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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1906_13/0180
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erreicht, bald sich so reduziert haben, dass man keine Spur von ihnen sieht (Delphinus, Phocaena) und die Oberfläche
des Graumens ganz glatt ist. Leider war es mir nicht möglich, von dieser Ordnung Eepräsentanten zu
finden, die auch Zwischenstadien zwischen diesen Extremen aufgewiesen hätten. Man weiss auch nicht, ob solche
Typen noch unter den lebenden Tierformen vorkommen.

7. Bei den Ungulaten ist wohl, von den Walfischen abgesehen, die höchste Ausbildung der Gaumenleisten
zu verzeichnen, und zwar sowohl bei den Perissodaktylen als bei den ArtiodaHylen (den non-Euminantien sowohl
als den Euminantien). Unter ihnen kennt man auch keine Formen, bei denen eine solche Eeduktion vorkäme,
wie sie bei gewissen Familien von Nagetieren und "Waltieren zu finden ist.

8. Bei den Karnivoren herrscht wieder ein primitiverer, im ganzen weniger differenzierter Typus der Gaumenleisten
vor, obwohl auch in dieser Ordnung eine Eeihe von verschiedenen Ausbildungsformen vorkommen.
V. a. interessant ist das Verhalten bei den Pinnipediern, bei denen ich wieder eine merkwürdige Eeduktion der
Leisten fand, und zwar in verschiedenen Gradationen, bis zum vollständigen Schwund derselben bei den Seeleoparden
, gerade wie bei den Nagetieren und den Waltieren.

9. Bei den Prosimien stehen noch die Anordnung und die Beschaffenheit der Gaumenleisten auf einem
ziemlich primitiven Standpunkt, welcher dem der Marsupialier, Insektivoren und Nagetiere nahe steht; sie differenzieren
sich aber auch hier nach den verschiedenen Tiersorten.

10. Von den Primaten zeigen die tiefer stehenden Affen der alten und der neuen Welt ein gleiches phylogenetisch
primitives Stadium (Hapale, Ateles, Macacus, Oynocephalus, Gercopithecus), und zwar ohne weiter hervortretende
Differenzierung in der Entwicklung, sei es vorwärts oder rückwärts. Bei den höheren Affen dagegen, und
zwar schon beim Gibbon, zeigen sich Spuren einer Eeduktion von ungefähr derselben Natur wie bei den Pinnipediern
, da die Leisten die Tendenz haben, schwächer zu werden, sich in kleinere Stücke aufzulösen und im Zusammenhang
damit unregelmässigere, etwas gewundenere Eichtungen anzunehmen. Diese Erscheinungen sind
beim Orang auch nur mehr andeutungsweise vorhanden; beim Gorilla treten sie noch deutlicher hervor, und beim
Schimpansen manifestieren sie sich in auffallendem Grade, wobei sich diese Eeduktion im phylogenetischen Sinne,
die bei den Anthropoiden stattfindende Bückwärtsbildung der Gaumenleisten, auch dadurch immer mehr kundgibt
, dass sie hinten in ihrer Ausbildung immer schwächer werden und sich immer mehr auf die vorderen Eegionen
beschränken.

Beim Menschen schliesslich hat diese Bückwärtsbildung noch viel weitere Schritte gemacht, indem sich die
Gaumenleisten noch mehr auf die vordere Eegion des Graumens beschränkt und mehr oder weniger in kleinere
Stücke aufgelöst haben, sowie zugleich eine bedeutende Unregelmässigkeit in ihrer Anordnung und eine ansehnliche
Variation in ihrer Ausbildung zeigen. Es ist Gtegenbaur's Verdienst, schon längst (1878) die Aufmerksamkeit darauf
gelenkt zu haben, dass die Gaumenleisten bei menschlichen Embryonen und Fötus auffallend stärker ausgebildet
sind als nach der Geburt und beim Erwachsenen, weshalb eine noch bedeutendere Eeduktion der Leisten im fertigen
Stadium des Menschen vorliegt. Er betonte auch in Ubereinstimmung hiermit die phylogenetisch hochinteressante
Bedeutung der Leisten. Er hat aber offenbar, v. a. nach seinen Abbildungen des Graumens von Embryonen
und Neugeborenen zu urteilen, die Anordnung, Gestalt und Eichtling dieser Leisten während der Fötalstadien
als nicht unbedeutend regelmässiger aufgefasst, als es in der Tat die Eegel ist; es können zwar Fälle vorkommen,
in denen sie zusammenhängender und mehr der Quere nach gerichtet sind als gewöhnlich; dies ist besonders in
den jüngsten Stadien der Fall, sogar in einer so frühen Periode, dass Gegenbaue in seinen Präparaten sie nicht
nachzuweisen vermochte; später aber sind sie gewöhnlich so unregelmässig angeordnet und so variierend, dass es
kaum möglich ist, einen bestimmten Typus hervorzuheben. Die von mir auf den Tafeln XLV—XLVII zusammengestellten
22 Grammen menschlicher Embryonen und Fötus von 3,i cm Scheitel-Steisslänge bis zum ausgetragenen
Fötus zeigen dies in frappanter Weise. Man kann zwar den einen oder anderen derselben als typisch auswählen
, je nachdem man einen regelmässigeren oder unregelmässigeren hervorheben will (z. B. die Fig. 4 oder 5 der
Taf. XL VI); im grossen und ganzen aber kommt man zu dem Schluss, dass eben, wie es so oft bei rudimentären
Bildungen der Fall ist, die wechselnde Beschaffenheit dieser Leisten beim menschlichen Fötus das Charakteristische ist.

Es ist in der Tat ganz eigentümlich, dass während sonst die Entwicklung in der Eegel gleichsam zielbewusst
ängstlich gewissen Gesetzen folgt und nur innerhalb einer bestimmten Variationsbreite wechselt, bei der Entwicklung
rudimentärer Organe ein Hin- und Herschwanken zwischen viel weiter voneinander getrennten Extremen
obwaltet, eine viel grössere Wechselung vorkommt. * Gerade in dieser Beziehung sind die Variationen im Verhalten
der Gaumenleisten beim Menschen sehr interessant.


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