http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1906_13/0139
t
125
den älteren Anatomen gelegentlich beachtet worden sind. Der einzige aber, der sie eingehender studiert
hatte, war Gegenbaue, der im J. 1878 eine gute, von einigen Abbildungen erläuterte Beschreibung dieser
Bildungen veröffentlichte und dabei auch die Verhältnisse bei einigen Affen etwas berücksichtigte. Bei übrigen
Mammalien scheinen sie eigentlich nur von Cuvier, d. h. vor mehr als einem halben Jahrhundert, übersichtlich
genauer besprochen zu sein. Seitdem sind zwar einzelne Ordnungen oder Gruppen von Säugern in dieser Hinsicht
studiert worden, wie z. B. die Chiropteren von Kolenati und H. A. Bobin, die Glires von T. Tullbeeg, die Bunii-
nantia von E. Lönnbeeg. Eine übersichtliche Darstellung der fraglichen Erscheinungen bei sämtlichen Ordnungen
ist aber noch nicht veröffentlicht. Abbildungen der Gaumenleisten gibt es auch in der Literatur auffallend wenig.
Und doch sind gerade in einem solchen Falle Abbildungen nötig, um eine richtige Auffassung von den charakteristischen
Zügen und Unterschieden der verschiedenen Tiere zu geben. Beschreibungen allein, auch die eingehendsten
, reichen dazu nicht hin. Infolgedessen blieb die an sich und für ihre Zeit genaue alte Beschreibung
Cttviee's meistens unbeachtet. Und doch bieten die Form und die Verteilung dieser Gaumenleisten konstante
Charaktere mancher der verschiedenen Tiere dar, die gerade wegen der Bequemlichkeit der Untersuchung wertvoll
sein können. Schon lange hat man sich so ausserordentlich viel mit der Beschaffenheit der Zähne beschäftigt; den
ebenso leicht zugänglichen und in so mancher Beziehung charakteristischen Gaumenleisten hat man dagegen verhältnismässig
sehr wenig Beachtung geschenkt. Mir lag es nun nicht ob, die eigentlich systematische Seite der Sache zu
studieren; dazu wäre eine sehr eingehende, möglichst viele Genera und Arten aller Ordnungen umfassende Untersuchung
nötig. Ich beabsichtigte diesmal nur eine allgemeine Ubersicht der betreffenden morphologischen Erscheinungen
, der allgemein phylogenetischen Gesichtspunkte, zu gewinnen.
Ich wünschte zu erfahren, ob die fraglichen Bildungen in der ganzen Säugetierklasse einen bestimmten
Grundtypus darstellen, wie sie sich in den untersten Ordnungen verhalten, ob sie irgendwo ihre höchste Ausbildung
entfalten und wie sie sich in den obersten Ordnungen verhalten.
Zu diesem Zweck war es mir nötig, gutes und hinreichendes Material, die wichtigeren Vertreter jeder Ordnung
, zur Untersuchung zu bekommen. Dies war aber keine leichte Sache. Um ganz gute Präparate zu erhalten,
muss man frisches Material haben; man hat dann den Unterkiefer mit der Zunge vorsichtig abzupräparieren, die
Gaumenschleimhaut von Schleim, Blut, Futter, Erde usw. zureinigen und das Präparat dann in 2—5 °/o Formol oder
Chromkali-Formol, ohne jeden Druck auf die Gaumenoberfläche, zu härten. Dies geht ja leicht mit allen allgemein
zugänglichen Tieren. Schwieriger ist es hinsichtlich der seltenen. Die in den Sammlungen in Weingeist oder
Formol aufbewahrten Köpfe, bei denen der Unterkiefer mit der Zunge gewöhnlich dicht an den Gaumen gedrückt
liegt, sind oft verunreinigt und durch den Druck etwas beschädigt; waren sie dann noch, wie es leider bei solchem
Material gar zu oft der Fall ist, vor der Härtung nicht frisch genug, da einige Tage nach dem Tode verflossen
waren, sind die Gaumenpräparate nicht selten schwer verwendbar oder gar untauglich.
Ich bemühte mich deshalb, von allen mir zugänglichen Tieren frisches Material zu erhalten und mit Bück-
sicht auf den betreff. Gegenstand neue, gute Präparate zu machen. Auch von mehreren seltenen Tieren gelang
es mir, lebende oder kurz vorher getötete Exemplare zu bekommen. So bekam ich z. B. von Echidna ein lebendes
erwachsenes Exemplar von Beiche in Alsfeld; ferner auch von vier Marsupialiern und einem Edentaten (Dasypus
villosus) von Hagenbeck u. A. Von Ornithorhynchus musste ich mich mit ziemlich gut erhaltenen, in Weingist
gehärteten Präparaten begnügen. Wenn eben möglich, verschaffte ich mich von jedem Tiere mehrere Exemplare,
um etwa vorkommende Variationen möglichst genau zu vergleichen.
Ferner erhielt ich durch die Güte meiner Kollegen Prof. Dr. Einae Lönnbeeg (aus den Sammlungen des
Beichsmuseums in Stockholm), Prof. Dr. Eeik Müllee (aus den Samml. des Karolinischen Instituts in Stockholm)
und Prof. Dr. Cael M. Füest (in Lund) eine Anzahl von Tieren zur Bearbeitung, wofür ich meinen genannten
Freunden meinen besten Dank ausspreche. Die Herren Prof. E. Lönnbeeg, A. G. Nathorst, C. M. Füest und
Dr. A. Freiherr von Klinckowsteöm haben mir auch aus entfernteren Gegenden Schwedens durch Korrespondenz
wichtiges Material verschafft, wofür ich ihnen sehr verbunden bin. Auch bin ich dem Vorsteher des Zoolog.
Gartens in Hamburg Herrn Dr. H. Bolau, dem Intendant des hiesigen Zoolog. Gartens auf Skansen Herrn A.
Behm, dem Studierenden Herrn Kand. A. Wastenson in Uppsala, und dem Gutbesitzer Herrn J. W. Beckman
in Öregrund für die Beschaffung mancher eben getöteter oder frisch präparierter Tiere sehr dankbar; ebenso dem
Herrn Dr. Med. Olof H:son Foessell für Material von menschl. Fötus.
Leider fehlten mir jedoch wichtige Eepräsentanten mehrerer Ordnungen. Von den Cetaceen konnte ich nur
einen Fötus von einem Delphin aufbringen. Von den Proboscidiern stand mir kein Material zur Verfügnng.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1906_13/0139