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Die Artiodaktylen. 2. Ruminantien.
(Taf. XXXVIII und XXXIX.)
Aus dieser Gruppe der Ungulaten habe ich folgende Eepräsentanten untersucht: Bos taiirus, Capra hircus,
Ovis aries, Rangif er tarandus, Cervus dama und Cerms capreolus.
Sie stellen in Bezug auf die Gaumenleisten einen allen gemeinsamen, charakteristischen Typus dar. Ich
will sie deswegen auch zusammen besprechen und dabei auch die vorhandenen Unterschiede hervorheben.
Wie oben angeführt würde, haben einige Autoren die Gaumenleisten der Euminantien etwas eingehender
berücksichtigt, nämlich Cuvier, Ellenberger & Baum und Lönnberg; von Abbildungen kenne ich nur diejenige
von Ovibos, welche der letztgenannte Forscher veröffentlicht hat.
An dem im ganzen mit zungen- oder sogar bisquitförmigem Umriss versehenen harten Gaumen kann man
von vorn nach hinten mehrere Abteilungen oder Kegionen unterscheiden. Vorn liegt eine halbmondförmige Region,
in deren Mitte sich die viereckige, rautenförmige, wenig erhabene Papilla palatina mit den zu ihren beiden Seiten
gelegenen Öffnungen der Canales naso-palatini findet. Die beiden sich lateralwärts von der Papille ausbreitenden,
vor ihr mehr oder weniger scharf durch eine schmale Medianfurche getrennten Partieen sind bald ziemlich glatt,
bald mit kleinen dichten Höckerchen besetzt. Man kann diese Partie als die Region der Papilla palatina bezeichnen
.
In der hinter ihr gelegenen konkaven Partie finden sich bald mehr ausgebildete, bald mehr rudimentäre,
höckerige Querleisten, welche zu jeder Seite der Medianlinie paarweise gruppiert sind. Hinter ihnen folgt dann
eine weit nach hinten reichende Partie des Gaumens, welche eben durch die starke Ausbildung der Querleisten
ausgezeichnet ist. Diese Leisten ziehen einander parallel von einer Seite zur anderen, jede aber in der Medianebene
doppeltgeteilt, so dass jede aus zwei seitlichen Armen besteht, welche mehr oder weniger bogenförmig bis an
den eigentlichen Aussenrand des Gaumens reichen und je nach der verschiedenen Gestalt des Gaumens länger oder
kürzer sind. Alle diese Leisten sind an ihrer Wurzel niedrig und erheben sich von der Gaumenfläche immer mehr
nach ihrem hinteren Eande zu, welcher frei der Fläche überhängt und bei den verschiedenen Tierarten mehr oder
weniger gezähnelt ist. Die Zahl dieser stark ausgebildeten Leisten wechselt auch bei den verschiedenen Tieren
und reicht bei ihnen verschieden weit nach hinten zwischen die beiden Backzahnreihen. Nach hinten, zwischen
diesen Zahnreihen, werden die Leisten allmählich niedriger und verlieren ihre so ausgeprägte Gestalt, ihren scharfen
hinteren Rand und die gezähnelte Beschaffenheit desselben. Zuletzt verschwinden die Spuren der Leisten vollständig,
und die dahinter gelegene Region des Gaumens wird glatt oder von kleineren Höckern und anderen Erhabenheiten
und Runzeln besetzt.
Sehr oft kommt es bei den verschiedenen Tieren vor, dass die beiden Seitenhälften der einzelnen Leisten
nicht regelmässig aneinander stehen, da eine Verschiebung einer derselben nach vorn oder hinten vorkommt, und
in diesen Fällen sind gewöhnlich mehrere Leisten derselben Seite in gleicher Weise verschoben. In der Mittellinie
stehen dann die einzelnen Leistenhälften gegen die entsprechenden der anderen Seite so verschoben, dass sie mit
diesen alternieren.
Dann kommen aber auch Fälle vor, in denen einzelne Leisten mehr oder weniger rudimentär und verkürzt
sind; in diesen Fällen ist in der Regel auch eine komplimentäre Verschiebung der Nachbarleisten eingetreten,
um den Platz der rudimentären auszufüllen. Hierdurch ist dann in der Anordnung der Leisten eine gewisse Unregelmässigkeit
eingetreten.
Nach dieser Orientierung, in welcher der allgemeine Typus der Gaumenleisten der Ruminantien geschildert
ist, gehe ich zur Darstellung der einzelnen Formen über und beginne mit derjenigen des Rindes.
Bos taurus L.
(Taf. XXXVIII, Fig. 1.)
Die Fläche des harten Gaumens ist beim Rind bisquitförmig, sowohl in ihrer vorderen als in ihrer hinteren
Partie breit und zwar von ungefähr derselben Breite; in der mittleren Partie ist sie nicht stark eingekniffen.
In der Medianlinie ist sie ferner, besonders nach hinten hin, rinnenförmig gesenkt.
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