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Zur Kenntnis des Nervensystems der Daphniden.
Taf. XXXIV.
Die Golgi'sche Chromsilbermethode, welche wenigstens bei einigen Evertebraten, v. a. den Oligochäten,
über den Bau Hes Nervensystems schöne Ergebnisse geliefert hat, ist bei den Krebstieren mehrmals geprüft worden,
ohne sich jedoch auf diesem Gebiete gut zu bewähren. Ich selbst habe sie hier mehrmals, sowohl bei grösseren
als kleineren Vertretern der Klasse der Crustaceen, ohne entsprechenden Erfolg intensiv geprüft; das einzige, was
mir, wie kurz vorher vom Rath, in dieser Hinsicht gelang, war eine gute Eärbung der peripherischen Sinnesnervenzellen
, v. a. bei Astacus und Niphargus (vom Rath, 1894) sowie bei Palaemon, Biaptomus und Cyclops (ich, 1895)
zu erlangen. Es gelang uns, diese Eärbung in den Abdominalbeinen, den Telsonplatten, den Palpen und Tastern
der »Mandibeln, sowie, ganz besonders in den Antennen der Copepoden zu bekommen. Mittelst dieser sowohl als
mit der Meth}denblaumethode wurde dargetan (vom Rath, Allen, Bethe, ich), dass der unverzweigte distale Fortsatz
dieser bipolaren Sinnesnervenzellen in der Regel in die Tasthaare eintritt und eine Strecke weit in ihnen
verlauft, zuweilen aber im Abdominalanhang dies nicht tut, sondern an der Haarwurzel endigt; der proximale
Eortsatz der Zelle, ebenfalls unverästelt, liess sich bis in ein Ganglion der zentralen Ganglionkette verfolgen; wie
er sich aber weiter verhielt, blieb, trotz eifriger Versuche bei diesen Tieren, unermittelt. Alle meine Experimente
mit der Eärbung der Elemente der zentralen Granglien mittelst der Golgi'schen Methode scheiterten. Ich bemühte
mich besonders bei den Copepoden und Ostracoden, sowie bei den Cladoceren, eine solche Eärbung zu bekommen,
weil ich hoffte, gerade bei diesen kleinen Tieren in toto, ohne Schneiden, eine bessere Übersicht der Bauverhältnisse
zu gewinnen, aber vergebens.
Im letzten Sommer fand ich in der Nähe • der schwedischen zoologischen Station Kristineberg einen Brunnen
, in dem Daphniden zu Tausenden lebten. Ich konnte nun nicht umhin, die alten Versuche noch einmal
aufzunehmen. Diesmal gelang es mir, in dem so reichlichen Materiale hin und wieder eine Reihe schöner Färbungen
der Nervenelemente zu bekommen. Bevor ich die Untersuchung zum gewünschten Ziel führen konnte,
verschwanden jedoch nach einer durch einen heftigen Regenguss verursachte Überfüllung des Brunnens auf einmal
alle Daphniden und kamen nicht zurück. Infolgedessen wurde meine Untersuchung plötzlich unterbrochen.
Da ich jedoch einige interessante Befunde erhalten hatte, und ich nicht weiss, wann ich diese Studien
wieder aufnehmen kann, veröffentliche ich hier, was ich gefunden habe, obwohl es nur Bruchstücke sind.
Die Daphniden besitzen im ganzen nur wenige sicher als solche dargelegte Sinnesorgane. Abgesehen von
dem grossen, aus zwei Augen verschmolzenen Stirnauge und dem rudimentären und noch unerklärten Medianauge
sowie einem eigentümlichen, etwas dubiösen Nackenorgan kennt man nur die paarigen Tastantennenorgane und einige
im ganzen spärliche Sinneszellen in dem zweiten Antennenpaar sowie in den Tastborsten des Abdomens (Claus).
In erster Linie wünschte ich nun, die Nervenbahnen in den Tastantennen und ihr Verhalten zum Gehiruganglion
zu erledigen und dann noch, so Aveit möglich, die übrigen Sinnesorgane zu untersuchen.
Da es nicht meine Absicht ist, die Organisation des gesamten Nervensystems der Daphniden, sondern
nur einige Abschnitte, gewisse Punkte derselben, hier zu behandeln, so werde ich nicht die ganze einschlägige
Literatur referieren und besprechen, sondern nur das für meinen Gegenstand Nötige anführen.
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