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Abbildungen. Nur in Ellenbergee-Baum's Lehrbuch habe ich, wie oben angegeben wurde, eine Erwähnung der
fraglichen Verhältnisse beim Schweine gefunden.
Die Gaumenplatte des erwachsenen Schweines ist lang und schmal, vorn zugespitzt, hinten beim Übergang
zum weichen Gaumen der Quere nach in gerader Linie abgestutzt. Nur etwas hinter dem vorderen Ende, vor den
Backzähnen, zeigt sie eine geringe Verbreiterung und verschmälert sich dann in der Partie zwischen diesen Zähneu.
Diese Partie ist ziemlich stark ausgehöhlt oder gewölbt; diese Wölbung vermindert sich nach vorn hin und betrifft
hauptsächlich die Mittellinie; hier läuft eine seichte Medianfurche, welche die Gaumenleisten in je zwei Seitenteile
trennt; diese sind teilweise gegeneinander verschoben und alternieren, besonders vorn, miteinander.
Man unterscheidet hinter den Vorderzähnen eine etwa dreieckige Region der Papilla palatina, welche aus
zwei symmetrischen Seitenhälften und der zwischen ihnen gelegenen, der Länge nach ausgestreckten Papille besteht
. Diese zeigt in der Medianlinie, sowohl vorn als hinten, je eine schmale, zipfelartige, wulstförmige Verlängerung
, von denen die vordere nach dem Zwischenraum der beiden mittleren Vorderzähne, die hintere sich als
medianer Wulst zwischen die vorderen Paare der Gaumenleisten ausläuft. Die Papille zeigt übrigens eine hintere
breitere und eine vordere schmälere Partie, die sich winklig gegeneinander absetzen und hier jederseits die zwei
Offnungen der Cauales naso-palatini haben. Die Papille ist wenig erhaben, nur von einer Seite zur anderen schwach
gewölbt. Die beiden Seitenpartieen sind im ganzen glatt und eben; hinten haben sie aber je einen kurzen queren
Wulst, der wie ein Anfang der Gaumenleistenreihe aussieht, obgleich er wohl eher als der Abschluss der Pa-
pillenregion zu betrachten ist.
Die Region der Gaumenleisten fängt nun direkt hinter diesen Wülsten an und reicht bis an das Ende des
harten Gaumens. Es finden sich nämlich in der Pegel nicht weniger als 23 Leisten, von denen, wie oben
erwähnt, jede in zwei Seitenteile getrennt ist. Alle Leisten haben ungefähr dieselbe Breite und ziehen mehr oder
weniger gerade gestreckt quer über die Gaumenplatte nach den Aussenseiten hin, wo sie abgerundet endigen.
Zwischen jedem Paar findet sich eine schmale Furche. In der vorderen Partie sind sie jedoch kräftiger ausgebildet,
mit einem mittleren Wulst an ihrem Bücken; nach hinten hin, zwischen den Backzahnreihen, werden sie allmählich
niedriger und flachen sich schliesslich ab; die hinteren laufen auch nicht mehr gerade nach aussen, sondern
biegen sich in verschiedenen Eichtungen und werden auch hier und da unterbrochen, nur kürzere Stümpfe bildend.
Das auffallendste am Gaumen des Schweines ist aber gerade der Umstand, dass die Leisten, obwohl schwächer
und unregelmässiger, sich nicht nur in der ganzen Partie zwischen den Backzahnreihen, sondern noch hinter denselben
, bis an die hintere Grenze des harten Gaumens erstrecken, wie die Fig. 3 zeigt. Der weiche Gaumen ist
stark ausgehöhlt, ohne Leisten, nur mit einer Menge von kleinen Löchern, welche wohl grösstenteils Drüsenmündungen
sind.
Bei dem 35 mm langen Fötus (Fig. 4), dessen Gaumenspalte hinten noch nicht geschlossen ist, sieht man
vorn die Papillenregion schön angelegt mit einer herzförmigen Papille, an welcher vorn ein ovales Knötchen sitzt,
welche Gebilde den beiden Abteilungen der erwachsenen Papille entsprechen; die Seitenpartieen der Pegion zeigen
je einen Hügel und vorn eine Reihe Höcker. Die Leistenregion hat in ihrer Medianlinie einen scharf ausgeprägten,
beiderseits von einer Furche begrenzten Wall und ausserhalb derselben je eine Reihe von etwa 20 schmalen
Querleisten, die Anlagen der späteren, stark ausgebildeten Leisten des erwachsenen Tieres.
In dem zweiten auf der Tafel (Fig. 5) wiedergegebenen fötalen Stadium (94 mm Scheitel-Steissgrösse) sind
schon die Verhältnisse denen des erwachsenen Tieres so ähnlich geworden, dass ein Blick auf die Fig. hinreicht, um
alles zu erklären. Die Gestalt des Papilla palatina und der Seitenpartieen der Papillenregion zeigt einen interessanten
Übergang von dem früheren fötalen zu dem erwachsenen Stadium. Die Anordnung der Gaumenleisten
ist schon in allem Wesentlichen diejenige des fertigen Stadiums geworden. Von Interesse ist es besonders, die
Entwicklung der ersten Leisten zu beobachten, da sie im Stadium der Fig. 5, v. a. in ihrem Verhalten zur
Papillenregion, reiner hervortreten als später. Die Anzahl sämtlicher Gaumenleisten beträgt 22—23. Einige Unregelmässigkeiten
in ihrer Anordnung sind auch hier vorhanden, und zwar nicht nur hinten, sondern auch vorne,
indem zwei benachbarte Seitenarme zusammenfliessen und einzelne Arme verkürzt und zwischen zwei Nachbarn
eingekeilt liegen können. Die Zahn wälle sind schon verhältnismässig kräftig entwickelt.
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