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Gegenbaur liebt selbst hervor, dass diese »Gaumenfalten» schon lange vor ihm von den Anatomen erwähnt
worden sind. Winslow besprach sie im J. 1753 (Expositio anal). Santorini bildete sie sogar im J. 1775 ab. Und
von neueren Autoren haben Sappey, Quain-Sharpet, Henle, Cruveilhier und Luschka dieselben erwähnt und
besprochen. Henle sagte von ihnen: »dicht hinter den Zähnen verlaufen einige dem Kieferrande parallele Wülste
oder Falten. Sie sind in der Mittellinie unterbrochen durch einen flachen Hüsrel von birnförmieer Gestalt welcher
schmal zwischen den mittelsten Schneidezähnen beginnt und sich alsbald hinter denselben kreisförmig- ausbreitet»
Cruveilhier und Luschka 2) schilderten sie genauer und wiesen auf ähnliche Bildungen bei den Säugetieren hin
mit denen sie dieselben verglichen. So sagte Luschka, nachdem er die Papilla palatina und die auf jeder Seite
von ihr gelegenen Mündungen der Canales incisivi besprochen. hatte: »Die bei manchen Säugern in so ausgezeichnetem
Grade entwickelten, zum Theil mit freien gezahnten Bändern versehenen staffelartigen Vorspränge der
Schleimhaut sind beim Menschen nur in der vorderen Hälfte des Gaumens durch 5—7 quere Kunzeln repräsentirt,
welche in unregelmässigen Biegungen zwischen der Baphe und dem Alveolarfortsatze ihren Verlauf nehmen. Die
hintere Abtheilung der Schleimhaut des hartens Gaumens ist fast ganz glatt».

Die hier eben angeführten Angaben der genannten Autoren betrafen den erwachsenen Zustand des mensch-
lischen Gaumens. Andere Autoren beschrieben denselben als glatt oder erwähnten die fraglichen Gebilde gar nicht.
Um diesen Gegenstand etwas näher zu ergründen, untersuchte Gtegenbaur verschiedene Altersstadien. Bei Erwachsenen
fand er nun die Verhältnisse wechselnd; bald waren die Falten vorne gut entwickelt, bald nur schwach vorhanden
oder sie fehlten; bei jüngeren Individuen kamen sie häufiger vor, in Kinder- und Jugendjahren ausnahmslos. Deshalb
ging er zur Untersuchung der fötalen und embryonalen Zustände über. Bei Embryonen von 4,2 cm—4,5 cm
Scheitel-Steisslänge bot der harte Gaumen einen völlig glatten Befund. Bei einem 5,5 cm langen Embryo fand
er am vorderen Teil des Gaumens regelmässig auf jeder Hälfte in ziemlich symmetrischer Anordnung 5—7 stärkere
Erhebungen oder Leistchen, welche durch glatte Intervallen getrennt und parallel zu einander gerichtet sind;
jedes beginnt auf der Erhebung des Gaumenwalles, mit welchem Namen Gegenbaur den seitlich wulstartig hervorragenden
Band des Grauniens belegte, verläuft gerade oder sanft gekrümmt medianwärts und endet hier, und zwar
die vorderen 2 — 3 dicht an der Baphe die leistenartig longitudinal hervorragende Mittenkante — die hinteren
2—3 dagegen an der Grenze der Einsenkung, welche der Gaumenwall gegen die innere Erhebung des Gaumens zu
bildet; ihr mediales Ende liegt daher von der Baphe entfernt. Die Anzahl der Leistchen gab er auf 5—7 an,
weil er in einem zweiten Falle einerseits 6, andererseits sieben derselben vorfand; in einem dritten Falle sah er
jederseits nur 5. Die Leistchen waren gleichbreit und hoch, ohne sekundäre Erhebungen.

Bei älteren Embryonen waren nun manche Veränderungen eingetreten; diese betrafen aber mehr die allgemeine
Konfiguration des Gaumens, und zwar v. a. seine hintere Abteilung; die allgemeine Anordnung der Falten
war (bei dem 7,3 cm langen Embiyo) noch den früheren Stadien gleich, sie waren aber etwas breiter geworden, ihr
hinterer Band war schärfer erhoben mit leichten Krenelierungen an einzelnen Stellen; die Bichtung der Falten war
nicht mehr so gleichmässig wie früher. Die Scheidung der beiden seitlichen, die Falten tragenden Teile des Gaumens
von dem medianen Teile trat weiter zurück, und bei Embryonen von 14 cm Länge war jener Unterschied
verschwunden. Auch die Wulstung des Gaumenwalls war weniger prägnant, schon bei einer Länge des Embryo
von 10—12 cm im Verschwinden begriffen; dagegen traten an den Falten stärkere Vorsprünge auf, welche zahlreiche
nach hinten gerichtete Papillen bildeten, deren freier Band reich gekerbt erscheint. Die vordere Grenze
wird an mancher Falte durch eine Vertiefung vorgestellt, als ob aus einer solchen die Falte sich erhebe. Noch
sind meist 5, zuweilen 6 Falten unterscheidbar, aber die Begelmässigkeit der Anordnung ist gemindert worden,
um allmählich verloren zu gehen; besonders die beiden letzten Falten zeigen zuweilen eine Auflösung in zwei oder
drei Stücke, oder erscheinen diese hinter einander geschoben. Noch unregelmässiger werden sie durch das Zusammentreten
der Falten und Faltenstücke, wodurch ramifizierte Gebilde sehr mannigfaltiger Art entstehen. Die Falten
haben sich in diesem Stadium (10—16 cm) relativ bedeutend ausgebildet und erscheinen deshalb dichter zusammengedrängt
; auch die hinteren sind median einander näher gerückt. Dadurch setzt sich die vordere Strecke der
Schleimhaut des harten Gaumens sehr auffällig von der hinteren, im grossen und ganzen glatten Strecke ab, an der
nur feine sagittale Fältchen sichtbar sind. Der Alveolarwall ist in diesen Stadien gleichfalls verändert worden. Die
den hinteren Abschnitt überziehende Schleimhaut scheidet sich durch eine Vertiefung von jener der seitlichen und
vorderen; den hinteren Abschnitt seitlich umfassend und dessen vorderes Ende sogar bedeckend erhebt sich der

x) H. y. Luschka, Die Anatomie des Menschen, 3. Band, 1865, S. 320.


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