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15 cm (Sch.-St.-L.) langen (jüdischen) Fötus her; die totale Körperlänge des Fötus war 21,5 cm. Die Zahnwälle sind
schön ausgebildet, und hier sieht man eine Bildung, die in diesem Stadium, wie auch später, nicht selten vorkommt,
nämlich je eine Höckerreihe an den Zahn wällen; auch in der oben beschriebenen Furche, welche die Molarzahnwälle
schief überschreitet, bemerkt man hier auch oft in späteren Stadien eine Zähnelung der sie hinten begrenzenden
Kante. Die Papille mit ihren höckerigen Seitenfeldern und ihrer vorderen Brücke nach der Lippe ist
schön ausgebildet. In der Leistenregion erkennt man drei Paar von der vor dem eingesenkten Mittelfelde gelegenen
Stelle nach aussen und etwas nach hinten ausstrahlende Leistenarme, welche auf die Gaumenwälle emporsteigen
; der eine Arm der vordersten Leiste ist nur stückweise vorhanden; alle sind feinhöckerig; hinter diesen
Leistenpaaren erkennt man aber an den Seiten kleine Stücke von noch zwei anderen, so dass man im ganzen
5 Paare wahrnehmen kann.
In den Fig. 5 (Scheit.-St.-L. 14,3 cm), Fig. 6 (Scheit.-St.-L. 16 cm), Fig. 7 (Scheit.-St. L. 17 cm) und
Fig. 8 (Scheit.-St.-L. 18 cm) sind vier andere Stadien abgebildet, in welchen man die weitere Entwicklung der
Zahnwälle mit der eigentümlichen, schief nach hinten-aussen über die Molar zahn wälle ziehenden, hinten von einem
gezahnten Rande begrenzten Furche sieht. Das eingesenkte Mittelfeld ist mehr oder weniger deutlich ausgebildet
und begrenzt. Die Gaumenleisten sind in allen diesen Fällen unregelmässig und strahlen von der gewöhnlichen, vor
dem Mittelfelde gelegenen Stelle aus, um teils nach aussen, teils nach aussen-hinten auf die Gaumenwälle emporzusteigen
; nur vereinzelte kleine Stücke sind zuweilen am vordersten Teil des Mittelfeldes bemerkbar. Die Leisten
verlaufen grösstenteils in schlängelnden, gewundenen Bahnen, sind hier und da unterbrochen und miteinander
vereinigt; auch sind sie gezähnelt, gleichsam aus Höckerreihen zusammengesetzt. Die Papille und die Seitenfelder
der Papillenregion sind mehr oder weniger stark entwickelt, aber ebenfalls von wechselnder Anordnung. In der
Fig. 8 sieht man an der Innenseite der Lippe eine starke Entwicklung der frei ausragenden kleinen Zotten der
Schleimhaut, welche von Luschka, Stteda u. A. beschrieben worden sind.
Die Taf. XLVII enthält dann fünf Stadien der Gaumenentwicklung aus den späteren Monaten der Fötalperiode
und von Neugeborenen, nämlich Fig. 1 den eines Fötus von 29 cm, Fig. 2 den eines Fötus von 30 cm,
Fig. 3 den eines Fötus von 32,5 cm, Fig. 4 den eines geborenen Fötus von 45 cm und Fig. 5 den eines geborenen,
ausgetragenen Fötus von 48 cm — alle in Scheitel-Fusssohlenlänge gemessen.
Beim ersten Anblick fällt v. a. die starke Entwicklung der die Gaumenplatte umrahmenden Zahn wälle auf;
in Fig. 1, 2 und 3 sieht man die eigentümliche höckerige Beschaffenheit dieser Wälle und die schiefe Querfurche
der Molarzahnwälle. In Fig- 4 und 5 sind diese Furchen nur als Spuren vorhanden und die höckerige Beschaffenheit
der Wälle ist auffallend geringer. Die Papilla palaüna und die Seitenfelder der Papillarregion sind in allen
vorhanden, aber in wechselnder Gestalt und Anordnung. Das eingesenkte Mittelfeld ist auch sehr verschieden ausgebildet
, in Fig. 1 und 3 gut abgegrenzt und ziemlich klein, aber tief, in Fig. 4 an. den Seiten, aber nicht vorn
begrenzt, in Fig. 2 und 5 nur als eine nicht begrenzte Einsenkung vorhanden; in der Medianlinie dieses Feldes
erkennt man vorn eine längere oder kürzere Furche, hinten eine mehr oder weniger ausgesprochene Firste und >an
den Feldern zu beiden Seiten desselben eine eigentümliche longitudinale, dichte Streifung der Schleimhaut, welche
von parallelen Furchen und Falten herrührt. Diese auffallende Streifung ist aber in der Tat schon in früheren
Stadien erkennbar, obwohl in geringerem Grade. In den Fig. 5, 6, 9 der Taf. XLV und in den Fig. 1, 2, 3,
5, 8 der Taf. XLVI sieht man sie schon mehr oder weniger ausgeprägt. Sie ist aber in den späteren Fötalstadien
noch viel weiter entwickelt. Sie muss wohl von einer Streckung der Schleimhaut in longitudinaler und von einem
stärkeren Wachstum in transversaler Eichtling herrühren.
Was nun schliesslich die Gaumenleisten betrifft; so sind sie, wie die Fig. der Taf. XLVII auch in den
späteren fötalen Stadien und beim Neugeborenen von sehr wechselnder Beschaffenheit; Gestalt und Anordnung.
Bald stehen sie dicht gedrängt (Fig. 1, 3), bald spärlich und zerstreut (Fig. 2), bald schmal (Fig. 3), bald breiter
(Fig. 1, 2, 4, 5), bald mehr gerade der Quere nach verlaufend (Fig. 3, 4), bald mehr oder weniger gewunden und
m Stücke aufgelöst, die sich in verschiedener Weise miteinander verbinden können, bald mehr glatt und eben;
bald gezähnelt und höckerig. Sie finden sich in der Regel nur in der vorderen Partie, vor dem eingesenkten
Mittelfelde, indem sie von der vor diesem gelegenen Stelle ausstrahlen. In einzelnen Fällen sieht man jedoch Stücke
von ihnen am Vorderende des Mittelfeldes und auch einzelne Stücke etwas weiter hinten an den Gaumenwällen
(Fig. 2, 4).
Für das Verhalten der Gaumenleisten des Menschen ist es charakteristisch; dass sie nie die Medianlinie
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