http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1906_13/0127
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Über die Verteilung der Sinnesnervenzellen
in der Haut der Holothurien.
Bei meinen Untersuchungen über das Vorkommen, die Anordnung und Verteilung von Sinnesnervenzellen
in der Haut und dem Schlünde verschiedener Evertebraten habe ich seit Jahren mehrmals versucht, diese Verhältnisse
auch bei den Echinodermen, v. a. den Echiniden und Ästenden, zu ermitteln. Die bedeutenden Schwierigkeiten
, die das Kalkskelett dieser Tiere bereitet, besonders weil es bei Benutzung der Versilberungsmethode kaum
möglich ist, die Kalksalze zu entfernen, haben jedoch verursacht, dass ich hier nicht zu klaren und entscheidenden
Ergebnissen gekommen bin, weshalb ich über dieses Thema noch nichts veröffentlicht habe.
Im letzten Sommer entschloss ich mich, noch einmal besonders bei den Holothurien die Versuche zu wiederholen
. Nachdem ich bei anderen Tieren erkannt hatte, dass man die Gewebe vor der Silberbehandlung mit
Überosmiumsäure oder Formol in schwacher Lösung behandeln darf, ohne dass sie dadurch die Tinktionsfähigkeit
einbüssen, und man hierbei die Möglichkeit gewinnt, das Kochsalz des Meerwassers vor der Versilberung vollständig
zu entfernen — was wichtig ist, wenn man ganz reine Bilder zu erhalten wünscht — gelang es mir bald, bei
mehreren kleineren Holothurien schöne Präparate zu gewinnen. Gute Erfolge gaben v. a. Mesotliuria intestinalis
(Ascanius et Bathke), Cucumaria lactea Forbes und Synapta Buskii MTntosh.
Uber das Vorkommen von solchen Sinneszellen in der Haut dieser Tiere liegen nur wenige genauere
Angaben vor. Es gibt aber über diesen Gegenstand, wie im ganzen über den feineren Bau derselben, eine
ausgezeichnete Arbeit von Hamann ]). In seinen eingehenden Beiträgen zur Histologie der Holothurien, in denen
er sowohl die Apoda (Synapta digitata) als die Pedaten (2 Arten von Cucumaria und 2 Arten von Holothuria)
berücksichtigte, hat er den Bau des ganzen Nervensystems beschrieben. Aus seiner Darstellung gebe ich hier nur
einige die Endigung der Hautnerven betreffende Angaben wieder.
Bei Synapta besteht die Haut, ausser der Cuticula, aus einer einschichtigen Epidermis von hohen, zylindrischen
Zellen, einer Cutisschicht, einer Bingmuskularis und dem die Leibeshöhle bekleidenden Wimperepithel,
sowie dem subepithelialen Nervenplexus. Die Zellelemente des Körperepithels scheiden sich in Sinneszellen,
Stützzellen und Drüsenzellen. Die Haut bildet warzenförmige Erhebungen, von denen ein Teil als Tastpapillen,
also Sinnesorgane, zu erkennen sind. Sowohl an den Tastpapillen als an der übrigen Haut finden sich becherförmige
Drüsenzellen (Becherdrüsen) und dunkle, kolbenförmige Schlauchdrüsenzellen. Die übrigen, zwischen ihnen befindlichen
Zellenarten sind die langen schmalen Stützzellen und die Sinneszellen. Diese letzteren sind feine, fadenförmige
Gebilde, die sich in feine Fäden verlängern, mittelst deren sie mit dem Nervenfasergeflecht im Zusammenhang
stehen.
Die Sinneszellen finden sich im Körperepithel entweder zerstreut, mit den anderen Zellenarten vermischt,
oder auf den Tastpapillen und in den Sinnesknospen. Besonders sind sie im Peristom zahlreich vorhanden. Eine
Otto Hamann, Beiträge zur Histologie der Echinodermen. Heft 1, Die Holothurien, 1884.
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