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Nachdem Letdig1) in seiner grossen Monographie im J. 1860 auch die Organisation des Nervensystems
der Daphniden in eingehender Weise beschrieben und Weismann 2) in seiner Arbeit über den Bau der Leptodora
hyalina in Bezug auf den Bau der Cladoceren manches hinzugefügt und berichtigt hatte> unterwarf Claus 3) in einer
wichtigen Abhandlung über den Bau der Daphniden auch die Frage von der Organisation des Nervensystems einer
genauen Prüfung. Aus dieser seiner Arbeit mag hier folgendes angeführt werden. Das Gehirn besteht aus zwei
unter sich durch einen ansehnlichen, selbstständige Zentren enthaltenden Zwischenabschnitt verbundenen Ganglien;
von diesem unpaaren Abschnitt des Gehirns entspringen die beiden (paarigen) Nerven des unpaaren Auges (des
Nebenauges oder Augenfleckes) und des frontalen Sinnesorganes, sowie die starken Nervenpaare, welche nach der
Nackengegend ziehen und hier mit den grossen Ganglienzellen unter der Haut enden. Die Seitenlappen des
Gehirns gehen mit ihren beiden Schenkeln dorsalwärts in die kurzen breiten Stämme des Ganglion opticum über,
während der zarte Antennennerv weit abwärts auf einer kleinen ventralen Erhebung entspringt. Das Sehganglion
(der ganglionäre Teil) der Betina besteht aus einem den Hiruschenkeln entspringenden untern (bei Daphnia paarigen)
und aus einem obern (unpaaren) Abschnitt. Dieser, von peripherischen Ganglienzellen umlagert, enthält nicht in
seinem Kern ausschliesslich Punktmasse, sondern dicht gedrängte Ganglienzellen sowie durchstrahlende Paserzüge.
In Betreff der Struktur des Gehirns hatte Letdig hervorgehoben, dass die Mitte, der »Kern» desselben,
aus einer feinen Punktmasse bestehe, und erst um diese herum, einer Eindenschicht gleich, die verhältnismässig
kleinen Kerne lagern. Gegen diese Auffassung betont Claus, dass nicht Punktsubstanz, sondern ganz bestimmt
geformte paarige und unpaare Ganglienkerne, von der »Bindensubstanz umlagert, vornehmlich aus dicht zusammengedrängten
Ganglienzellen bestehend und durch Paserbrücken miteinander verbunden, Nervenfasern in die peripherische
Binde entsenden». Er zeichnet im Innern jedes Seitenlappens drei solcher Ganglienzellkerne, einen grossen
und zwei kleinere. Aber auch in dem medianen Abschnitt des Gehirns liegen Ganglienzellkerne. »Die zu den sog.
Tastantennen verlaufenden Nerven durchsetzen bekanntlich innerhalb der Antennen ein kleines Ganglion und treten
dann zu den blassen LETDiG'schen Cuticularfäden, deren jeder eine Paser empfängt». Die terminale Gruppe von
kleinen rundlichen Kernen aber, welche an der Antennenspitze unterhalb der Haut bemerkbar wird, dürfte nicht
auf ein zweites Ganglion zu beziehen sein, väe dies Weismann für Leptodora darstellt, sondern der Matrix des
Fadenbündels angehören. Die Zahl und Gestaltung der (8—9) Biechfäden des Männchens weicht von denen der
Weibchen in keiner Hinsicht ab; die Anhänge enthalten eine Fortsetzung der Nervenfäden.
Die Nerven der grossen JRuderantennen treten weit abwärts und erst unterhalb des Schlundes aus der
»unteren Hirnportion» Letdig's (der unteren gangliösen Anschwellung der Schlundkommissur); es gibt aber noch
ein Paar für diese Antennen bestimmte Nerven, die noch weiter hinten austreten.
Die Bauchganglienkette ist schwer zu beobachten; es gelingt jedoch, die schwachen Anschwellungen der weit
auseinander gerückten Seitenstränge sowie ihre zarten Querkommissuren nachzuweisen. Ausser den bereits durch
Klunzingeb bei den Estherien beschriebenen gangliösen Anschwellungen der Beinpaare fand Claus noch ein Ganglion
dicht unter den Mandibeln (Morina). Aus dem kleinen Ganglion des letzten Beinpaares schienen ihm jederseits
die langen Nerven der Tastborsten des Abdomens zu entspringen, die schräg über den Darmkanal herablaufen
und vor ihrem Eintritt in den Matrikaikörper der Kutikularanhänge je zwei spindelförmige Ganglienzellen durchsetzen.
Wie oben erwähnt, ging ich von dem Studium des dem ersten Antennenpaar — den beiden sog. Tastantennen
— der Daphniden angehörigen Sinnesorgans aus. Schon lange war dies paarige Organ als ein Sinnesorgan
erkannt. Letdig und Claus hatten in ihm ein kleines Ganglion beschrieben, welches mit je einem hinzutretenden
Nerven in Verbindung stände, der dann seine Fasern in die feinen Sinnesborsten aussendete. Wie oben
referiert wurde, stellte Claus die Sache mit folgenden Worten dar: »Die zu den sog. Tastantennen verlaufenden
Nerven durchsetzen bekanntlich innerhalb der Antennen ein kleines Ganglion und treten dann zu den blassen
LETDiG'schen Cuticularfäden, deren jeder eine Faser empfängt.» Das eigentliche Verhalten der Nervenfasern zu
den Ganglienzellen ist hierdurch nicht erklärt; man Hess nur die Nerven die Ganglien durchsetzen.
Es ist v. a. das Verdienst vom Bath's, in mehreren Mitteilungen (1886—94) bei verschiedenen Arthropoden
zuerst nachgewiesen zu haben, dass die peripherischen unter den Sinneshaaren der Haut gelegenen Ganglien aus
Sinneszellen zusammengesetzt sind, von denen der zentrale Fortsatz zu einem zentralen Ganglion verläuft und der
peripherische Fortsatz in ein Sinneshaar eintritt. Bei meinen speziell hierauf angelegten Untersuchungen mittels der
*) Fr. Leydig, Naturgeschichte der Daphniden. Tübingen 1860.
2) A. Weismann, Ueber Bau und Lebenserscheinungen von Leptodora hyalina. Leipzig 1874.
3) C. Claus, Zur Kenntniss der Organisation und des feineren Baues der Daphniden und verwandter Cladoceren. Zeitschr. f. wiss. Zool., 27. Band, 1876.
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