Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., TF 2014/26
Bock, Carl Ernst
Hand-Atlas der Anatomie des Menschen: nebst einem tabellarischen Handbuche der Anatomie
Berlin, 1864
Seite: 9
(PDF, 50 MB)
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Anatomische Literatur

  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/bock1864/0027
Der knöcherne Kopf.

I. Verbindungen der Kopfknoeken, Nähte und Fontanelle. Die beschriebenen Kopfknochen sind

unter einander durch folgende Nähte verbunden: 1) Sutura frontalis, Stirnnaht (bei Erwachsenen nur selten
noch vorhanden und an ihrer Stelle dann eine erhabene Linie), steigt senkrecht von der glahella in der Mitte
der pars frontalis bis zu deren oberm Rande in die Höhe und ist die Spur der in der frühesten Zeit stattgefundenen
Theilung des Stirnbeins in 2 Hälften. — 2) Sutura coronalis, Kranznaht, läuft von der Verbindung des
Scheitelbeins mit dem grossen Flügel des Keilbeins von einer Schläfengegend quer über das Vorderhaupt hinweg
zur andern Seite und vereinigt den obern Rand des Stirnbeins mit den vordem Rändern der Scheitelbeine. —
3) Sutura sagiüalis, Pf eil naht, fängt von dem Mittelpuncte der Kranznaht an, da, wo die beiden Scheitelbeine
und das os frontis zusammenstossen, und läuft zwischen den beiden Scheitelbeinen gerade nach hinten zur folgenden
Naht. Sie vereinigt also nur die beiden ossa parietalia. —■ 4) Sutura lambdoidea (weil sie mit dem griechischen
Buchstaben A, lambda, Aehnlichkeit hat) s. occipitalis, Hinterhauptsnaht, befindet sich zwischen
den hintern Rändern der Scheitelbeine und dem obern Rande der pars occipitalis des Hinterhauptsbeines. In ihr
befinden sich bisweilen mehrere grössere oder kleinere Zwischenknochen, ossicula Wormiana (s. suturarum s. tri-
quetra), welche sich ringsum durch zackige Ränder mit den angränzenden Knochen verbinden. —• 5) Suturac
mastoideae, Warzennähte, sind gewissermaassen zwei Schenkel, in welche die sutura lambdoidea auf jeder Seite
ausläuft. Der eine, vordere, liegt zwischen dem hintern Theile des untern Randes des os parietale und dem
obern Rande der pars mastoidea; er reicht vor bis zur incisura parietalis. Der andere, hintere Schenkel verbindet
den hintern Rand der pars mastoidea mit dem mittlem Rande des Hinterhauptsbeins und erstreckt sich bis
zum foramen jugulare. — 6) Suturae squamosae, Schuppennähte, erstrecken sich, an jeder Seite des Schädels
eine, in einem nach oben convexen Bogen aus der Schläfengrube nach hinten bis zum obern Theile der sutura
mastoidea und werden durch die partes squamosae der Schläfenbeine gebildet, welche sich, einer Fischschuppe
gleich,, über die untern Ränder der Scheitelbeine hinwegschieben. — 7) Sutura transversalis, Quernaht, läuft quer
über das Gesicht durch die Augenhöhlen und verbindet die Schädel- mit den Gesichtsknochen; sie zieht sich
zwischen dem os frontis und zygomaticum, sphenoideum, etkmoideum, lacrymale, maxillare superius und nasale beider
Seiten hindurch. Diese Nähte, welche dem Wachsthuine des Schädels dienen, sind im frühesten Lebensalter,
ungefähr bis zum 3. Jahre, noch nicht vollkommen ausgebildet; bis dahin vermitteln Knorpel die harte Hirnhaut
und die äussere Knochenhaut die Verbindung der Schädelknochen unter einander. Im höhern Alter verschwinden
die Nähte ganz und die Knochen fliessen zusammen.

Da die Winkel der Knochen am spätesten verknöchern, so bleiben an einigen Stellen des Schädels
Lücken, die nur von den genannten Häuten überzogen sind und die man Fontanelle nennt. Es sind folgende
: a) Fonticulus quadraugiilaris (s. major}, grosse oder Vorderhauptsfontanelle. Sie liegt zwischen
den vordem obern Winkeln {angulifrontales) der Scheitelbeine und den obern Winkeln der beiden Theile des Stirn-
theiles. Später kommt hier die sutura frontalis, coronalis und sagittalis zusammen. Die Gestalt dieser Fontanelle
ist viereckig; die vordem Schenkel sind länger als die hintern und alle 4 nach innen convex. Beim Neugebornen
sieht und fühlt man an dieser Fontanelle die Bewegungen (pulsatorische und respiratorische) des Gehirns und
deshalb wurde sie von den Alten auch fons pulsatilis s. vertex palpitans geheissen. — b) Fouticulus triangularis
(s. minor), Hinterhauptsfontanelle, liegt da, wo später die sutura sagittalis mit der lambdoidea zusammen-
stösst. Sie wird also zwischen den hintern obern Winkeln {anguli occipitales) der Scheitelbeine und dem
mittlem Theile des obern Randes des os occipitis gebildet. Ihre Gestalt ist die eines Dreiecks, welches nach
vom sieht. — c) Fontiouli laterales, Seitenfontanellen. Auf jeder Seite des Schädels befindet sich in der
Schläfengegend, zwischen dem hintern untern Winkel {angidus mastoideus) des Scheitelbeins, dem hintern Rande
der pars squamosa, dem obern der pars mastoidea und des os occipitis, eine solche Seitenfontanelle. Sie schliessen
sich zuerst in der Mitte, so dass vorn und hinten noch eine kleinere Fontanelle entsteht, fonticulus anterior und
2)osterior s. Casseri, von welchen die hintere am längsten sichtbar ist.

II. Die Sckädelllöllle, welche von den 8 Schädelknochen gebildet wird und das von Wasser umgebene
Gehirn mit seinen Häuten, Gefässen und Nervenwurzeln birgt, zeigt an ihrem Grunde und Gewölbe die folgenden
wichtigen Erhabenheiten, Vertiefungen und Löcher.

A. Der Grund, basis cranii, zerfällt in 3 terrassenförmig von vorn nach hinten absteigende Abtheilungen
, Schädel gruben, fossae cranii, in eine vordere, mittlere und hintere.

1) Fossa crauii anterior, vordere Schädelgrube, nimmt die vordem Lappen des grossen Gehirns
auf. Sie wird gebildet: durch die innere Fläche der pars frontalis und der partes orbitales des Stirnbeins, durch
die lamina cribrosa des Siebbeins, durch die kleinen Flügel des Keilbeins und den vordem Rand der sella turcica.
In der Mitte ist diese Grube vertieft und zeigt die crista galli, das foramen coecum und die spina frontalis
interna, an welchen Theilen die falx cerebri (durae matris) befestigt ist. Zu beiden Seiten derselben befinden
sich die foramina cribrosa auf der Siebplatte, zum Durchtritte der Geruchsnerven und des nerv, ethmoidalis
in die Nasenhöhle und der art. meningea anterior zur harten Hirnhaut. Am hintern Rande der Grube, zwischen
den Wurzeln der kleinen Keilbeinflügel, welche gegen die Sattellehne in die processus cUnoidei anteriores auslaufen
, sieht man die foramina optica, welche den nerv, opticus und die art. ophthalmica in die Augenhöhle führen.
Der scharfe hintere Rand, gebildet von den kleinen Flügeln des Keilbeins kommt in die fossa Syluii des Gehirns
zu liegen und hat den sinus ophthalmicus in der harten Hirnhaut dicht unter sich.

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