — von etwa lß der Grösse des Zellprotoplasmas —
liegt, und davor sieht man den kleinen ovalen Augenneck;
dort, wo er sich befindet, sind die zwei Zilienfäden befestigt,
und zwar so, dass der vordere kürzer, der hintere länger ist.
Weil diese Abbildungen Guignard's in der späteren Litteratur
als die typischen, normgebenden angesehen und benutzt worden
sind, teile ich hier die Wiedergabe einer derselben mit
(Fig. b).
Strasburger bespricht, wie oben erwähnt, bei verschiedenen
Gelegenheitenl) die Frage von der Morphologie der
Spermien (Spermatozoiden). In einer seiner hierauf bezüglichen
späteren Schriften sagt er über ihre Ausbildung in den
Antheridien, dass durch die Zellteilungen der Kerne 64
Spermakerne und aus diesen 64 Spermatozoiden entstehen;
hierbei teilen sich auch gleichzeitig die Chromatophoren.
Endlich gruppieren sich Zellkerne und Chromatophoren paarweise
im Antheridium mit je einem oder selten zwei Chromatophoren bei jedem Spermatozoid. Der Kern bildet
die Hauptmasse des letzteren; dieser Kern wird von einem Plasmamantel umhüllt, in welchem der Chromatophor
liegt. »Ausserdem ist das Spermatozoid an seiner Peripherie mit dem bekannten gelben Fleck und den beiden
seitlich inserirten Cilien versehen, von denen die eine nach vorn, die andere nach hinten gerichtet erscheint».
Ferner schildert er auch das Verhalten der Spermatozoiden nach ihrem Eindringen in die Eier. Sie erscheinen im
Innern derselben als abgerundete, sich intensiv färbende Körper. Sie bestehen dann aus dem Spermakern und der
denselben umhüllenden Protoplasmamasse, die sich jedoch ihrer Hauptmasse nach gleich bei seinem Eintritt in das
Ei sich mit dem Zytoplasma desselben vereinigt, so dass nur der Spermakern seine Wanderung weiter fortsetzt;
auf dieser Wanderung angetroffen zeigt der Spermakern eine stumpf kegelförmige Gestalt, wobei der Scheitel des
Kegels gegen den Eikern gerichtet ist, and eine fast homogene Beschaffenheit; keine Strahlung war um ihn zu
erkennen, und Strasburger suchte vergebens nach dem Zentrosom; im
Spermakern differenziert sich ein fadenförmiges Gerüst aus und er schmilzt
mit dem Eikern zusammen.
Oltmakns 2) hat in seinem neuen grossen Lehrbuch »Morphologie
und Biologie der Algen» auch die Frage von den Spermien der Fucaceen
und deren Entwicklung behandelt, und zwar sowohl in dem im J. 1904
erschienenen I. Bande (Speciell. Teil), als in dem noch im letzten
Herbste 1905, veröffentlichten II. Bande (Allgem. Teil). Seine Darstellung
des Gegenstandes ist bei diesen beiden Gelegenheiten prinzipiell dieselbe.
Er folgt dabei der Darstellung Guignard's und gibt auch die betreffenden
Figuren dieses Forschers wieder. In dem I. Bande teilt er also nebenstehende
Fig. der reifen Spermatozoiden mit (Fig. c; man sieht hier den verhältnismässig
grossen birnförmigen Zellkörper mit dem in ihm liegenden relativ kleinen Kern (k) und einem ovalen sog.
Augenfleck (a), dem die linienförmig schmalen, nach entgegengesetzten Eichtungen auslaufenden, verschieden
langen Geissein entspringen. In dem II. Bande (1905) teilt Oltmanns' die Abbildung eines Spermatozoids mit
gerollten und eine mit freien Geissein mit. Ich gebe hier diese Fisruren wieder, weil sie besser als eine
-OL
Fig. c. Entwicklung der Fucus-Antheridien. In
der Mitte der Fig. sieht man die Spitze eines
Antheridiums mit den sich darin entwickelnden
Spermien; links eine Spermie mit gerollten,rechts
eine Spermie mit ausgerollten Fäden, a Augenflecke
, k Kerne. Aus Oltmanns' Morphologie
und Biologie der Algen, 1905 (nach Guignard).
1) E. Strasburger, Das Botanische Practicum, 1884, und in Kernfheüung und Befruchtung bei Fucus. Jahrbücher f. wissensch. Botanik. 30. Band, 1897.
2) Friedrich Oltmanns, Morphologie und Biologie der Algen. I. Band, 1904, II. Band 1905.
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