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Syndesmologia, f änkrleljre.
Die Knoeheiibänder, aus geformtem Bindegewebe gebildet und von weisslicher, bläulicher oder gelblicher,
silberglänzender Farbe, geben ein festes, wenig elastisches, aber biegsames Vereinigungsmittel ebenso für die beweglich
wie unbeweglich mit einander verbundenen Knochen und Knorpel ab, so dass sie trotz ihrer Festigkeit
doch die erforderliche Beweglichkeit jener an einander nicht hindern. Sie treten von einem Knochen zum andern
, entweder direct oder über einen Knorpel hinweg, oder sind zwischen zwei Punkten frei ausgespannt. Mit
ihren Enden gehen sie in das Periosteum des Knochens über, an welchen sie sich anheften. — Das Gewebe der
Knochenbänder, welches sehr arm an Gefässen und nervenlos ist, besteht aus festem Bindegewebe und ist aus
parallelen, durch lockeres Bindegewebe zu grösseren Strängen vereinten Bindegewebsbündeln zusammengesetzt,
zwischen denen sich eine verhältnissmässig nur geringe Zahl feiner elastischer Fasern und Fasernetze hindurchzieht
. Die Bindegewebsbündel, welche meist einen geschlängelten oder leicht wellenförmig gebogenen Verlaufhaben
, sind aus sehr feinen, hellen, glatten, rundlichen Fächerchen zusammengesetzt, welche Bindegewebs-
fibrillen heissen. Die elastischen Fasern, feinere und stärkere, zeichnen sich vor den Bindegewebsfasern
durch ihre dunklen Contouren und ihre platte Gestalt aus.
Was die Gestalt der Knochenbänder betrifft, so gibt es, nach der Anordnung der Bindegewebsbündel in ihnen zu
Membranen oder Strängen, theils kapsei-, theils strangförmige Bänder. Die Kapselb änder stellen häutige Cylinder dar, welche
mit ihren beiden offenen Enden die überknorpelten Gelenkenden zweier, beweglich mit einander verbundenen Knochen umfassen
und so eine Gelenkhöhle zwischen diesen bilden. An ihrer innern, der Gelenkhöhle zugekehrten Fläche sind sie mit der gefäss-
arrnen Synovial haut bekleidet, welche die durchsichtige, gelbliche, dickliche, eiweissförmige Gelenk s chmier e oder Synovia
absondert, aber nicht auf die Gelenkknorpel übergeht (also keinen geschlossenen Sack darstellt). — Die strangförmigen Hülfs-
oder Fas erb änder, von platter oder rundlicher, drei- oder viereckiger, auch prismatischer und ringförmiger Gestalt, befinden
sich entweder ausserhalb oder innerhalb der Gelenkhöhle; im letztern Falle sind sie mit einer Lage pflasterförmiger Epithelial-
zellen bedeckt. — Die überknorpelten Gelenkflächen sämmtlicher Gelenke bestehen grösstentheils aus ächter Knorpelsubstanz
(welche aus vollkommen homogener und structurloser, hyaliner Grundsubstanz und Knorpelhöhlen mit Knorpelkörperchen [Kerne
und Zellen] zusammengesetzt ist), die dadurch mit dem Knochen so fest verbunden ist, dass ihre Grundsubstanz in die zahlreichen
Vertiefungen der knöchernen Gelenkfläche eingesenkt ist. An der freien, der Gelenkhöhle zugekehrten Fläche des knorpligen
Gelenküberzugs findet sich niemals ein Synovialhautüberzug, nur nehmen hier die Knorpelzellen das Ansehen von Epithelial-
zellen an. — Die Zwi sehengelenkknorpel, cartilagines interarticulares s. menisci, welche sich in manchen Gelenken (wie im
Unterkiefer-, Hand-, Knie- und Sternoclavicular-Gelenke) zwischen den Apophysen der Knochen und mit dem Kapselbande verwachsen
befinden, dienen als elastische, biegsame Unterlagen, die entweder den Druck und die Reibung von beiden Gelenkenden
auf und an einander verhüten, oder die Gelenkgruben vergrössern und vertiefen sollen. Sie gehen entweder durch das ganze
Gelenk hindurch und theilen dieses in zwei Höhlen oder ragen nur eine Strecke weit in dasselbe hinein; sie haben keinen Synovialhautüberzug
, nur mit Epithelium sind sie bekleidet, welches aber auch nicht bis zu ihrem freien Rande geht. Ihre Structur
ist eine faserknorplige (mit einer Grundsubstanz aus verdichtetem Bindegewebe und kernhaltigen Knorpelzellen); nur der Meniscus
des Kiefergelenks ist ein Netzknorpel (aus grobkörniger, verfilzter Grundsubstanz und Knorpelhöhlen mit Knorpelzellen). — Auch
die labra c artilaginea, Bandringe, welche die Gelenkgruben umgeben und zur Vergrösserung derselben beitragen, haben eine
faserknorplige Structur und stehen theils mit dem Periost, theils mit den Gelenkknorpeln und Gelenkbändern in Verbindung. —
Die bisweilen in die Gelenkhöhle hineinragenden Gelenkfalten, ligamenta mueosa, bestehen entweder aus grössern Fettanhäufungen
in einem formlosen Bindegewebe (glandulac synoviales Haversianae), bestimmt zur Ausfüllung von Räumen, welche sich
bei den verschiedenen Stellungen cl^er Knochen z* einander während der Bewegung bilden, oder aus eigentümlichen strangähnlichen
Fortsätzen der Synovialhaut ^aus Bindegewebe" und* Pflaster epithel), welche wegen ihres Gefässreichthums als röthliche,
weiche' grösser« Mev kleinere..Massen in, a\len ^Gelenken zu finden sind, während die Fettanhäufungen nur in den grossen Gelenken
vorkommen.
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