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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/biol_unt_1909_14/0149
14.

Die Spermien der Nagetiere.

Tafel XL—XL1X.

Seit alters her sind die Spermien der Nagetiere, oder eigentlich die der Maus (Mus musculus) und v. a. der
Hausratte (Mus norvegicusj, zum Studium des Baues und der Entwicklung der Säugetierspermien mit Vorliebe
gewählt worden. Es ist dies ganz natürlich, weil diese Spermien als relativ gross anzusehen sind, und weil sie sehr
charakteristisch gebaut sind; sie sind auch besonders leicht in beliebiger Menge und Ausbildung stets zu erhalten.

Wenn man von den älteren, besonders wegen der früher herrschenden Mängel an technischen Hilfsmitteln
nicht tiefer eindringenden Darstellungen absieht, können — nachdem Schweigger-Seidel1) dargelegt hatte, dass der
Schwanz der Säugetier-Spermien nicht mit dem Kopfe direkt zusammenhängt, sondern eine besondere Bildung darstellt
und mit ihm sogar durch ein Zwischenglied, das er das »Mittelstück» nannte, verbunden ist, — die Mitteilungen
von Jensen2) v. J. 1879 und 1887 und diejenigen von v. Bkunn v. J. 18843) als besonders bedeutungsvoll betrachtet
werden. Im J. 1874 hatte zwar Eimer an den Säugetierspermien schon gezeigt, dass sowohl das s. g. Mittelstück
als der »Schwanz» aus einem Centralfaden (Axenfaden) und einem ihn umhüllenden Protoplasmamantel besteht.
Was das erstere (das Mittelstück) betrifft, trat (1879) Jensen gegen diese Anschauung auf, indem nach ihm der
Centraistrang hier »von einem Spiralstrange umgeben» ist, »und diese zwei Stränge machen zusammen die ganze
Dicke des Mittelstückes und des Schwanzes aus». »Einige Beobachtungen» — an den Spermien von Mus decumanus
und Blatta americana angestellt — »deuten an», sagt er, »dass die Stränge hinwiederum aus vielen feineren
Strängen zusammengesetzt sind.»

v. Brunn, welcher in seiner zitierten Abhandlung v. J. 1884 die von mir im J. 1881 gemachte Einteilung
des Spermiums der Säugetiere in nur Kopf und Schwanz sowie die des Kopfes in Spiess und Hauptstück desselben und
die des Schwanzes in Verbindungsstück (statt Mittelstück nach Schweigger-Seidel), Hauptstück und Endstück bestimmt
acceptierte, legte nun auch deutlich dar, dass der Axenfaden den ganzen Schwanz durchläuft und von einem
Hüllenmantel umgeben ist, aus dem schliesslich im Endstück der Axenfaden frei austritt. Er studierte den Umhüllungs-
prozess der Spermien bei mehreren Säugetieren und beschrieb ihn speziell bei der Maus: »Die erste Veränderung,
welche man bemerkt, ist die, dass die Granula des Protoplasmas, welche bisher von sehr verschiedener Grösse
waren, regelmässige Grösse bekommen; sie rücken dann dem Axenfaden näher, legen sich an ihn an und drücken
sich zugleich eines dicht an das andere, so dass das jetzt noch in der Zelle befindliche Verbindungsstück das
Aussehen eines Maiskolbens erhält . . . Diese Körnchen verschmelzen dann mit einander, und zwar zunächst der
Quere, nicht der Länge nach: dadurch bekommt das Verbindungsstück ein sehr zierliches quergestreiftes Aussehen . . .
Diese BAngelung ist von äusserster Regelmässigkeit. Bei einer Maus zählte ich», sagt er, »an 5 Exemplaren 31—36.
Querstreifen, bei einer anderen ganz regelmässig 30 solche an 8 Samenkörpern.» Diese Körner zeigen bei Essigsäurebehandlung
noch die Reaktion von Protoplasmagranulationen. »Ob nun», fügt er hinzu, »hier einzelne in
sich geschlossene Ringe vorliegen, ob es eine Spiralfaser ist, welche diesen Theil des Fadens umkreist, getraue ich
mir nicht zu entscheiden, die Entscheidung ist auch sehr schwer; ich neige mehr zu ersterer Ansicht, da ich nie

) Schweigger-Seidei,, Ueber die Samenkörper und ihre Entwickdung. Archiv f. mikrosk. Anatomie, Band I. 1865.

2) O. S. Jensex, Die Structwr der Samenfäden, Bergen 1879 und Undersögelser over Soedlegemerne hos Paitedyr, Fugle og Amphibier. Christiania
Videnskabsselsk. Forhandl. 1887, Nr 11 sowie ins Deutsche übersetzt in Archiv f. mikrosk. Anatomie, Bd XXX. 1887.

3) A. v. Brunn, Beiträge zur Kenntniss der Same?ikörper und ihrer Enticickhmg bei Säugethieren und Vögeln. Archiv, f. mikrosk. Anatomie, 23. Band 1884.


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