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Auf den Tafeln konnte ich in den meisten Fällen von jedem Tier nur eine Abbildung liefern. Von einigen
Tieren sind jedoch zwei oder mehrere Exemplare, v. a. in mehreren Entwicklungsstadien, abgebildet, um die Variationsbreite
und die während der Entwicklung eintretenden Veränderungen zu zeigen. .

Nur vom Menschen, und ganz besonders aus den Fötalstadien desselben, habe ich eine ganze Reihe von
Abbildungen mitgeteilt, eben um die grosse Variabilität, die hier hinsichtlich der Gaumenleisten herrscht, deutlich
zur Ansicht zu bringen.

Da ich gerade vom Studium der betreff. Bauverhältnisse beim Menschen ausging und sie am eingehendsten
untersuchte, könnte es vielleicht angemessen erscheinen, auch bei der Beschreibung von dem menschlichen Typus
auszugehen und dann durch die Säugetierordnungen rückwärts zu schreiten. Ein Überblick der Verhältnisse und
v. a. der Tafeln wird aber bald zeigen, dass es auch bei diesem Gegenstand viel besser ist, in der Untersuchung
und Beschreibung von unten nach oben anzusteigen. In Übereinstimmung hiermit sind die Tafeln und im ganzen
die Abbildungen derselben angeordnet. Ich beginne also mit den Monotremen und steige allmählich empor. Es
war mir natürlich von besonderem Interesse zu erfahren, ob bei Reptilien und Vögeln Spuren von Gaumenleisten
vorkämen, die phylogenetisch als frühere Stufen der Gaumenleisten betrachtet werden könnten. Weder in der
Literatur noch an Präparaten gelang es mir Bildungen zu finden, welche als wirkliche Vorstufen der Gaumenleisten
der Säugetiere könnten angesehen werden. Mein Material war jedoch nicht umfassend genug, um in dieser
Beziehung ein endgültiges Urteil zu erlauben. Vielleicht gelingt es bei fortgesetzten Studien eines oder des anderen
Vertreters der Reptilien- oder Vogelklasse zu entdecken, wo die ersten Anlagen der Gaumenleisten vorkommen.

Die Darstellungen der Autoren über die Entwicklung des Nasenhöhlenbodens bezw. ^des Mundhöhlendaches
der Reptilien geben jedoch in dieser Hinsicht nur geringe Hoffnung. Ich verweise ganz besonders auf die
hierauf bezügliche Darstellung Setdels !) in R. Semon's Zoolog. Forschungsreisen in Australien und dem Malayi-
schen Archipel.

Die Monotremen.

Taf. XXXV, Fig. 1-3.

Echidna aeuleata Cuv.

(Taf. XXXV, Fig. 1.)

Die noch lebenden Monotremen zeigen im ganzen in Bezug auf die Gaumenleisten so besondere, eigentümliche
Verhältnisse, dass sie in der Klasse der Mammalien auch in dieser Hinsicht allein stehen. Es liegt wohl
auch hier schon eine seitliche Differenzierung vom ursprünglichen Typus vor. Echidna hat jedoch eine Anordnung
der Leisten, welche viel verständlicher ist als die des Ornithorhynchus ist. Ich fange deshalb mit der
Beschreibung der Leisten von Echidna an.

Die Fig. 1 der Taf. XXXV gibt den ganzen Gaumen eines erwachsenen Echidna-Männchens in zweimaliger
Vergrösserung wieder.

Von dem Mundhöhlendache von Echidna gab Seydel x) im J. 1899 eine Abbildung; welche jedoch nur
den allervordersten Teil desselben enthält. In seiner Beschreibung sagt er, dass die hier fast plane Gaumenfläche
von der scharf abgesetzten Wulstung des Kieferrandes umzogen sei; in geringem Abstand vom Kieferrande
fänden sich die beiden Öffnungen der Canales nasorpalatini; diese Offnungen seien, im Vergleich zu dem Befunde
bei den höheren Säugetieren, relativ gross und von nierenförmiger Gestalt; der Hilus ziehe medianwärts und etwas
nach hinten. Dicht hinter den Öffnungen finde sich jederseits eine flache Erhebung der Schleimhaut, welche
nach hinten etwas schärfer abgesetzt sei. Beide Erhebungen seien in der Medianebene durch eine Einsenkung voneinander
getrennt. Diese paarige Erhebung »hat wohl», sagt Seydel, »die Bedeutung einer vordersten, unvollkommen
entwickelten Gaumenleiste». Seine Figur zeigt weiter rückwärts noch - zwei Gaumenleisten. In dem
Felde, das zwischen den Öffnungen der Canales naso-palatini und den beiden vordersten Gaumenleisten liegt, erhebt
sich eine kleine, länglich-ovale, deutlich vorspringende Wulstung, die Papilla palatina. Diese entwickelt sich aus dem

*) Otto Seydel, lieber Entwicklungsvorgänge an der Nasenhöhle und am Mundhöhlendache von Echidna nebst Beiträgen zur Morphologie des peripheren Geruchorgans
und des Gaitmens der Wirbeltiere. Zool. Forschungsreisen in Austr. und dem Mal. Arch. von K. Semon. *3. Band, 3. Lief., 1899, S. 487 ff.


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