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die Papille selbst vor dieser Leiste gesucht werden; hier liegt aber nur eine glatte, erhabene Partie, welche vorn
von der medianen Nasenfurche eingeschnitten, aber sonst nicht abgegrenzt wird.
Hinter der erwähnten Leiste findet sich ein dreieckiges Feld, welches von drei in longitudinaler Eichtling
angeordneten rundlichen Höckern besetzt ist. Die in 10-maliger Vergrösserung wiedergegebene Fig. 6 zeigt sowohl
diese Höcker als die in dem folgenden Zwischenfelde befindlichen weit schwächeren Wärzchen. In der sicher als
einer solchen aufzufassenden Leistenregion erkennt man vier Querleisten, welche alle das gemein haben, dass sie, wie
bei Tatusia und Manis, dachziegelartig mit ihrer freien hinteren Kante über die Wurzel der zunächst dahinter-
liegenden hinausragen. Alle sind sie auch in dieser Kante eingekerbt, v. a. die hinterste, und an ihren äusseren,
den lateralen Gaumenrand nicht erreichenden Enden mehr oder weniger nach vorn umgebogen. Die hinterste ist
die schmälste. Alle haben sie in der Medianpartie eine Firste, die vorderste (vierte von hinten) ist aber an dieser
Firste mitten eingesenkt. An der Oberfläche der mittleren Leisten sieht man kleine, schwach erhabene Höcker.
Einige etwas grössere Höcker kommen auch in dieser Kegion vor, sind aber wahrscheinlich nur zufällige Bildungen.
Hinter der hintersten Leiste stellt der Gaumen ein langes glattes Feld dar, welches an der Mittellinie entlang
einen ziemlich stark erhabenen Wall bildet, der sich nach hinten allmählich verschmälert und senkt, um zuletzt
aufzuhören (Fig. 6).
Wie aus diesen Darstellung hervorgeht, trägt bei diesem Tiere der Gaumen echte Leisten, 4 oder vielleicht 5,
wenn man die vorderste mitrechnet. Es finden sich hier Anklänge an die Verhältnisse bei Tatusia und Manis.
aber auch auffallende Unterschiede.
Bradypus tridaetylus L.
(Taf. XXXVI, Fig. 7.)
Von diesem Tiere stand mir zur Verfügung ein erwachsenes Weibchen, in Formolspiritus gehärtet.
Der Graumen zeigt ein sehr sonderbares Aussehen. Die zwischen den Zahnreihen gelegene, vordere und
mittlere Partie desselben ist mit zahlreichen kleineren und grösseren, runden, ovalen oder länglichen Höckern und
Erhabenheiten besetzt, bei denen man kaum eine Andeutung von regelmässiger Anordnung erkennt. Bei näherer
Betrachtung lassen sich zwar, besonders vorn, einige Querreihen unter diesen Höckern nachweisen, eine wirkliche
Anordnung zu Leisten gibt es aber nicht. Unter den vordersten lässt sich auch eine mediane Erhabenheit als
Papilla palatina bezeichnen. An der hinter den Zähnen befindlichen Gaumenfläche sind keine Höcker oder Leisten
vorhanden.
Im ganzen lässt . sich also dieser Gaumentypus als ein von dem gewöhnlichen Stammtypus der Säugetiere
in hohem Grade differenzierter und abweichender bezeichnen. Auch von dem bei den anderen von mir untersuchten
Edentaten, Dasypus, Manis und Cyclopes, zeigt er eine grosse Abweichung.
Ich hatte auch Gelegenheit, ein etwa neugeborenes Junges von Bradypus zu untersuchen. Bei ihm
zeigte die Gaumenfläche eine ähnliche Beschalfenheit; nur waren die Höcker verhältnismässig noch nicht so gut
entwickelt; der Typus war aber derselbe. Man kann diesen Typus als eine Eeduktionsform auffassen, da sich
die Leisten, wie bei den Pinnipediern und gewissermassen auch bei den Anthropoiden und beim Menschen, in
einzelne, unregelmässig angeordnete Höcker aufgelöst haben.
Die Ungulaten.
Die Perissodaktylen.
(Taf. XXXVII, Fig. 1 und 2.)
Equus eaballus L.
(Taf. XXXVII, Fig. 1.)
Wegen des bedeutenden Umfangs konnte ich den Gaumen des Pferdes auf der Tafel nur in halber Grösse
wiedergeben. Diese Abbildung stellt aber das charakteristische Aussehen der Gaumenplatte dar. Diese, welche
schon von Cüvier und in letzter Zeit von Ellenberger und Baum kurz beschrieben wurde, zeichnet sich durch
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